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Aus der Stadt Jogginghosenverbot: So regeln es andere Schulen in Hannover
Hannover Aus der Stadt

Jogginghosenverbot: Kultusminister Tonne hält generelles Kleidungsverbot für unzulässog

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22:09 17.12.2019
Jogginghosen in der Stadt ja, in der Schule nein: Auch andere Schulen in Hannover akzeptieren Sportkleidung im Unterricht nicht. Quelle: Ole Spata/dpa
Hannover

In der Debatte um ein Jogginghosen- und Legginsverbot, das an der privaten Oskar-Kämmer-International-School ab Januar gelten soll, hat Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) klargestellt, dass es an öffentlichen Schulen kein grundsätzliches Kleidungsverbot geben darf. Das sei ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Schüler, sagte er gegenüber Journalisten am Montag vor dem Landtag in Hannover. Die Jugendlichen müssten sich frei entfalten können, und diese Rechte dürfte man nicht grundsätzlich einfach einschränken.

Kein generelles Verbot, aber gemeinsame Einigung auf Regeln möglich

Es sei aber möglich, dass sich eine Schulgemeinschaft, also die Schulleitung zusammen mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern, auf bestimmte Kleiderregeln einige. Das könne sich beispielsweise auch auf die Einführung von Schulkleidung beziehen. Eine landesweit einheitliche Regelung sei ohnehin wenig sinnvoll, sagte Tonne.

Die Oskar-Kämmer-Schule ist nicht die erste Schule in Hannover, die ein Jogginghosenverbot verhängt. Auch an der staatlichen Gerhart-Hauptmann-Schule in Groß-Buchholz steht in der Schulordnung, dass Jogginghosen nicht getragen werden sollen. „Das ist seit April 2017 so und wurde letztens auf der Gesamtkonferenz aktualisiert“, sagt Schulleiterin Silke Dorn. Auf der Gesamtkonferenz seien alle Gruppen der Schule vertreten, eben auch Schüler und Lehrer. „Als Realschule ist es für uns ein wichtiges Erziehungsziel, dass Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein dafür erlangen, dass man in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Kleidung trägt.“

„Im Beruf muss man sich auch ordentlich anziehen“

Ähnlich argumentiert Heike Braun von der katholischen Ludwig-Windthorst-Oberschule in der Südstadt, wo seit Anfang des Jahres ein Jogginghosenverbot gilt. „Im Beruf trägt man ja auch keine Jogginghosen, und für Schüler ist eben die Schule so etwas wie ihr berufliches Umfeld.“ Gerade ältere Jahrgänge hätten zuvor durch das Tragen lässiger Sportkleidung bewusst provoziert. Man wolle aber einen ordentlichen und respektvollen Umgang miteinander, und dazu gehöre auch ordentliche Kleidung. Jogginghose sei Jogginghose, egal ob es ein teures Designerstück sei oder nicht.

Jogginghosen sind seit einigen Jahren auch straßentauglich. Quelle: Michael Wallmueller

Wer Jogginghosen trägt, muss zum Umziehen nach Hause

Wer gegen das Jogginghosenverbot verstoßen habe, sei konsequent zum Umziehen nach Hause geschickt worden, berichtet Braun. Von Schülern und Eltern sei die neue Vorgabe sehr schnell akzeptiert worden. Und selbstverständlich seien auch die Lehrer Vorbild. Wenn ein Sportlehrer zwischendurch eine Doppelstunde Mathematik gebe, mache er das auch nicht im Trainingsanzug, sondern ziehe sich um.

Zum Lümmeln auf der Couch geeignet, aber auch die richtige Kleidung im Deutschunterricht? Quelle: Christoph Schmidt/ dpa

Die Oskar-Kämmer-Schule hat in einer Stellungnahme gegenüber der HAZ noch einmal bekräftigt, dass das Tragen von Jogging- und Sporthosen außerhalb des Sportunterrichts nicht der Schulkleidungsordnung entspricht, die insbesondere von den Eltern geschätzt werde. Die Regeln sollten nicht nur den Zusammenhalt stärken, sondern auch Diskriminierung und Ausgrenzung entgegenwirken. Man wolle zur Frage der Umsetzung noch mal mit den Eltern ins Gespräch kommen, um Irritationen künftig zu vermeiden.

Kleidung darf nicht die Kommunikation stören

Seit zwei Jahren gibt es im Schulgesetz eine Vorschrift, die besagt, dass Schüler durch ihr Verhalten und ihre Kleidung die Kommunikation mit den Beteiligten des Schullebens nicht in besonderer Weise erschweren dürfen. Sportlicher Schlabberlook dürfte vermutlich nicht darunter fallen –religiöse oder rassistische Kleidung aber schon. Hintergrund für die Gesetzesänderung war, dass damit eigentlich die Vollverschleierung verboten werden sollte. Doch die Juristen des Landtags hatten von Begriffen wie Burka oder Nikab ausdrücklich abgeraten, um nicht eine religiöse Gruppe zu diskriminieren und mit dem Grundgesetz in Konflikt zu geraten. In der Nähe von Osnabrück hatte eine Schülerin drei Jahre lang einen Nikab getragen und sich trotz zahlreicher Gespräche geweigert, den Gesichtsschleier abzulegen. Der Fall hatte damals öffentlich große Wellen geschlagen. Weitere Fälle, in denen Schülerinnen vollverschleiert zum Unterricht erschienen, sind nicht bekannt.

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Von Saskia Döhner

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