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Aus der Stadt Bauamt Hannover hat dramatische Organisationsmängel
Hannover Aus der Stadt Bauamt Hannover hat dramatische Organisationsmängel
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00:18 26.10.2018
Wird jetzt alles besser? Hannovers Bauamt am Rudolf-Hillebrcht-Platz steht wegen langer Bearbeitungszeiten und teils chaotischer Organisation in der Kritik. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Eine interne Untersuchung bescheinigt Hannovers Bauamt dramatische Organisationsmängel. Auf mehr als 50 Seiten listen Gutachter auf, was seit Jahren schief läuft. Es gebe „wenig transparente und einheitliche Bearbeitungsstandards“, Entscheidungen würden von Mitarbeitern als „willkürlich“ wahrgenommen, es mangele an „klaren Abläufen und eindeutigen Entscheidungswegen“, an die sich „sowohl Mitarbeiter als auch Leitungskräfte gebunden“ fühlten. Dezernent Uwe Bodemann sagt, man wolle jetzt mehr Personal einstellen und Organisationsstrukturen ändern.

Überforderung, unklare Regeln und mangelnde Technik

In fast allen Städten kritisieren Bauherren und Architekten, dass die Bearbeitung von Bauanträgen zu lange dauert. In Hannover aber war die Kritik zuletzt immer lauter geworden. Auch, weil die Verfahren oft chaotisch waren, weil Bauamtsmitarbeiter nach wochenlanger nicht-Bearbeitung von Anträgen plötzlich neue Unterlagen nachforderten oder überraschend zusätzliche Auflagen machten. Wer das vertrauliche Gutachten der Firma Gebit aus Münster liest, der versteht, warum das so ist. Wochenlang hatten Mitarbeiter in Workshops herausgearbeitet, was schief läuft, Gebit hat die Angaben überprüft und bewertet. Von einer regelmäßigen Überforderung ist die Rede, von unklaren internen Regeln, von Vorgesetzten, die sich plötzlich mit neuen Wünschen in Verfahren einmischen und davon, dass die Computerprogramme nicht funktionierten: Mitarbeiter machten sich vielfach handschriftliche Notizen, was dann im Fall von Vertretungen zu Chaos führe.

Stadtbaurat Bodemann sagt, sein Dezernat habe die Untersuchung beauftragt, um zu überprüfen, ob die Mitarbeiterzahl angesichts stark steigender Bauanträge ausreicht, und um die Organisationsabläufe zu prüfen. „Insofern haben wir erwartet, dass Schwachstellen aufgezeigt werden“. Dass das Papier eine „bisweilen deutliche Diktion“ habe, erkläre sich daraus, dass es eigentlich ein interner Bericht sei. „Trotz aller Kritik sollte nicht vergessen werden, dass im Jahr 2018 bis heute Baugenehmigungen für etwa 1800 Wohneinheiten erteilt wurden“, findet Bodemann.

Mehr Personal soll helfen

In Kürze sollen für die entsprechenden Arbeitsbereiche der Bauverwaltung acht zusätzliche Personalstellen ausgeschrieben werden, zudem werde die Arbeit intern umorganisiert. Wichtigste Neuerung: Bisher haben die technischen Baugesuchsprüfer quasi ständig eine offene Tür, wer ein Anliegen hat, kann direkt zu ihnen kommen. Das aber störe ständig bei der Arbeit, heißt es in dem Gutachten. Künftig sollen Bearbeitung und Sprechzeiten konsequent getrennt werden, damit Bauanträge „kontinuierlicher und konzentrierter abgearbeitet“ werden können.

Unter anderem soll auch das Management der Akteneinsicht verbessert werden. Im Gutachten ist zu lesen, dass zuweilen hochbezahlte Mitarbeiter sich ins Auto setzen, um Unterlagen von entfernten Archivstandorten zu besorgen – die Zeit fehle zum Prüfen von Bauanträgen. Bodemann und sein Stellvertreter Michael Heesch sagen, dies seien Ausnahmefälle. Richtig sei aber, dass ab November drei zusätzliche Mitarbeiter für eine Verbesserung der Arbeitsabläufe sorgen sollen. Die Stadt arbeite zudem an einem Update des zentralen Computerprogramms ProBauG mit, sodass dies noch besser auf die Bedürfnisse der hannoverschen Bauverwaltung eingestellt werde. Man sei sicher, dass sich durch die Umorganisation und Aufstockung „die gewohnte Qualität unserer Arbeit im Sinne unserer Kunden und Mitarbeiter verbessern“ werde, sagt Bodemann.

Es geht besser: Verbindliche Auskunft beim ersten Besuch

In der Bankenstadt Frankfurt werden im Bauamt rund 6000 Wohnungen pro Jahr genehmigt – und die meisten laufen reibungslos. „Wir haben lernen müssen“, sagt der stellvertretende Leiter der Bauaufsicht, Uwe Amend: „Wir haben anspruchsvolle Investoren. Denen ist es egal, ob sie in Frankfurt, Berlin oder Paris bauen. Das muss funktionieren.“

Was Hannover jetzt plant – die Trennung von Beratung und Bauantragsprüfung – hat Frankfurt schon 2002 umgesetzt. Mit hoher Servicequalität. Das Projekt nennt sich dort Expressberatung: Wer ein Haus bauen will, kann mit allen Unterlagen, die er schon hat, an vier Vormittagen pro Woche im Bauamt erscheinen und erhält dort eine kompetente Beratung, an deren Abschluss eine vollständige Checkliste ausgedruckt wird mit Angaben zu allen Dokumenten, die für die Genehmigung nötig sind. Auch die vorgedruckten Bauantragsformulare sind dabei, der für den Antrag notwendige Ausdruck der Stadtgrundkarte und Luftbilder – alles kostenfrei.

„Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Mitarbeiter in der Beratung so qualifiziert sind, dass sie alle Schritte berücksichtigen“, sagt Amend, „aber auch, dass sie das Vertrauen der letztlichen Prüfer haben, dass alles vorab abgefragt ist.“ Sie werden unterstützt von einem Computerprogramm, das mit der kommunalen Geoinformation verknüpft ist. „Wenn es um ein Grundstück geht, wird sofort angezeigt, ob dort eine Erhaltungssatzung oder Denkmalschutz zu beachten sind, sodass es später keine Nachfragen gibt“, sagt Amend.

Bei vereinfachten Bauantragsverfahren gibt es das Versprechen, dass nach drei Monaten Prüfzeit die Genehmigung erteilt wird, ohne Verlängerung. So etwas gibt es in Hannover nur für Gewerbebauten. „In Wahrheit aber sind wir viel schneller“, sagt Amend. In durchschnittlich 60 bis 62 Tagen seien alle Bauanträge genehmigt, sagt Amend. „Und dieser wert schließt alle Gebäude ein, also auch Hochhäuser.“

Von Conrad von Meding

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