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Aus der Stadt So lief die Hannover-Premiere von Oscar-Kandidatin Nora Fingscheidt
Hannover Aus der Stadt

Kinofilm „Systemsprenger“: So lief die Hannover-Premiere von Oscar-Kandidatin Nora Fingscheidt

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11:09 11.09.2019
Eine Hommage an die sozialen Berufe: Nora Fingscheidt stellt im Raschplatz-Kino ihren Film „Systemsprenger“ vor. Quelle: Samantha Franson
Hannover

„Puh, das war heftig.“ Die Zuschauerin ist auch Minuten nach Filmende noch sichtlich mitgenommen: „Mir ist noch kein Film so an die Nieren gegangen.“ Und in der Tat mutet Nora Fingscheidt (36) mit ihrem Spielfilmdebüt „Systemsprenger“ ihrem Publikum einiges zu. Es ist ein Film über ein Kind, das nicht in die Norm passt. „Es ist ein Film für Erwachsene“, sagt die Regisseurin bei der Hannover-Premiere in den Raschplatzkinos am Dienstagabend. „Es ist kein Film für Kinder – und wenn, dann nur für deutlich Ältere.“

Benni fliegt immer wieder aus Heimen und Pflegefamilien

Es geht um die neunjährige Benni (Helena Zengel) aus Helmstedt, die durch ihre aufbrausende Art das System der Jugendhilfe an seine Grenzen bringt. Immer wieder fliegt sie aus Pflegefamilien und Heimen oder läuft einfach selbst weg. Dabei will sie eigentlich nur zu ihrer Mutter Bianca (Lisa Hagmeister). Doch die ist selbst hoffnungslos überfordert, sie kommt nicht zu den Gesprächen ins Jugendamt; so scheitern Ärzte, Lehrer, Sonderpädagogen, Schulbegleiter, Psychologen, Sozialarbeiter und Jugendamtssachbearbeiter mit dem Versuch, neue Lösungen für Benni zu suchen.

Mutter hoffnungslos überfordert

Die Mutter macht Versprechungen, die sie nicht hält, was ihre Tochter in tiefe Verzweiflung und neue Wutausbrüche stürzt, und hat selbst noch zwei kleinere Kinder, die sie vor dem Fernsehgerät parkt, auf dem Horrorfilmen laufen. Als Benni erneut aus einem Heim ausbricht und nach Hause läuft, sucht sie im leeren Kühlschrank etwas zu essen für ihre jüngeren Geschwister und findet nur Schokoriegel und süße Brötchen.

Der Film lässt aber die Zuschauer nicht hoffnungslos zurück. Das Ende ist offen. Benni springt quasi in eine ungewisse Zukunft. „Jeder kann sich das Ende ausdenken, das für ihn am besten passt“, sagt Fingscheidt im Gespräch mit Publikum. Sterben lassen wollte sie ihre Titelheldin nicht, erzählt Fingscheidt, anpassen an das System konnte sie sich aber auch nicht.

„Benni“-Darstellerin dreht jetzt mit Tom Hanks

Helena Zengel, die gerade mit Tom Hanks einen Western dreht, spielt sich nicht nur ins Herz von Schulbegleiter Micha (Albrecht Schuch), Jugendamtsmitarbeiterin Frau Bafané (Gabriela Maria Schmeide) und Pflegemutter Silvia, die von der Hamburger Thalia-Theater-Schauspielerin Victoria Trauttmansdorff dargestellt wird, sondern auch in das der Zuschauer. Zu Recht ist der Film auf der Berlinale ausgezeichnet worden und geht als deutscher Beitrag für den Auslands-Oscar ins Rennen.

„Systemsprenger“ ist eine Hommage an die sozial Engagierten, an Sozialarbeiter, Jugendamtsmitarbeiter, Sonderpädagogen, Ärzte und Krankenschwestern: „Es ist gut, dass nicht alle nur Firmenchefs und Banker werden wollen“, sagt Fingscheidt. In die deutschen Kinos kommt ihr Film am 19. September. In dieser Woche stellt die Regisseurin ihn in mehreren Städten schon mal vor. Wichtiger als der Film an sich sei es ihr, anschließend mit den Menschen zu diesem Thema ins Gespräch zu kommen. Immerhin leben allein in Niedersachsen 15.000 Kinder in Heimen.

An der Diskussionsrunde im Raschplatzkino nimmt auch Menno Baumann teil, der mit seinem Buch „Kinder, die Systeme sprengen“ Fingscheidt zu dem Film inspiriert hat. Er lobt die sehr kraftvollen Bilder des Films. Einmal ruft Benni „Mama“ in den Wald, aber es kommt kein Echo zurück. Die Mutter hat die Neunjährige allein gelassen, selbst die Naturgesetze gelten in diesem Fall nicht.

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Von Saskia Döhner

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