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Aus der Stadt 17-jähriges Kampfsport-Talent bereitet sich auf Thaiboxkampf vor
Hannover Aus der Stadt 17-jähriges Kampfsport-Talent bereitet sich auf Thaiboxkampf vor
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10:00 02.03.2019
Isabel Partisch, Deutsche Amateurmeisterin im Thaiboxen, übt Kicks mit ihrem Trainer Lars Brockmann. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Leichtfüßig tänzelt sie durch den Ring, feuert ein paar Schläge auf den Handschutz ihrer Partnerin ab und setzt dann mit Tritten und Kniestößen nach. Der Gong ertönt, Isabel Partisch schüttelt Arme und Beine aus. Ein wenig blass ist sie im Gesicht, aber von Müdigkeit keine Spur. Dabei hat sie schon acht Runden Übungskampf hinter sich. Die übrigen Teilnehmer der Thaibox-Trainingseinheit in der Kampfsportschule Kenpokan sehen reichlich mitgenommen aus, einige können sich kaum auf den Beinen halten. Der Gong ertönt und Isabel federt wieder durch den Ring. Die 17-Jährige ist Deutsche Amateurmeisterin im Thaiboxen und bereitet sich auf ihren schwersten Kampf vor.

Tritte, Schläge, Stöße – im Thaiboxen ist viel erlaubt

Thaiboxen gilt als härteste Ring-Sportart. Die Kontrahenten dürfen schlagen und treten, aber auch mit Ellbogen und Knien stoßen. Lowkicks – Tritte gegen den Oberschenkel – sind ebenfalls erlaubt. Für Frauen in Isabels Altersklasse gelten strengere Regeln, so sind Ellbogenstöße nicht zulässig. Dennoch setzt sich die Teenagerin einer Härte aus, die ihresgleichen sucht. Warum eigentlich?

Die 17-jährige Isabel Partisch bereitet sich in der Kampfsportschule Kenpokan auf ihren bisher größten Kampf vor.

Auf den ersten Blick deutet nichts daraufhin, dass Isabel Gefallen daran findet, sich kontrolliert zu prügeln. Die zierliche Jugendliche mit den dunklen Haaren wirkt ein wenig schüchtern. „Ich habe vorher andere Sportarten ausprobiert, Turnen und Reiten, aber beim Kampfsport habe ich richtig Spaß“, sagt die Schülerin der IGS Roderbruch. Kein Problem habe sie damit, bei Übungs- und Wettkämpfen auch mal einzustecken. „Abgesehen von ein paar blauen Flecken hatte ich aber noch keine ernstzunehmende Verletzung“, sagt Isabel. Ihr komme es darauf an, Fortschritte zu machen und ihre Techniken zu verbessern.

Trainer: „Eine meiner talentiertesten Schülerinnen“

Das hört Trainer Lars Brockmann gerne. „Isabel ist eine meiner talentiersten Schülerinnen“, sagt der 45-Jährige. Erst kürzlich habe sie einen Trainerschein erworben und bringe nun Kindern und Jugendlichen die Grundtechniken bei. Sieben Wettkämpfe hat sie bereits hinter sich, fünf davon gewonnen, zwei verloren. Seit 2018 darf sich Isabel Deutsche Meisterin in der Gewichtsklasse bis 55 Kilogramm nennen. Doch jetzt muss sie sich ihrer größten Herausforderung stellen.

4500 Zuschauer werden zum „Big Game“, einer Kampfsport-Veranstaltung in Bochum erwartet. In der Ruhr-Congress-Halle treten am 23. März Kämpfer in verschiedenen Disziplinen an, unter anderem auch im klassischen Boxen. Isabel wird nicht einen von vielen namenlosen Vorkämpfen bestreiten, sondern in der Hauptrunde antreten, wenn die Halle schon gut gefüllt ist. Drei mal drei Minuten muss sie im Ring bestehen, gegen eine erfahrene Thaiboxerin, die ein paar Jahre älter ist und bereits viele Titel geholt hat – die klare Favoritin. „Wenn Isabel gewinnt, ist das eine kleine Rocky-Geschichte“, sagt Trainer Brockmann.

Training bestimmt den Alltag

Die Schülerin trainiert seit Wochen fast jeden Tag mehrere Stunden. Krafttraining steht auf dem Programm, Sparring, Laufen und immer wieder Grundtechniken im Ring. Ein Ernährungsplan sorgt dafür, dass Isabel das geforderte Gewicht von 53 Kilogramm einhält. Auf Hungerkuren verzichtet Trainer Brockmann. Er wolle bei einer Teenagerin keine Essstörung riskieren, sagt er. Mit ihren Freunden kann sich die Schülerin nur noch abends an Wochenenden treffen. „Es gibt Tage, an denen ich sehr erschöpft bin“, sagt sie. Ihr Vater, Sportlehrer von Beruf, gibt ihr die nötige Unterstützung. „Es ist toll, wenn jemand ein Ziel vor Augen hat und es derart konzentriert verfolgt“, sagt Andreas Partisch.

Obwohl sie als Außenseiterin gilt, bleibt Isabel optimistisch, glaubt an sich und ihre Fähigkeiten. „Wenn ich das nicht tun würde, könnte ich nicht in den Ring steigen“, sagt die 17-Jährige. Die Aufregung vor einem Kampf sei stets riesig. Wenn sie dann durch die Seile steige, rase ihr Herz. Arme und Beine fühlten sich unendlich schwer an. „Ertönt der Gong, ist alles wie weggeblasen“, erzählt Isabel. Videos vormaliger Wettkämpfe zeigen eine konzentrierte Sportlerin, die nach vorne marschiert, ihre Gegnerinnen unter Druck setzt und immer wieder präzise Treffer landet. So soll es auch in ein paar Wochen in Bochum laufen.

Von Andreas Schinkel

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