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Aus der Stadt Ein Tiny House für Obdachlose
Hannover Aus der Stadt Ein Tiny House für Obdachlose
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00:16 26.01.2019
Geprüft vom TÜV und schnell zu transportieren: Jens Rannenberg, Stephanie Springer und Hans-Joachim Lenke stellen das Tiny House für Obdachlose vor. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Auf dem Grundstück des Landeskirchenamtes in der Calenberger Neustadt steht jetzt ein kleines Holzhaus. Es hat Fenster und Türen, innen Bett, Spüle, Kocher und Lampen, einen Wandtisch, zwei Stühle und, durch eine Wand getrennt, einen zweiten Raum mit Toilette und Duschkabine. Strom- und Wasseranschluss werden noch gelegt, dann zieht in der nächsten Woche ein obdachloser Mensch in diese Notunterkunft ein. Und weil alles, was klein ist, vier Wände und ein Dach besitzt, derzeit Tiny House genannt wird, heißt auch dieses Häuschen der evangelischen Kirchenverwaltung Tiny House. Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamtes, sagte bei der Vorstellung am Mittwoch: „Es schützt in der Winterzeit vor dem dringendsten Mangel.“

Notunterkünfte für Obdachlose

Das Tiny House soll bestehende Hilfsangebote für die geschätzt rund 4500 wohnungslosen Männer und Frauen in der Stadt ergänzen und ein Zeichen setzen für weitere Hilfe in eiskalten Wintertagen wie Nächten. Die Hoffnung ist, dass sich etwa Unternehmen engagieren und Häuser spenden. Die 35.000 Euro teure und TÜV-geprüfte wärmegedämmte Unterkunft wurde in Gifhorn von einer Qualifizierungseinrichtung der Diakonie gebaut, steht auf einem Trailer und kann deshalb leicht an andere Standorte gefahren werden. Zwei weitere Häuser sind geplant.

Alle wissen natürlich, dass eine einzige Notunterkunft das entscheidende Problem nicht lösen kann: den Wohnungsmangel. „Man braucht eine feste Wohnung, dann erst kann man anfangen, Menschen Arbeit zu besorgen oder von ihrer Sucht zu befreien“, sagte Jens Rannenberg vom Vorstand der Dachstiftung Diakonie. „Housing first“ heißt dieses Prinzip, aber solange es an Wohnungen für Obdachlose mangelt, soll provisorischer Wohnraum wenigstens einem Menschen helfen.

Die Idee zum Tiny House begann im vergangenen Winter zu reifen. Damals, erzählte Präsidentin Springer, habe ein Obdachloser vorm Eingang des Landeskirchenamtes Schutz gesucht und man überlegte, wie die Kirche helfen könnte. Schneller war jedoch die private Kölner Initiative „Little Home“, die bundesweit sehr winzige Häuschen zimmert und an Obdachlose verschenkt. Vor wenigen Wochen bekam so eine 62 Jahre alte wohnungslose Frau in Hannover ein Dach über dem Kopf. Es kostete lediglich 1050 Euro für Baumaterial, ist deutlich kleiner als das Tiny House des Landeskirchenamtes und spartanisch eingerichtet. Der Raum reicht, um stehen oder liegen zu können, Dusche und Stromanschluss gibt es nicht. Ein Vertreter der hannoverschen Diakonie attackierte das Engagement damals scharf als „sehr schlechtes Projekt“, das Holzhäuschen verglich er mit einer menschenunwürdigen Hundehütte. Diese Haltung wurde vielfach als abgehoben von der Lebenswirklichkeit Obdachloser kritisiert.

Am Mittwoch sagte Jens Rannenberg, die Diakonie wolle mit ihrem Tiny House nicht in Konkurrenz treten zu diesem Projekt. Die Kölner Initiative, die bis zu 25 Unterkünfte für Hannover ankündigte, bezeichnete er nun als „gut gemeinten Ansatz“. Von großer Bedeutung ist der Diakonie jedoch, dass das eigene Tiny House in der Calenberger Neustadt „einen vernünftigen Standard hat“ und dem Baurecht entspricht. Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie Niedersachsen, ergänzte, worauf es der Kirche im Vergleich zum privaten Einsatz besonders ankommt: „Wichtig ist uns, dass Sozialarbeiter Bewohner begleiten.“

Wenige Stunden nach der Pressekonferenz des Landeskirchenamtes wurde bekannt, dass am Kröpcke ein 54-jähriger Obdachloser erfroren ist.

Von Gunnar Menkens

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