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Aus der Stadt Deshalb hält Stadt-Eventmanager Ralf Sonnenberg die Einschränkungen für richtig
Hannover Aus der Stadt Deshalb hält Stadt-Eventmanager Ralf Sonnenberg die Einschränkungen für richtig
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00:33 06.01.2019
Ralf Sonnenberg vom Eventmanagement der Stadt Hannover verteidigt den Einlassstopp in der Markthalle am Silvestertag. Quelle: RND Montage/Kutter/Wilde
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Hannover

Die Debatte rund um die Markthalle und die eingeschränkte Besucherzahl an Silvester bewegt Hannover. Im Interview erklärt der Stadt-Eventmanager Ralf Sonnenberg, wieso dieses Verbot notwendig ist.

Herr Sonnenberg, an Silvester durften nur 900 Gäste in die Markthalle, weil die Stadt den Ort wegen des vielen Prosecco als ein Veranstaltungsbetrieb einstufte. An anderen Tagen dürfen Tausende dort verweilen – obwohl auch dann viel Kaffee und Sekt fließen. Verstehen Sie, dass das keiner versteht?

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Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Da aber am Silvestertag das Feiern und das Verweilen gegenüber dem Einkaufen überwiegt, müssen wir eine andere Rechtsgrundlage – die Versammlungsstättenverordnung – als an normalen Tagen anwenden. Diese Bewertung haben wir den Betreibern der Markthalle bereits vor einem Jahr mitgeteilt. Die Anzahl der Gäste richtet sich nach der Größe der Notausgänge und Fluchtwege, das ist streng geregelt. Wir haben die Situation zudem gemeinsam mit der Feuerwehr vor Ort überprüft.

Aber verstehen Sie denn den Ärger der Besucher, die draußen vor der Tür standen, und den der Standbetreiber, die deutlich weniger Umsatz gemacht haben als erwartet?

Ja, sehr gut sogar. Deswegen haben wir mehrfach versucht, auf den Betreiber einzuwirken, seinen Aufgaben und Pflichten gerecht zu werden. Mit einem guten und belastbaren Konzept und einem aktiven Umgang hätte sich der Tag sicherlich anders gestaltet. Auch eine Kommunikation des Betreibers hätte geholfen.

Unverständnis in der Ratspolitik

Nur 900 Menschen in der Markthalle, wo sich sonst an einem gewöhnlichen Sonnabend auch mal Tausende aufhalten, Frust bei den Standbetreibern drinnen, draußen vor der Tür lange Schlangen von Wartenden: Die strengen Auflagen der Stadt für die Markthalle am Silvestertag haben vielen die Laune verhagelt. Auch im neuen Jahr noch sorgen die einmaligen Beschränkungen am Silverstertag für Unverständnis, auch bei den Ratspolitikern – aus Opposition wie aus dem Bündnis von SPD, Grünen und FDP.

CDU-Fraktionschef Jens Seidel hält die Auflagen für übertrieben. „An 364 Tagen im Jahr ist die Markthalle eine Einkaufsstätte, am 365. Tag plötzlich ein Veranstaltungsort mit strengeren rechtlichen Voraussetzungen. Das ist eine Inkonsequenz der Stadt, die nicht nachvollziehbar ist.“ Es gebe andere Tage im Jahr, an denen die Markthalle ebenfalls „brechend voll“ sei. Seidel nimmt die Diskussion zum Anlass für einen Vorschlag: „Ich würde mir wünschen, dass Stadt und Betreiber einmal grundsätzlich darüber sprechen, wie man die Markthalle insgesamt attraktiver macht – innen wie auch das Gebäude.“

Jens Menge von der SPD blickt ebenfalls nach vorn: „Wir müssen gucken, welche Lehren wir daraus ziehen. Das darf sich jedenfalls nicht wiederholen“, sagt der ordnungspolitische Sprecher der SPD. „Wenn alle Beteiligten sagen, das war Mist, dann war das die schlechteste Lösung. Stadt und Betreiber müssen das jetzt gemeinsam regeln.“ Beides müsse möglich sein: die Halle als Marktverkaufsstätte und als besonderer Veranstaltungsort. „Wir brauchen neue Regeln.“ Eines aber sei klar: „Eine Beschränkung auf 900 Besucher wird es nicht noch einmal geben.“ Die Grünen verlangen ebenfalls Klärung von der Stadt und richten den Blick auf Standbetreiber und Besucher. „Unterschiedliche Regelungen für im Grunde dieselbe Sache – das ist den Menschen und den Händlern nicht verständlich zu machen“, sagt Fraktionschefin Freya Markowis.

FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke zeigt Verständnis für die Stadt. „Wäre etwas passiert, das Geschrei wäre anschließend groß gewesen“ – auch wenn er die Beschränkung auf 900 Besucher „merkwürdig angesetzt“ findet. Der Liberale nimmt aber auch die Betreiber in die Verantwortung. „Die müssen sich ein Konzept überlegen. Nur hinstellen und kassieren, sich aber ansonsten nicht kümmern, geht auch nicht.“

Warum denn überhaupt diese neuen Beschränkungen? In der Vergangenheit ist doch nichts Schwerwiegendes passiert.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Hinweise, dass die Markthalle massiv überfüllt gewesen ist. Erst dann tätig zu werden, wenn Schwerwiegendes passiert, halte ich für fahrlässig und sollte nicht Motiv einer umsichtigen Planung sein.

Experten sagen, die Auflagen wären nicht zwingend gewesen, die Stadt hätte ihren Ermessensspielraum mit mehr Fingerspitzengefühl nutzen können. Warum müssen also - platt gesagt - die Besucher der Markthalle an Silvester besser flüchten können als an Heiligabend zum Beispiel, an Sonnabenden oder vor 96-Spielen, wenn es teilweise ähnlich voll ist?

Das Eventmanagement der Stadt nutzt häufig gegebene Ermessensspielräume aus. Auch im Umgang mit der Markthalle in der Vergangenheit. Das ist unser Tagesgeschäft. Jedoch bedarf es dann einer guten Begründung oder eines belastbaren Konzeptes durch den Betreiber bzw. Veranstalter. So arbeiten übrigens fast alle Veranstalter in Hannover: Sie setzen sich aktiv mit der jeweiligen Problemstellung gemeinsam mit uns auseinander. Hiervon haben die Betreiber leider abgesehen.

Sie sagen also: Der Betreiber hat nicht ausreichend mitgearbeitet. Das erklärt aber noch nicht, warum die Stadt dem Betreiber am Silvestertag stärkere Beschränkungen auferlegt als an anderen vollen Tagen. Wo liegt der Unterschied?

Es ist ein Unterschied, ob man eine Veranstaltung macht oder ob es in einer Verkaufsstätte voll ist. Außerdem: Viele Hinweise und unsere eigene Bewertung vor Ort zeigen, dass der Silvestertag stärker besucht wird, als das beispielsweise an den Heimspieltagen von Hannover 96 der Fall ist. Hinzu kommt eine lange Verweildauer. Silvester ist eben ein besonderer Tag. Die Auflagen für Veranstaltungen sind im Landesrecht geregelt, die hat sich nicht die Stadt überlegt.

Die Bilder aus der Markthalle vom Silvestertag

Umsatzverluste, leere Gänge, aber lange Schlangen vor den Türen: In der Markthalle hat die von der Stadt angeordnete Begrenzung der Besucherzahl Händlern das Geschäft und Gästen die Stimmung vermiest.

Drohen etwa ähnlich strenge Auflagen an weiteren stark besuchten Tagen?

Dazu besteht zurzeit kein Anlass. Silvester hat bisher immer einen besonderen Charakter in der Markthalle gehabt.

An manchen Tagen scheint die Markhalle eher Kneipe als Verkaufsfläche. Hat nicht die Halle schon länger ihren Charakter als Markt im klassischen Sinn verloren, wo die Leute Obst, Gemüse und Spezialitäten kaufen?

Ich persönlich finde, dass die Halle derzeit einen guten Mix hat.

Wird die Stadt noch einmal auf den Betreiber der Markthalle zugehen? Wie könnte eine Lösung für die Zukunft aussehen?

Ja, wir sind wie immer zu Gesprächen bereit und hoffen sehr, endlich eine konstruktive Ebene finden zu können. Uns liegt die Tradition in der Markthalle am Silvestertag sehr am Herzen. Es gibt mit Sicherheit einige Stellschrauben, an denen der Betreiber drehen kann, damit mehr Personen an Silvester in die Markthalle kommen können. Aber noch mal: Das setzt voraus, dass wirklich alle Beteiligten ihre Hausaufgaben machen.

Mal ganz persönlich gefragt, Sie waren ja selbst vor Ort: Wie hat es Ihnen Silvester in der Markthalle gefallen?

Ja, wir waren mit mehreren Kollegen vor Ort. An einigen Stellen in der Halle wurde ausgelassen gefeiert, die Stimmung war dort gut, z.B. im Bereich der Rolltreppe. Wir würden uns jedoch freuen, dieses Fest besser zu gestalten.

Zur Person

Ralf Sonnenberg ist seit 2007 der Veranstaltungsmanager der Stadt. Als Leiter des Eventmanagements, das im Büro des Oberbürgermeisters angesiedelt ist, kümmert sich Sonnenberg um die Veranstaltungen im Stadtgebiet wie etwa das Schützenfest, die Fête de la Musique, das Maschseefest oder das Klassik Open Air im Maschpark. Der Politologe und Historiker Sonnenberg ist 42 Jahre alt.

Von Karl Doeleke

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