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Aus der Stadt Region Hannover: Kita-Platz-Mangel immer dramatischer
Hannover Aus der Stadt

Kita-Bericht der Region Hannover: Mangel an Kita-Plätzen verschärft sich

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19:45 23.10.2019
Immer mehr Kita-Plätze fehlen, heißt es in dem Kindertagesstättenbericht, den das Jugendamt der Region jetzt veröffentlicht hat. Quelle: Rainer Jensen/dpa
Hannover

Die Not bei den Kita-Plätzen in der Region hat einen neuen Höchststand erreicht. Das zeigt der neueste Kindertagesstättenbericht für den Zuständigkeitsbereich des Jugendamtes der Region Hannover. Vor allem im Bereich der Drei- bis Sechsjährigen sind die Betreuungsquoten für Kinder im Kindergarten dramatisch gesunken. Sie lagen im Kindergartenjahr 2018/2019 im Schnitt bei gerade einmal 94,4 Prozent. Zum Vergleich: Noch ein Jahr zuvor, im Kindergartenjahr 2017/2018, betrugen sie immerhin 98,1 Prozent. Im Kindergartenjahr 2014/2015 hatten sie sogar im Schnitt bei 102,2 Prozent gelegen.

Rechtsanspruch gilt seit 23 Jahren

Dass die Versorgung von Kindern mit Kindergartenplätzen ausgerechnet bei Drei- bis Sechsjährigen überhaupt unter 100 Prozent gefallen ist, ist umso bemerkenswerter, weil es einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz in dieser Altersgruppe bereits seit 1996 gibt, also seit mittlerweile 23 Jahren. Seitdem hat jedes Kind in dieser Altersgruppe einen Anspruch auf einen Kita-Platz. Wenn dieser nicht erfüllt wird, können Eltern klagen. Auch im Krippen- und im Hortbereich sind die Quoten gefallen, allerdings jeweils nur um einige Prozentpunkte. Das Jugendamt der Regionsverwaltung ist für 16 Umlandkommunen zuständig, die kein eigenes Jugendamt haben. Nicht dazu gehören Langenhagen, Laatzen, Lehrte und Burgdorf sowie die Landeshauptstadt Hannover. In der Landeshauptstadt bestätigt sich jedoch der Trend der Zahlen aus der Regionsverwaltung.

Eltern aus Springe klagten erfolgreich

Wie dramatisch der Engpass bei den Betreuungsplätzen in der Region ist, hatte sich schon in den vergangenen Monaten angekündigt, als Städte wie Springe, Burgdorf oder Neustadt das Fehlen von Hunderten Kita-Plätzen öffentlich machten. Ein Ehepaar aus Springe hatte sogar vor dem hannoverschen Verwaltungsgericht geklagt, um sich einen Platz in einer kirchlichen Kita in Hannover zu erkämpfen. Die Suche in Springe war vergeblich gewesen. Die Stadt Hannover hatte dem Paar den Platz für das dreijährige Kind zunächst mit der Begründung verwehrt, man müsse die Plätze für Kinder aus der Stadt Hannover vorhalten. Nachdem das Verwaltungsgericht deutlich machte, dass es diese Praxis für rechtswidrig hält, einigten sich Stadt und Eltern; das Kind bekam seinen Platz. Auch in der Landeshauptstadt ist die Not bei den Kita-Plätzen vor allem bei den Drei- bis Sechsjährigen mittlerweile groß. Ende 2018 lag die Betreuungsquote der hannoverschen Verwaltung zufolge bei 97,5 Prozent.


Babyboom sorgt für Kitakrise

Hauptgrund für die Kita-Platzkrise ist nach Angaben der Region die demografische Entwicklung. Seit 2015 verzeichnet das Jugendamt der Region einen bemerkenswerten Babyboom. Allein dort stieg die Zahl der Geburten in dieser Zeit von rund 3700 auf rund 4100 Geburten jährlich. Auch in allen anderen Regionskommunen einschließlich der Landeshauptstadt war dieser Trend bis 2018 zu beobachten. In diesem Jahr stagnierten die Zahlen auf hohem Niveau. Insgesamt verzeichneten die Verwaltungen 2018 in der gesamten Region 11.214 Geburten. Zusätzliche Gesetzesänderungen wie die 2018 eingeführte Beitragsfreiheit bei den Kita-Plätzen für Drei- bis Sechsjährige oder die Tatsache, dass Eltern Kinder, die zwischen Juli und September 2018 sechs Jahre alt wurden, vom Schulbesuch zurückstellen konnten, hätten zu der Verschärfung der Situation insbesondere bei den Drei- bis Sechsjährigen geführt. Diese habe man nicht durch neu geschaffene Plätze kompensieren können. „Es werden immense Anstrengungen unternommen werden müssen, um flächendeckend ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot vorzuhalten zu können“, heißt es in dem Bericht.

Betreuungsquoten sind sehr unterschiedlich

Die Versorgungsquote bei den Betreuungsplätzen in der Region im Bereich der Drei- bis Sechsjährigen ist zudem sehr unterschiedlich: Während Kommunen wie Wennigsen (112 Prozent), Burgwedel (106,8 Prozent) oder Pattensen (104,7 Prozent) sich über eine Überversorgung freuen können, sind Kommunen wie Ronnenberg ( 82,1 Prozent) Seelze (88 Prozent) oder Neustadt (89,1 Prozent) extrem unterversorgt. Bedrückend ist zudem: Zumindest in den nächsten beiden Jahren ist kaum Besserung in Sicht. Im Kindergartenjahr 2019/2020 steigt die Betreuungsquote zwar kurzfristig auf 96,3 Prozent an. Bereits ein Jahr später aber fällt sie den Prognosen zufolge wieder: auf 94,9 Prozent.

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