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Aus der Stadt Bekommt Hannover zwei Hotels ohne Fenster?
Hannover Aus der Stadt Bekommt Hannover zwei Hotels ohne Fenster?
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00:21 06.09.2018
Will das Angebot um einige Dutzend fensterlose Zimmer erweitern – darf aber nicht: Das Bed´n-Budget-Hotel an der Osterstraße. Quelle: Alexander Körner
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Hannover, Hannover

Hannoversche Unternehmer beklagen sich über mutmaßlich überbordende Bürokratie beim städtischen Bauamt. Dieses weigert sich seit Monaten, Bauanträge von zwei Hoteliers für fensterlose Hotels in der Innenstadt zu genehmigen. Jetzt gibt es eine neue Wendung: Baudezernent Uwe Bodemann hat das zuständige Bauministerium des Landes eingeschaltet, um über den Konflikt zu entscheiden.

In Göttingen funktioniert das Startup des Hannoveraners Oliver Blume offenbar gut: Sein im Mai des Vorjahres eröffnete Box-Hotel mit Zimmern ohne Fenster hat nach Unternehmensangaben bereits 15 000 Gäste angelockt, die dort für Preise zwischen 24,99 und 34,99 Euro pro Nacht schlafen. Ein ausgeklügeltes System der Belüftung, ähnlich wie bei Innenkabinen für Kreuzfahrtschiffe, garantiert Frischluftzufuhr. Die nur 4,3 Quadratmeter großen Räume sind 3,50 Meter hoch, sodass die Betten übereinander angeordnet werden können.

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So sehen die fensterlosen Hotelzimmer aus. Quelle: Michaela Hundertmark, Michael Mehle

Sieben Monaten lange hoffte Blume auf eine Baugenehmigung für dieses Konzept auch in Hannover – doch die Stadt verwehrt die Baugenehmigung. In Göttingen gelte das gleiche Landesbaurecht wie in Hannover, sagt Blume: „Ich sehe keinen Grund, mir die Genehmigung zu versagen.“ Bitter für ihn: Er hat bereits einen 15-jährigen Mietvertrag in der Nikolaistraße neben dem Astor abgeschlossen. „Monatlich kostet das richtig Geld“, sagt der 53-Jährige. Er will eine Schadenersatzforderung in Halbmillionenhöhe gegen Hannover anstrengen, wenn die Stadt ihm die Genehmigung verwehrt.

Hotelier Andreas Wienecke hat es noch härter getroffen: Seit zwei Jahren will er ein ähnliches Konzept neben seinem Bed´n-Budget-Hostel in der Osterstraße umsetzen, wo einst der Grieche Naxos wirtschaftete. „Die Räume sind entkernt, wir bräuchten nur Wände aufzustellen und könnten anfangen“, sagt Wienecke. Der erste Bauantrag sei wegen Fluchtwegbedenken abgelehnt worden, beim zweiten Antrag habe die Stadt dann plötzlich das Thema der Fensterlosigkeit vorgebracht. „Das Argument ist nicht nachvollziehbar“, sagt Wienecke. Die Stadt argumentiere, dass alle Aufenthaltsräume Fenster haben müssten. „Aber ein Schlafraum ist kein Aufenthaltsraum“, sagt Wienecke. Blume ergänzt: „Wenn die Leute ins Hotel gehen, ziehen sie meist sowieso als erstes die Gardinen zu.“

Das Angebot zielt auf junge Städtereisende, Geschäftsreisende und Handwerker. In dem Niedrigpreissegment hat Hannovers bisher wenig zu bieten: Während es in jeder größeren Stadt inzwischen mehrere preiswerte Hostels gibt, ist Wieneckes Bed´n Budget an der Osterstraße bisher einziger Innenstadt-Standort, an dem Gäste ab 17,50 Euro übernachten können. „Die Nachfrage ist groß, wir haben 20 000 zusätzliche Übernachtungen für Hannover durch das Angebot generiert“, sagt Wienecke. Die Zimmer ohne Fenster sollen das Angebot ergänzen.

„Habe das Zutrauen in Hannover verloren“

Unternehmer Blume, der vor dem Box-Hotel-Startup unter anderem die Franchisekette Easy-Apotheke gegründet hat, ist spürbar genervt von dem Konflikt mit der Bauordnung. „Ich habe noch viele weitere Ideen für Hannover, wollte Grundstücke kaufen und Projekte entwickeln – aber ich habe jetzt das Zutrauen verloren.“ Dass er ausgerechnet in seiner Heimatstadt keine Genehmigung erhält für ein Projekt, das im gleichen Bundesland in Niedersachsen bereits floriert, ärgere ihn. Er will jetzt in Hamburg und Dresden expandieren.

Die Stadt will wegen des schwebenden Verfahrens inhaltlich keine Stellung dazu nehmen, warum sie die Bauanträge ablehnt. Sie bestätigt aber, dass sie „die Vorgänge an die vorgesetzte Dienststelle“ weitergegeben habe „mit der Bitte um eine grundsätzliche Entscheidung, da es um die generelle Frage geht, wie in Niedersachsen vergleichbare Projekte nach Landesbauordnung zu bewerten sind“.

Von Conrad von Meding

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