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Aus der Stadt CDU-Kandidat Tilman Kuban: Hannover profitiert von Europa
Hannover Aus der Stadt

Interview zur Europawahl: CDU-Kandidat Tilman Kuban will Arbeitsplätze sichern

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00:16 26.05.2019
„Europa muss für viele Menschen erlebbar werden“, sagt Tilman Kuban. Quelle: Tim Schaarschmidt

Herr Kuban, warum ist die Europawahl so wichtig?

Wir erleben, dass die Welt unruhiger wird. Trump, Putin und Erdogan sind nur einige Beispiele. Und wir erleben in Europa eine immer größer werdende Gruppe von Politikern, die Europa zerstören will, wie man es zum Beispiel beim Brexit sehen kann oder bei den Populisten am linken und rechten Rand. Wir stehen vor der Frage, ob wir Europa zusammenhalten können oder nicht. Ich will, dass wir in Europa zusammenstehen, deshalb ist diese Wahl so wichtig.

Was wollen sie für die Region Hannover in Europa erreichen?

Die nächste Legislaturperiode wird auch über eine neue Förderperiode entscheiden. Hannover und die Region haben stark von Europa profitiert, zum Beispiel beim Bau des Yukon Bay im Zoo, beim Aufbau der Dorfläden im Umland oder bei den Projekten des Programms Soziale Stadt. Europa ist vor Ort zu sehen und hat einen Mehrwert für die Region. Darauf will ich mit neuen Projekten und neuen Ideen aufbauen.

Was ist für Sie das wichtigste an Europa?

Der Dreiklang Frieden, Freiheit und Wohlstand. Meine Generation ist die zweite, die in Europa friedlich zusammenlebt. Und meine Generation ist die erste, die in Europa frei reisen, frei studieren, frei arbeiten und neuerdings auch frei telefonieren kann. Das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern gemeinsam erarbeitet worden.

Aber haben wir uns daran vielleicht schon so sehr gewöhnt, dass wir es als angenehme Selbstverständlichkeit empfinden?

Ja, das ist so. Deshalb müssen wir neue Leuchtturmprojekte für Europa schaffen. Ich will, dass wir Europa für möglichst viele Menschen erlebbar machen. Wir müssen Erasmus-Plus, das Austauschprogramm für Schüler, Auszubildende und Studenten unbedingt ausbauen. Und ich unterstütze den Vorschlag unseres Spitzenkandidaten, Manfred Weber, jedem 18-Jährigen Europäer ein kostenloses Interrailticket anzubieten, um neue Freunde im Ausland zu finden. Wer unser Europa erlebt und Freunde findet, wird den Glauben an Europa nicht aufgeben.

Und was ist der größte Fehler der EU?

Wir müssen schneller und entscheidungsfähiger werden. Wir erleben ein neues Innovationstempo in der Welt und müssen auch mit dem Politiktempo nachziehen. Nur dann werden wir neues Vertrauen in Europa zurückgewinnen. Dafür muss sich die EU weniger mit der Lautstärke von Staubsaugermotoren oder Zubereitungstipps für Pommes beschäftigen und stattdessen stärker die großen Aufgaben in den Blick nehmen, die kein Staat alleine regeln kann: die Sicherung der Außengrenzen, eine gemeinsame Klimaschutzstrategie oder die drohende Beschränkung des Welthandels.

Herr Kuban, warum zieht es Sie nach Europa?

Weil ich mich für dieses Europa der Freiheit und des Wohlstands einsetzen möchte. Gerade durch die außenpolitischen Entwicklungen der letzten Jahre ist der Zusammenhalt Europas noch wichtiger geworden. Es gibt dabei auch viele Themen, die die junge Generation beschäftigen, wie zum Beispiel die Freiheit im Netz, die Klimapolitik oder die Außenpolitik. Dafür will ich im Europäischen Parlament der jungen Generation eine Stimme geben. Bei allem Respekt für die Lebensleistung der älteren Generation, aber die Zeit, in der es hieß, „hast du einen Opa, schick ihn nach Europa“, ist vorbei.

Zur Person: Tilman Kuban

Tilman Kuban lebt in Barsinghausen. Der Jurist wird am Tag der Europawahl 32 Jahre alt. Er arbeitet als Justiziar bei den Unternehmerverbänden Niedersachsen. In seiner Freizeit hat sich Kuban als Fußballtrainer hervorgetan. Unter anderem trainierte er eine Kreisauswahl. Und er war zwei Jahre bei Hannover 96 Nachwuchsscout für die zehn- bis 14-jährigen Fußballer. Kuban ist seit März Bundesvorsitzender der Jungen Union, der Nachwuchsorganisation der CDU. Er sitzt außerdem im Rat der Stadt Barsinghausen. Kuban kandidiert auf Platz 4 der CDU-Landesliste in Niedersachsen. Damit hat er gute Chancen auf einen Einzug ins EU-Parlament.

Auf welche Themen wollen Sie sich im EU-Parlament konzentrieren?

Noch ist Deutschland Innovationsweltmeister. Wenn wir Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten wollen, dann muss das auch so bleiben. Ich möchte ein Silicon Valley für die neusten Mobilitätstrends und Autos aufbauen, in dem Konzerne mit Start-ups und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Bei der künstlichen Intelligenz liegen wir weit hinter China und den USA zurück, da sind wir derzeit nicht gut aufgestellt. Ich möchte eine europäische Universität für künstliche Intelligenz gründen, in der die Spitzenforscher ihre Kapazitäten bündeln.

Herr Kuban, in ihrer Bewerbungsrede für den Posten des Bundesvorsitzenden der Jungen Union sind sie recht polternd aufgetreten, wollen sie das im EU-Parlament fortsetzen?

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass man als Politiker Dinge auch mal zuspitzen und Klartext reden muss. Da muss dann aber Fachwissen dahinterstecken. Das ist mein Ansporn Politik zu machen.

Laut Meinungsforschern ist im neuen EU-Parlament ein Zuwachs von Politikern am linken und rechten Rand zu erwarten. Was kann man diesen Strömungen entgegensetzen?

Populisten agieren mit Angst. Wir zeigen den Menschen, dass sie auch in einer schneller werdenden Zeit keine Angst vor der Zukunft haben müssen. Dafür braucht es einen starken Rechtsstaat, der durchgreift, neue Innovation, um unseren Wohlstand zu sichern und auch einen Sozialstaat, um Härtefälle abzufedern. Der Fokus muss aber in Zukunft mal wieder mehr auf der Mitte der Gesellschaft, dem ganz normalen Bürger, liegen.

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