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Aus der Stadt Hogwartsnacht: Wie ein Gymnasium zur Zauberschule wird
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Hogwartsnacht in Hannover-Nordstadt: Gymnasium wird zur Zauberschule

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16:02 30.01.2020
Der zehnjährige Henri geht in seiner Rolle als Harry Potter voll auf und hält eine Eule auf dem Arm. Quelle: Lisa Eimermacher
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Nordstadt

In der Aula des Gymnasiums Lutherschule tummeln sich Schüler in schwarzen Umhängen, weißen Hemden und Krawatten. Ein großer, bärtiger Hagrid schiebt sich behäbig an einem kleinen Dumbledore vorbei. Der Zwölftklässler Albi trägt einen schwarzen Umhang mit grünem Kragen und erklärt seinen jungen Schützlingen, dass sie sich um ihn versammeln sollen, wenn er seinen Zauberstab über dem Kopf in kleinen kreisförmigen Bewegungen schwingt. Die jüngeren Schüler folgen gehorsam und bilden eine Traube um ihn. „Wir sind Slytherin, wir sind gewieft“, sagt er in strengem Ton.

Die angehenden Abiturienten richten zum fünften Mal die Hogwartsnacht für die jüngeren Jahrgänge aus. Insgesamt sind 90 Schüler und Lehrer dabei. Gemeinsam übernachten sie in der Schule, aber vorher gibt es noch viele Rätsel und Aufgaben zu lösen. An den langen Tischen in der Aula, die denen in den Filmen nachempfunden sind, haben die Schüler zu Beginn des Abends Hotdogs gegessen. Von der Decke hängen die Wappen der Hogwartshäuser. Der sprechende Hut hat die Schüler einem der vier Häuser Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin zugeteilt.

Da leuchten die Augen: Die Schüler der Lutherschule sind von der Hogwartsnacht begeistert.

Impuls für das Sozialgefüge

Diese Veranstaltung sei einmalig in Hannover, was auch dem Gebäude geschuldet sei, sagt Schulleiter Karl-Heinz Heinemann. Als die Schüler vor ein paar Jahren ihre Idee für die Veranstaltung an die Schulleitung herangetragen hatten, habe sie sofort zugestimmt. „Der Abiturjahrgang akquiriert Geld für die Abikasse, die Fünftklässler haben einen Riesenspaß und gucken ab dem darauffolgenden Montag zu den Abiturienten hoch, weil sie sie in der Hogwartsnacht als Beschützer wahrnehmen“, sagt der Schulleiter. Das gebe ein neues Sozialgefüge. „Normalerweise kommen die Älteren nie mit den Kleineren zusammen, und heute ist es anders“, sagt Mariana aus der fünften Klasse.

Die Gruppen verteilen sich auf die unterschiedlichen Stationen in der Schule, um sich den jeweiligen Aufgaben zu stellen. Dabei erhalten sie Hinweise auf ein Zauberwort. Denn zuvor haben Kobolde Dumbledores Zauberstab gestohlen, den es zu finden gilt. Beim Anblick der prunkvollen Gewölbedecke über der alten, steinernen Treppe und der liebevollen Dekoration kommt definitiv Hogwartsfeeling auf.

Die Freundinnen Khulan, Jane und Emilia alias Ginny, Dobby und Lili Luna Potter gehören zum Haus Ravenclaw. Die Fünftklässlerinnen müssen beim Quidditch-Pong einen Ball durch die Ringe in die Becher bekommen und dann schnell dem goldenen Schnatz hinterherjagen. „Wir finden die Hogwartsnacht richtig gut, weil man sich hier verkleiden kann und schon nach ein paar Monaten in der Schule übernachten darf“, sagt Khulan.

Staunen über die Schleiereule

Henri sieht mit der runden Brille und der aufgemalten Narbe auf der Stirn seinem Vorbild Harry Potter sehr ähnlich. Im Film ist Harrys weiße Eule Hedwig sein treuer Begleiter. Zum ersten Mal bei einer Hogwartsnacht ist heute die Tierpflegerin Anna Asweh aus dem Tierpark Herford mit der grauen afrikanischen Schleiereule Hyde zu Gast. Sie erzählt den Kindern, dass es in den Harry-Potter-Filmen nicht nur eine Eule gab, sondern mehrere, die auf bestimmte Tricks spezialisiert waren. Die Schüler ordnen große Federn den Eulenfotos zu und dürfen Hyde später alle behutsam über das weiche Gefieder streicheln. Henri darf den 300 Gramm schweren Vogel sogar auf dem Arm halten. „Für die Schule haben wir mal eine Ausnahme gemacht, weil das so eine schöne Aktion ist“, verrät die Tierpflegerin.

„Das riecht furchtbar!“

In einem dunklen Unterrichtsraum müssen Henri und seine Mitschüler Zaubertränke mischen. In roten Bechern befinden sich Säfte, aus denen sie etwas Geschmackvolles zaubern sollen. Welche Wirkung das jeweils hat, müssen sie ebenfalls bestimmen. Einen Saft stellt Henri beiseite. „Das ist rote Beete oder so was“, sagt er. Das Gebräu wird vom strengen Zauberlehrer, der von einem Zwölftklässler verkörpert wird, mit sechs von zehn Punkten bewertet, weil der rote Saft fehlt. „Das riecht furchtbar, das kann doch nicht gut sein!“, protestiert Harry. Mitschülerin Jovana ist als Dementor verkleidet und probiert den Trank von Mariana, die ebenso wie ihr Hermine-Kostüm die Höchstpunktzahl bekommen hat.

Im November haben die angehenden Abiturienten mit der Planung der Hogwartsnacht begonnen. „Bei der Organisation hatten wir Hilfe durch die vorangegangenen Jahrgänge, an deren Plan wir uns orientieren konnten“, sagt Zwölftklässlerin Janna Fröhlich. „In diesem Jahr ist die Schnitzeljagd nach Dumbledores Zauberstab neu“, sagt Stefanie Vieregge, die von Harry Potter begeistert ist und seit drei Jahren bei der Organisation hilft. Ihre Tochter geht in die achte Klasse des Gymnasiums.

Blick in die Kristallkugel

Im Wahrsager-Klassenzimmer lassen die Zwölftklässler Apinayaa Murasolimaran und Leonard Feldt die Kleinen in eine Kristallkugel blicken. Ihre Aufgabe ist es, die Zukunft vorherzusagen. Nacheinander leuchten die Gesichter der Schüler im weiß-blauen Licht der Kugel, die zischende Geräusche und Musik von sich gibt. Die Kinder beraten sich in der Gruppe. „Vielleicht wird Hogwarts von Voldemort beobachtet“, deutet ein Schüler die Kristallkugel. „Ich denke, ihr habt uns ein gutes Stück weitergebracht“, lobt Zauberlehrer Leonard Feldt – es gibt sieben von zehn Punkten. Und von Zauberlehrerin Apinayaa Murasolimaran zum Schluss noch einen Hinweis: „Ihr seid schon ganz dicht dran, das Rätsel zu lösen.“

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