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Aus der Stadt Diese Frau will Oberbürgermeisterin von Hannover werden
Hannover Aus der Stadt

Iyabo Kaczmarek will Hannovers Oberbürgermeisterin werden

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00:20 25.05.2019
„Es ist wirklich Zeit, dass eine Frau antritt“: Iyabo Kaczmarek stellt sich der Wahl. Quelle: Conrad von Meding
Hannover

Im November hat Hannover erneut die Wahl. Das Oberbürgermeister-Amt muss neu besetzt werden. Bisher hat einzig die SPD einen Kandidaten nominiert – jetzt kommt erstmals eine Frau aus der Deckung. Die 45-jährige Kulturmanagerin Iyabo Kaczmarek sagt: „Ich will Hannover besser machen. Und es ist wirklich Zeit, dass eine Frau antritt.“

In Hannover war die OB-Wahl eigentlich erst für 2021 geplant

Ihre Chancen, das weiß Kaczmarek, sind gering. Sie tritt als parteilose Kandidatin an. Die haben es immer schwer, können bei einigen Wählern aber auch gerade deshalb punkten. „Ich will ein Signal geben, dass sich in einer Demokratie jeder bewerben kann“, sagt sie – und strahlt dazu. Ein fertiges Programm habe sie noch nicht, obwohl sie sich schon länger mit dem Gedanken trage. Eigentlich sei die OB-Wahl ja erst für 2021 zu erwarten gewesen, durch die Abberufung von OB Stefan Schostok geht eben alles etwas schneller.

Die 45-jährige Kulturmanagerin Iyabo Kaczmarek hat etliche Projekte in Hannover angeschoben. Eine Auswahl.

Die gebürtige Hannoveranerin – die Mutter stammt aus Oberschlesien, der Vater aus Nigeria – kennt ihre Stadt gut. Aufgewachsen in Misburg, hat sie später in der Nord- und der Südstadt gelebt, jetzt wohnt sie in Linden und hat ihr Büro in der Nordstadt. „Die Kandidatur zur Oberbürgermeisterin wäre die Fortführung meiner bisherigen Tätigkeiten der letzten 20 Jahre“, sagt sie.

Als freiberufliche Kulturmanagerin hat sie zahllose Projekte betreut, in der Justizvollzugsanstalt ebenso wie in Altenzentren, in Schulen und Familien, vor dem Hauptbahnhof und in Stadtteilzentren. Aktuell organisiert sie das Flüchtlingsintegrationsprojekt „Unter einem Dach“ und managt für den Evangelischen Kirchendienst ein Europaprojekt an Berufsschulen – obwohl sie selbst katholisch getauft ist. In der katholischen Kirche wolle sie, trotz gelegentlicher Zweifel, bleiben, sagt sie. „Die Bewegung Maria 2.0 gefällt mir im Moment.“ Darin organisieren sich Frauen gegen die Benachteiligung in der Kirche.

Hannover hat viel – darauf können wir aufbauen“

Was würde anders werden, falls Kaczmarek gewählt würde? Wer glaubt, dass auf diese Frage etwa eine Umverteilungsforderung kommt, weg von den etablierten Theatern und Museen zu den Freien Kultureinrichtungen, oder ein Plädoyer für eine autofreie Stadt, der irrt. „Ich will mit den Menschen reden und ihnen zuhören, was sie anders haben wollen“, sagt sie. Hannover sei eine tolle Stadt, die sich nicht verstecken müsse, es gebe viele innovative Ansätze wie das Platz-Projekt an der Fössestraße oder die für den Kronsberg geplante Tiny-House-Siedlung. „Hannover hat viel – darauf können wir aufbauen“, sagt Kaczmarek. Es gebe eine neue Generation von jungen Menschen, die der Stadt frische Impulse geben wollten – die wolle sie stärken.

Als parteilose Oberbürgermeisterin müsste Kaczmarek sich Mehrheiten suchen

Dass sie sich als parteilose Oberbürgermeisterin im Rat vielleicht ständig neue Mehrheiten suchen müsste, nennt sie unbekümmert „eine Herausforderung“. Fehlende Verwaltungserfahrung und Juristenausbildung, die dem glücklos agierenden OB Schostok zum Verhängnis wurden, will sie durch Transparenz ihres Handelns ausgleichen: „Wenn mir Vorgänge um dubiose Gehaltszulagen seltsam vorkommen würden, dann würde ich das öffentlich ansprechen, anstatt es zu verschweigen“, sagt sie.

Die Mutter eines 23-jährigen Sohnes schart derzeit ein Team aus Unterstützern um sich. Ihre Webseite www.iyabo-fuer-hannover.de soll an diesem Freitag an den Start gehen. Mitte Juni will sie sich der Öffentlichkeit vorstellen. Ob sie die notwendigen 320 Unterstützerunterschriften zusammenbekommt. Da lacht sie: „Das geht schnell. Aber ich hätte gerne deutlich mehr – auch das wäre ein Signal.“

So läuft die OB-Wahl

Am 16. Mai hat der Rat mit nur vier Gegenstimmen dem Antrag von Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) auf vorzeitigen Ruhestand zugestimmt. Er hatte seinen Antrag mit mangelndem Vertrauen des Rates begründet, nachdem im Zuge der Rathausaffäre um illegale Gehaltszulagen die Staatsanwalt gegen Schostok und zwei weitere Beamte ermittelt.

Voraussichtlich Ende Juni wird der Termin für die Neuwahl des OB festgelegt, er wird wohl im November sein. Ab dem Moment können parteilose Bewerber Unterstützerunterschriften sammeln. 320 sind nötig, damit die Kandidatur zugelassen wird.

Die OB-Wahl ist keine Parteiwahl, die Person der Oberbürgermeisterin oder des Oberbürgermeisters wird direkt vom Volk bestimmt. Wenn keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit von mindestens 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erhält, kommt es zur Stichwahl unter den beiden Bestplatzierten.

Bisher hat die SPD den ehemaligen Stadtkämmerer Marc Hansmann nominiert, der derzeit Vorstand beim Energieversorger Enercity ist. Bei der FDP wird dem Vernehmen nach wohl Parteichef Patrick Döring kandidieren,. Die AfD-Fraktion hat den hannoverschen Bundestagsabgeordneten Jörn König ins Rennen geschickt. Er signalisiert, dass er kandidieren wolle, das letzte Wort habe aber die Mitgliederversammlung. CDU und Grüne suchen noch nach Kandidaten.

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Von Conrad von Meding

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