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Aus der Stadt Woher die Ferkel kommen
Hannover Aus der Stadt Woher die Ferkel kommen
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20:12 05.02.2019
Kinder-Uni: Professor Karl-Heinz Waldmann zeigt Anouk, Greta und Kian (von links) ein Ferkel.
Kinder-Uni: Professor Karl-Heinz Waldmann zeigt Anouk, Greta und Kian (von links) ein Ferkel. Quelle: Katrin Kutter
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Das Beste kommt am Schluss: Da bringen doch tatsächlich Mitarbeiter vom Professor sechs blassrosa Ferkel in den Hörsaal. „Toll, die fühlen sich ganz flauschig an, und ganz schön warm“, schwärmt Kian. Der Siebenjährige strahlt, so ein Tier hat er zuvor noch nie angefasst. Svea, die gerne Tierärztin werden möchte, beobachtet das Ferkel beim Streicheln besonders aufmerksam. „Da sind diese kleinen Haare, die Haut ist ein bisschen rau, aber nur ganz leicht, als wäre es eine kleine Bürste.“ Bei der Kinder-Uni an der Tierärztlichen Hochschule Hannover geht es Dienstag um Schweine: Wofür brauchen wir Menschen sie eigentlich?

Die Tierärztliche Hochschule Hannover zeigt in der Kinder-Uni, woher die Ferkel kommen.

Auf die Begegnung mit den kleinen Schweinen hat Professor Karl-Heinz Waldmann seine jungen Zuhörer gut vorbereitet. Die Kinder sind deshalb zuerst sehr zuvorkommend und still, als sie die Hörsaaltreppe hinunter zu den Ferkeln gehen. Die Tiere sollen sich schließlich nicht erschrecken. Die kleinen Schweinchen sind erst fünf Tage alt und in den Ställen der Hochschule geboren. Jetzt wirken sie entspannt, nur gelegentlich ertönt ein Quieken. Ihre Mutter Bertha spielt an der Tiho eine gewichtige Rolle in der Ausbildung der Studenten, die durch Bertha den Umgang mit Tieren lernen.

Sind Schweine wirklich dreckig?

Fast alle Kinder kennen lebendige Schweine – vom Bauernhof oder aus dem Zoo. Als der Professor seine Zuhörer danach fragt, schnellen die Finger in die Höhe. „Ich bin überwältigt. Viel mehr als bei unseren älteren Studenten“, lobt Waldmann, der sich den Kindern als „Professor für Schweinemedizin“ vorgestellt hat. Der Leiter der Klinik für kleine Klauentiere zeigt Bilder von Schweinen im Schlamm. „Sie suhlen sich gerne und baden im Modder“, erklärt der 65-Jährige. Ein Mädchen nimmt die Fortsetzung des Vortrags vorweg: „Schweine sind gar nicht in echt dreckig. Das machen sie zum Schutz vor Insekten.“ Da bleibt dem Professor nur zu ergänzen, dass die Schlammkruste auch vor der Sonne schützt. „Die hellen Schweine können nämlich richtig Sonnenbrand bekommen wie wir Menschen.“

Waldmann hat sich vor der Kindervorlesung ganz schön viele Gedanken gemacht, „Ich habe dreimal so lange gebraucht wie für einen wissenschaftlichen Vortrag“, erzählt er. Und dann kommen ihm plötzlich doch Zweifel. „Sind Kinder in dem Alter eigentlich schon aufgeklärt?“ Falls nicht, sind sie es spätestens nach dieser Kinder-Uni. Der Professor erläutert seinen jungen Zuhörern die künstliche Besamung der Sau mit Ebersperma. Im Film sehen sie ein Ferkel-Embryo im Ultraschall – und dann auch die Geburt von Berthas Ferkeln. Einzelne Kinder wenden sich ab. Svea, die Tierärztin in spe, kommt gar nicht auf die Idee. „Auf einem Bauernhof habe ich schon mal gesehen, wie ein Fohlen geboren wurde“, erzählt die Achtjährige.

Müssen wir so viel Fleisch essen?

Auch das heikle Thema, dass die meisten Menschen Schweine vor allem gerne essen, spart der Professor nicht aus. „Warum mögen wir Schweine? Weil sie uns Fleisch liefern für Spaghetti Bolognese, Bratwurst, Schnitzel. Es gibt sogar extra Kinderwurst mit Gesicht!“ 37,5 Kilo Schwein essen die Deutschen im Durchschnitt pro Jahr, 60 Kilo insgesamt, erfahren die Kinder. „Muss das sein, dass wir so viel davon essen? Es ist gesund, mal einen Tag Obst und Gemüse zu essen.“ Schließlich verzichten manche Religionen und auch Nomaden ganz aufs Schwein. Da meldet sich ein Mädchen. „Es gibt auch Menschen, die sind Vegetarier. Die essen gar kein Fleisch!“

Überhaupt hat Waldmann es mit einer gut informierten und durchaus kritischen Zuhörerschaft zu tun. Er zeigt, wie Schweine früher auf Wiesen gehütet wurden, wie sie heutzutage in großen Ställen leben. „Es gibt viele Schweine, die nicht artgerecht gehalten werden“, stellt ein Junge fest. „Ist das nicht Tierquälerei?“, fragt ein Mädchen angesichts der Mastanlagen. Tierärzte sind dazu da, für die Gesundheit der Schweine zu sorgen, erklärt der Professor. Svea ist sich am Ende sicher: Das will sie später auch machen.

Von Bärbel Hilbig