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Aus der Stadt Kind im Hundekäfig: Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen die Mutter
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Kind in Hundekäfig gesperrt: Vater erhebt am Landgericht Hannover schwere Vorwürfe gegen die Mutter

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19:23 24.09.2019
Die Vorwürfe gegen Andrea K. wiegen schwer - verteidigt wird sie von Anwalt Helmut Wöhler. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Im Landgerichts-Prozess gegen Andrea K., die eine ihrer zwei Töchter massiv misshandelt haben soll – etwa durch Einsperren in einen Hundekäfig (hier der Bericht vom ersten Prozesstag) – hat der Kindsvater am zweiten Verhandlungstag massive Vorwürfe gegen die Mutter erhoben. So habe ihm die 44-Jährige erklärt, dass Kinder zwar keine Hunde seien, aber durchaus einiges aus der Hundeerziehung lernen könnten. Tatsächlich habe das zur Tatzeit sechs Jahre alte Kind häufig ein Elektrohalsband tragen müssen, auch habe er mehrfach mitbekommen, wie die Mutter ihrer Tochter mit einem Ledergürtel oder einem etwa 40 Zentimeter langen Holzscheit „den Arsch versohlte“ – so wie er es selbst mit der flachen Hand auch einmal tat. „Ich habe mein Kind misshandelt, und ich habe es nicht vor der Mutter geschützt“, gab der 41-Jährige zu. Im März war der gelernte Tischler vom Amtsgericht Burgwedel deshalb zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt worden.

Mix aus Güte und Härte

Andrea K. ist vor der Jugendkammer 1 unter Vorsitz von Stefan Lücke wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen, Körperverletzung und Freiheitsberaubung angeklagt. Die Taten sollen sich zwischen August 2016 und September 2017 in einer Siedlung am Würmsee (nahe Burgwedel) abgespielt haben. Die massiven Schwierigkeiten zwischen der Mutter und ihrer heute neun Jahre alten Tochter hätten mit der Geburt der jüngeren Schwester im Februar 2015 begonnen und hätten sich kontinuierlich gesteigert, sagte der Vater. Die überaus lebendige ältere Tochter sei zunehmend „bockig“ gewesen und wegen Nichtigkeiten ausgerastet, die Mutter habe mit einer Mischung aus Güte und Härte reagiert.

Von dieser Machart war der Käfig, in den die Mutter ihr Kind einsperrte. Wie oft und wie lange, ist noch offen. Quelle: Archiv

Der Vater, der kein Sorgerecht hat, bestätigte, dass die Angeklagte das in ihren Augen renitente Kind mehrfach in eine metallene Hundebox gesperrt habe. Auch seien Mutter und Tochter mehrfach in einen Wald gefahren, damit sich das Mädchen „ausschreien“ könne. Weil die Tochter „nicht lieb“ war, fielen das Weihnachtsfest 2016 und die Geburtstagsfeier 2017 ins Wasser. Er selbst, so berichtete der Vater, habe zu seinem großen Bedauern nicht die Kraft gehabt, sich gegen seine Partnerin aufzulehnen. „Sie hatte die Hosen an, und sie wollte mit aller Macht die Familie zusammenhalten“, sagte er.

Insulin als Gift verabreicht

Die 44-Jährige habe es nicht verkraftet, dass das Jugendamt ihr im September 2017 die Töchter wegnahm, erzählte der Zeuge. Später habe sie deshalb sogar versucht, sich und ihre zwei belgischen Schäferhunde mit Insulin zu vergiften. „Der eine Hund bekam dann epileptische Anfälle und erlitt einen Hirnschaden, das Tier erlöste sie mit einem Messerstich ins Herz“, berichtete der Vater. Seit er bei der Polizei ausgepackt und alles gestanden habe, so der 41-Jährige, habe die Frau jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen.

Eine Ergotherapeutin und eine Logopädin bestätigten vor Gericht, dass die Mutter bei den gemeinsamen Sitzungen mit der Tochter sehr kooperativ und bemüht auftrat. „Sie wollte ihrer Tochter, die lebendig und liebenswert wirkte, wirklich helfen“, erklärte die 35-jährige Ergotherapeutin, doch sei sie mit der Erziehung des Kindes offenbar überfordert gewesen. Irgendwann sei ihr aufgefallen, so die Zeugin, dass das Kind mehr blaue Flecke am Körper hatte als andere Kinder und sich gelegentlich vor ihrer Mutter fürchtete. Auch berichtete das Mädchen vermehrt von eigenartigen Vorfällen im Haus am Würmsee. Doch habe die Siebenjährige die Schuld für die bizarren Bestrafungen – etwa das Einsperren im Hundekäfig – immer wieder bei sich selbst gesucht und beispielsweise gesagt: „Ich bin manchmal ganz schön anstrengend, da hilft nichts anderes.“

Ergotherapeutin gibt Anstoß für Inobhutnahme

Da sie gewusst habe, so die Ergotherapeutin, dass das Jugendamt die Familie in den Vorjahren schon viermal aufgesucht hatte, ohne dass Entscheidendes passiert sei, habe sie etliche Aussagen des Kindes gesammelt und sich dann direkt an die Leitung des Jugendamts gewandt. Das habe dann ganz schnell zu einer behördlichen Inobhutnahme zunächst des älteren Mädchens und wenige Wochen später auch der jüngeren Tochter geführt.

Von Michael Zgoll

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