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Aus der Stadt Ein Stadtteiltreff mit viel Zirkus
Hannover Aus der Stadt Ein Stadtteiltreff mit viel Zirkus
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16:00 20.10.2018
Das Team: Susanne Konietzny, Hajo Arnds, André Roegglen, Alena Litvinchuk, Michael Katz (v. r.). Quelle: Uwe Janssen
Hannover

Hajo Arnds kann viel über seinen Job erzählen. Und er tut das auch. Von der Herausforderung, Kulturarbeit im Sahlkamp zu machen. Von den Erfolgen der Integrationsarbeit durch die Sprachkurse im Stadtteilzentrum. Von ehemaligen Lernenden, die zu Lehrenden geworden sind. Aber immer wieder erzählen er und sein Team auch von einem Vorurteil, das den Sahlkamp und seinen Arbeitsplatz, den Stadtteiltreff an der Elmstraße, schon immer begleitet: „Viele sagen: Sahlkamp, das ist doch da, wo die Hochhäuser sind“, sagt Arnds, der aus der Sozialarbeit kommt, sich in die Kulturarbeit „reingewurschtelt“ hat – wohlwissend, dass sich hier beides ohnehin nicht trennen lässt.

Es gibt natürlich dieses prägende, zentrale Hochhausgebiet Sahlkamp-Mitte, 60 Prozent der Menschen hier haben Migrationshintergrund, bei Kindern und Jugendlichen sind es sogar 81 Prozent. „Tatsächlich liegt der Anteil der Ein- und Zweifamilienhäuser im gesamten Stadtteil bei77 Prozent“, sagt Arnds, „aber das wird von außen nicht so wahrgenommen.“ Diese Stigmatisierung merke man immer, „wenn was passiert, das wirft unsere Arbeit immer weit zurück“. Auf dieser demografischen Ausgangslage fußt die gesamte Arbeitsstruktur im Stadtteiltreff, der auch die Kulturarbeit organisiert. Das war bei der Gründung vor knapp 20 Jahren schon so, und das ist heute nicht anders.

Sprach- und Alphabetisierungskurse, Radfahren lernen, multikulturelle Chöre und Kochgruppen, ein internationaler Schachclub gehören zum Programm. Wie auch eine Theatergruppe, für deren geplante Aufführung des „Kleinen Prinzen“ noch vier Männer gesucht werden. Eine der Erfolgsgeschichten ist die Zirkusarbeit von Alexander Ganeba. Vor 16 Jahren hat der gebürtige Ukrainer mit einer Gruppe von sieben Kindern angefangen, mittlerweile kommen mehr als 120 Nachwuchsartisten zu den Kursen der Zirkusschule Sahlino, die auch schon eine ganze Reihe an Auftritten vorzuweisen hat.

Ganeba ist feste Honorarkraft und mit fast täglichem Training ein wichtiger Baustein im Integrationskonzept der Stadtteilkulturarbeit. „Wir sprechen grundsätzlich deutsch, manchmal ein bisschen russisch, und wenn Kinder mit ihren Eltern seit zwei Monaten hier sind, sprechen wir mit Händen und Füßen. Manchmal auch mit dem Rücken“, sagt Ganeba, der selbst ein Zirkuskind ist. Russen sind stark vertreten im Stadtteil, Sozialarbeiterin Alina Litvinchuk, die aus Weißrussland stammt und einen Einjahresvertrag im Zentrum hat, kann helfen, wenn es mal mit der Sprache hakt. Mittlerweile sind viele syrische Flüchtlinge im Stadtteil. „Ich freue mich, wenn Kinder unterschiedlicher Nationen im Zirkus zusammen sind“, sagt der Trainer.

Tagsüber im Kurs- und Projektprogramm sind die ausländischen Bewohner mehrheitlich vertreten im Stadtteilzentrum, das auch das Bürgeramt beherbergt. Abends dann ändert sich das Publikum, bei den Veranstaltungen, ob nun Kabarett mit dem Bösen Schwestern oder die Sessions mit unterschiedlichen Musikstilen, kommen die Deutschen, aus dem Märchenviertel oder nördlich des Kugelfangtrifts. Mit gezielten Outdooraktionen versuchen Hajo Arnds und seine Mannschaft, dieses soziale Schichtsystem aufzubrechen. In kleinen Schritten. Mehr geht nicht. Aber auch so kommt man voran. „Unser Credo“, sagt Arnds. „ist vereinen statt spalten.“

Termine und mehr

Stadtteiltreff Sahlkamp

Elmstraße 15

30657 Hannover

(0511) 16848059

Stadtteiltreff-Sahlkamp@Hannover-Stadt.de

Termine:

Am morgigen Freitag, 19. Oktober, ist von 15 bis 19 Uhr ist Herbstmarkt auf dem Sahlkampmarkt –mit Kulinaria, Livemusik und Kleinkunst.

Die nächste „Session im Foyer“ steigt am 2. November um 19 Uhr mit Carlini, Dodo-Leo & Martin.

Am 23. Oktober um 10.30 Uhr gibt’s Theater –mit dem Kinderstück „Fiete Anders“ nach dem Buch von Miriam Koch.

Weitere Termine und Infos unter www.hannover.de

Von Uwe Janssen

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