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Aus der Stadt Neues Gutachten: Historiker gegen Umbenennung von Hindenburgstraße
Hannover Aus der Stadt

Hindenburgstraße Hannover: Gutachten lehnt Umbenennung ab

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15:16 18.11.2019
Sie kämpfen gegen eine Umbenennung: Ludwig Meyer, Falco Schickerling und Heinz-Jürgen Brink (v.l.) von der Initiative Hindenburgstraße vor dem Lokal Hindenburg Klassik. Quelle: Dröse
Hannover

Das Urteil fiel vernichtend aus: Der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847 bis 1934) habe bei der Zerstörung der Weimarer Republik eine „zentrale Rolle“ gespielt, hieß es vor vier Jahren in einem Gutachten der Stadt. „Hindenburg ermöglichte die nationalsozialistische Diktatur“, schrieben die Vertreter des eigens eingesetzten Beirats für Straßennamen in dem kurzen Text – und empfahlen die Umbenennung der Hindenburgstraße.

Seither tobt ein erbitterter Streit um den Straßennamen. Gegner der Umbenennung haben jetzt ein eigenes Gutachten vorgelegt. „Wir bezweifeln die wissenschaftliche Qualität der Beiratsempfehlung“, sagt der Sprecher der Initiative Hindenburgstraße, Ludwig Meyer – diese sei „unausgewogen und tendenziös“.

Hindenburg – ein „Garant der Republik“?

Das neue Gutachten plädiert dafür, von einer Umbenennung der Straße abzusehen. Verfasst wurde dies von renommierten Historikern: Neben dem früheren Landtagspräsidenten Jürgen Gansäuer haben daran der Geschichtswissenschaftler Klaus Oldenhage, der frühere Staatsarchivleiter Manfred von Boetticher sowie Thomas Vogtherr, langjähriger Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen, mitgewirkt.

Umstrittene Figur: Paul von Hindenburg, Reichspräsident von 1925 bis 1934, war Ehrenbürger Hannovers. Quelle: AP

Die Beiratsempfehlung der Stadt zeichne „ein zu einseitig-negatives Bild“ Hindenburgs und enthalte Ungenauigkeiten, monieren die vier Historiker. Ihr eigenes Gutachten bemüht sich um eine differenzierte Darstellung des Politikers, der lange in Hannover lebte.

Hindenburg habe sich als Reichspräsident verfassungstreu verhalten und sei damals als „Garant der Republik“ gefeiert worden. „Insbesondere erteilte Hindenburg jeglichen Versuchen, die Monarchie wiederherzustellen, eine klare Absage“, schreiben die Historiker. Bei der Reichspräsidentenwahl 1932 habe die SPD Hindenburg massiv unterstützt, um einen Triumph Hitlers zu verhindern.

Historiker empfehlen Info-Tafel statt Umbenennung

Gegen den Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 habe Hindenburg „schwerste Bedenken“ vorgetragen und bei antisemitischen Maßnahmen der Nazis darauf gedrungen, wenigstens Ausnahmen für jüdische Frontsoldaten zu schaffen.

Das Fazit der vier Historiker: Hindenburg sei zwar „auch weiterhin als eine nicht unproblematische Persönlichkeit“ anzusehen. Sie empfehlen jedoch, die Straße nicht umzubenennen. Stattdessen solle eine Tafel mit Informationen zu Hindenburg installiert werden.

Sein Haus in der Bristoler Straße: Hier lebte Hindenburg, ehe er 1925 Reichspräsident wurde. Quelle: Michael Wallmüller

Der zuständige Bezirksrat Mitte hat bereits prinzipiell für eine Umbenennung der Straße votiert. Bei einer Befragung hatten sich dann jedoch 298 von 549 Anwohnern dafür ausgesprochen, den alten Namen beizubehalten. Unter den eingegangenen Vorschlägen will der Bezirksrat nun sieben Namen auswählen, aus denen Anlieger dann ihren Favoriten küren dürfen.

„Wirklich basisdemokratisch ist dieses Verfahren nicht, wenn die Bürger nur über eine Vorauswahl abstimmen dürfen“, kritisiert Falco Schickerling von der Initiative Hindenburgstraße. Diese fordert, dass der Bezirksrat das Umbenennungsverfahren aussetzt: Angesichts des neuen Gutachtens seien weitere Diskussionen nötig.

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Von Simon Benne

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