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Aus der Stadt SPD fordert Neubau auf brachliegendem Gewerbegebiet
Hannover Aus der Stadt SPD fordert Neubau auf brachliegendem Gewerbegebiet
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00:21 25.01.2019
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Linden-Mitte

Für die zu großen Teilen marode Integrierte Gesamtschule (IGS) Linden fordert die Lindener SPD jetzt einen Neubau. Dafür soll ein brachliegendes Gewerbegebiet am Lindener Hafen westlich der Bernhard-Caspar-Straße erschlossen werden. Einen entsprechenden Antrag will die SPD in der Sitzung des Bezirksrates Linden-Limmer am 30. Januar stellen.

Mit den knapp 14 Millionen Euro, die der Stadtrat bereits beschlossen hat, könnten zwar die dringendsten Schäden am Gebäude beseitigt werden, sagte Philipp Schmalstieg, SPD-Ortsvereinsvorsitzender und Sohn des früheren Oberbürgermeisters Herbert Schmalstieg. Aber langfristig komme man um einen Neubau nicht herum: „Diese Schule braucht auf längere Sicht eine Perspektive. Diese Perspektive kann nicht das Hangeln von Sanierung zu Sanierung sein. Wir brauchen einen Neubau an anderer Stelle.“

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Ein möglicher Standort könne ein ungenutztes Grundstück am Rande des Lindener Hafens sein, findet der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bezirksrat, Matthias Voß. Das Areal sei durch seine Nähe zu einem angrenzenden Wohngebiet und einer Stadtbahnhaltestelle der Linie 9 gut geeignet. Die Stadt solle dieses Gelände für eine „städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ vorsehen.

Die räumliche Situation der IGS sei sehr unbefriedigend, heißt es in dem Antrag. Zurzeit sei der Schulbetrieb auf vier Gebäude verteilt, demnächst (wenn die Ihmeschule von der Helene-Lande-Schule in Beschlag genommen wird) würden es drei Gebäude sein – und zusätzliche Räume in Containern. Das erzeuge viel Leerlauf für Lehrer und Schüler, die zwischen den Gebäuden unterwegs seien. Durch zusätzliche Bauten am vorhandenen Standort werde die Situation nicht wesentlich besser. „Schulräume, die heutigen Ansprüchen genügten, lassen sich nur durch einen Neubau für die gesamte Schule an einem einzigen Standort schaffen“, argumentiert die SPD Linden.

Das Grundstück zwischen Badenstedter und Davenstedter Straße westlich der Bernhard-Caspar-Straße biete viele Vorteile, die Sportanlagen der Schule bei Linden 07 seien noch gut erreichbar. Auch die Bemühungen der Stadtverwaltung, für die Grundstücke am Lindener Hafen eine neue Nutzung zu finden, blieben davon unberührt. Zudem könnte der Schulbetrieb bis zur Fertigstellung des Neubaus in den derzeitigen Gebäuden weiterlaufen.

Von den Linken kommt Zustimmung. Es sei schön, dass jetzt endlich auch die Sozialdemokraten in Linden erkannt hätten, wie nötig ein Neubau sei, sagte der Linken-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Dirk Machentanz. Die Linken hätten schon vor einem Jahr einen Neubau gefordert.

Der frühere SPD-Ratsherr Ernst Barkhoff hatte allerdings bereits die Überbauung des Westschnellwegs vorgeschlagen, um einen IGS-Neubau zu ermöglichen. Schüler, Eltern und Lehrer fordern seit Langem mehr Platz. Zwischenzeitlich hatte die IGS Räume der früheren Ihmeschule mitgenutzt, aber diese beansprucht die Helene-Lange-Schule, da die Gymnasien wegen des Abiturs nach 13 Jahren einen Jahrgang mehr unterbringen müssen.

Die Stadt hatte die Forderung nach einem Neubau bislang immer strikt abgelehnt und darauf verwiesen, dass das Bestandsgebäude keinen Platz für große Erweiterungen habe. Während der Sanierung sollen die Schüler in Container ausweichen, die bis zu zehn Jahre stehen könnten. Schulleiter Peter Schütz zeigte sich enttäuscht, dass die Stadt stets auf die Enge des bisherigen Standortes verweise, statt neue Grundstücke in Betracht zu ziehen. Wiederholt hatten Schüler und Eltern gegen die baulichen Zustände öffentlich protestiert.

Kommentar: Breite Bewegung für eine neue IGS

Eigentlich ist es beschlossene Sache: Die maroden Gebäude der IGS Linden sollen saniert werden – einen Neubau wird es nicht geben. So sehen es die Pläne der Verwaltung vor, denen die Politiker im Rat der Stadt zugestimmt haben. Doch mit dieser Entscheidung geben sich Lehrer, Schüler und Eltern nicht zufrieden. Ebenso wie viele andere Menschen im Stadtteil. Das hat nicht zuletzt die gut besuchte Diskussionsreihe zur Zukunft der Schule gezeigt, an der sich auch Architekten und Fachleute aus dem Bildungsbereich beteiligt haben, die nicht in der Stadtverwaltung sitzen. Im Februar werden sich Arbeitsgruppen gründen, um das Neubauziel weiterzuverfolgen und Stadt und Ratspolitik umzustimmen.

Dass das Thema jetzt wieder im Bezirksrat auf der Tagesordnung steht, ist ein erster Schritt in diese Richtung. Die SPD-Fraktion in dem örtlichen Gremium verleiht dem Wunsch nach einem Neubau Nachdruck. Ob der neu ins Spiel gebrachte Standort im Gewerbegebiet der bestmögliche ist, muss diskutiert werden. Sicher aber ist: Der öffentliche Druck auf die Stadt und die Ratspolitik wird weiter wachsen, wenn die Menschen im Stadtteil sich gemeinsam mit dem Bezirksrat engagieren. Dass dies mühsam ist, aber letztlich zum Erfolg führen kann, hat das Beispiel des Fössebads gezeigt.

Von Saskia Döhner

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