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Aus der Stadt Gymnasium bringt antikes Drama „Antigone“ auf die Bühne
Hannover Aus der Stadt

Kestner-Museum: KWR bringt antikes Stück "Antigone" auf die Bühne

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00:18 29.06.2019
Vorpremiere im Museum: Die Theater-AG des KWR zeigt Antigone. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Der Stoff ist mehr als 2000 Jahre alt, aber trotzdem immer noch aktuell. Es geht um Widerstand gegen staatliche Gewalt für ein höheres Recht, es geht um Prinzipien, um Ehre, Macht, Geschwisterliebe, Einsamkeit, Verzweiflung, Schmerz, Verlust und Tod. Am Kaiser-Wilhelm-und Ratsgymnasium (KWR) zeigt die Arbeitsgemeinschaft (AG) Antikes Theater in dieser Woche Jean Anouilhs „Antigone“. Vorpremiere war im Kestner-Museum. Von dort leihen sich die Schüler seit Jahren auch Teile ihrer Kostüme aus.

Antikes Theater spielt kaum eine Schule

Das Gymnasium im Zooviertel dürfte zu den wenigen Schulen im Land gehören, die eine Antike-Theater-AG haben. Vielleicht ist es sogar die einzige in ganz Niedersachsen. Seit fünf Jahren gibt es das Projekt, entstanden aus dem Lateinunterricht einer sechsten Klasse. Lehrer Heiner Koller hatte sich zusammen mit seinen Schülern ein Stück ausgedacht, in dem zwei Kinder eine Zeitreise ins Alte Rom machen und allerlei Abenteuer bestehen, bei denen ihnen ihre Lateinkenntnisse sehr helfen.

Was ist interessant an Konflikten, die 2000 Jahre zurückliegen? „Eine ganze Menge“, findet Konstanze (17), die Antigones Schwester Ismene spielt. Die Abiturientin lobt „die philosophische Tiefe“ des Theaterstücks. Der 16-jährige Nico sagt, der Konflikt des Dramas sei immer noch „topaktuell“, die Zuschauer von heute könnten genauso gereinigt aus dem Stück herausgehen wie das Publikum im Alten Griechenland, und dann schiebt er noch den Fachbegriff für diesen Reinigungsprozess, „Katharsis“, hinterher.

Abbas (16), der König Kreon mimt, sagt, ihn habe besonders die Beziehung zwischen den Befehlshabern und den Befehlsempfängern, der Widerstreit zwischen Anordnung und Gewissen fasziniert. Mascha (17), die Darstellerin der Antigone, sagt, in die Handlung könnten sich auch heute noch viele Menschen hineinversetzen: „Das ist immer noch modern.“

Antike Stücke in moderner Bearbeitung

„Romulus der Große“ von Friedrich Dürrenmatt, Bernhard Shaws „Cäsar und Cleopatra“, „Die Troerinnen des Euripides“ von Jean-Paul SartreKoller wählt antike Stücke meist in moderner Bearbeitung aus. Zur Vorbereitung auf die Vorführungen gehört auch ein Probenwochenende mit Übernachtung in der Schule. Neben Antigone zeigen die Schüler dieses Jahr auch „Die schöne Helena“.

Zwischen Befehl und Gewissen

Anouilhs Drama basiert auf der gleichnamigen Tragödie des griechischen Dichters Sophokles aus dem Jahr 442 vor Christus. Der Franzose verbindet antike Tragik mit philosophischem Existenzialismus. Das Werk, 1942 entstanden, wird auch als Sinnbild für die Résistance gegen die deutschen Besatzer gedeutet. Auf alle Fälle ist es schwere Kost für die 15- bis 17-jährigen Darsteller.

Prmiere mit Säulen und Toga: Die Schüler des KWR zeigen Antigone im Kester-Museum.

Titelheldin ist Antigone, die Tochter des Ödipus, die gegen den ausdrücklichen Befehl von König Kreon ihren Bruder Polyneikos bestattet, der einen Aufstand angezettelt hatte. Polyneikos und sein Bruder Eteokles hatten sich gegenseitig getötet. Während der neue König Kreon, Antigones Onkel, Eteokles in allen Ehren bestatten lässt, soll Polyneikes’ Leichnam vor den Toren der Stadt verwesen.

Antigone widersetzt sich dem Befehl des Königs und riskiert die Todesstrafe. Sie reißt zudem einige andere Menschen mit in den Tod. Immer wieder erläutert eine Sprecherin die Szenen. Offen bleibt, ob Antigones Tod am Ende einen Sinn hatte oder nicht.

Aufführungstermine sind am Mittwoch um19 Uhr sowie am Donnerstag nach dem Schulfest in der Aula des KWR um 18.30 Uhr. Zuschauer müssen keinen Eintritt zahlen, dürfen aber eine Spende geben.

Von Saskia Döhner

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