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Aus der Stadt Studienabbrecher finden zweite Chance in der Umschulung
Hannover Aus der Stadt Studienabbrecher finden zweite Chance in der Umschulung
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17:51 12.03.2019
Neue Chance: Bei Frank Bernhardt, Chef von PComplett (hinten), machen Hauke von Jürgensonn, Christoph Runte und Nadia Shamsan (von links) eine Umschulung. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Ein Studium ist nicht für jeden der Königsweg in den Beruf. Das musste Christoph Runte erst mühsam lernen. Der 31-Jährige macht jetzt eine Umschulung im IT-Bereich und fühlt sich erleichtert. „Das war eine gute Idee, viel besser als weiter in der Warteschleife zu hängen.“ Dabei hatte Runte an der Fachhochschule einen Bachelor-Abschluss geschafft. Als das Master-Studium an einer Uni sich als zu schwierig erwies, schrieb der junge Mann länger als ein Jahr vergeblich Bewerbungen auf Stellen als Softwareentwickler. Sein Diplom für medizinisches Informationsmanagement hatte einfach keine Zugkraft.

Studienabbrecher sind oft sehr motiviert

In der Firma PComplett passt Runte jetzt Softwareprogramme auf die Bedürfnisse von Kunden an. Und der Chef Frank Bernhardt ist mit seinen Umschülern zufrieden. „In unserer Branche ist es gut, wenn Bewerber älter sind und Vorkenntnisse mitbringen.“ Bernhardt zählt zu seinen rund 20 Mitarbeitern deshalb neben vier Auszubildenden auch fünf Umschüler. „Wir haben festgestellt, dass Studienabbrecher konkrete Projekte und Druck brauchen. Im Studium hatten sie das nicht.“

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Anke Bode hat Runte auf seinen neuen Weg gelotst. „Studienabbrecher bieten Arbeitgebern ein tolles Potenzial. Sie sind motiviert und erreichen in der Ausbildung meist sehr gute Abschlüsse“, berichtet die Beraterin beim Jobcenter der Region Hannover. Weil das bekannt ist, könnten die Umschüler später oft zwischen verschiedenen Jobangeboten wählen.

Dem Abschluss seiner Ausbildung als IT-Systemkaufmann sieht auch Hauke von Jürgensonn optimistisch entgegen. Der 37-Jährige hatte sehr lange gebraucht, sich von seinem Biochemie-Studium zu verabschieden, obwohl er einige Prüfungen nicht schaffte. Dennoch blieb die fixe Idee, zumindest Chemielaborant zu werden. Ein Jahr lang schrieb Jürgensonn rund 40 Bewerbungen pro Woche. Anke Bode brachte auch ihn auf neue Ideen. „Inzwischen brauche ich Biochemie nur noch beim Kuchenbacken.“

Ausbildung wird verkürzt

Das Jobcenter betreut aktuell 123 Umschüler, die in dieser Zeit weiter Arbeitslosengeld II bekommen sowie 100 Euro zusätzlich aus der Ausbildungsvergütung, außerdem Lehrbücher sowie Fahrkarten. Die Betriebe zahlen rund 80 Prozent der Kosten. Das Angebot läuft unter der etwas sperrigen Bezeichnung betriebliche Einzelumschulung. In den meisten Berufen ist die Ausbildung auf zwei Drittel der üblichen Zeit verkürzt. „Das ist schon ein Brett. Deshalb müssen die Teilnehmer einen gewissen Ehrgeiz und die nötigen geistigen Fähigkeiten mitbringen“, sagt Ulf Lasko Werner vom Jobcenter.

Beim Jobcenter bezogen im Februar gut 29.500 Arbeitslose Sozialleistungen. Gut zwei Drittel dieser Hartz-IV-Empfänger haben keine Berufsausbildung. Theoretisch also viele Anwärter für eine Umschulung. Am Geld mangele es nicht, betont Werner. „Eine Umschulung ist eigentlich die beste Eingliederungshilfe, denn die Leute finden danach Arbeit. Aber Beruf und Bewerber müssen zusammenpassen.“

Von Bärbel Hilbig

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