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Aus der Stadt Beim Waldbaden wird keiner nass
Hannover Aus der Stadt Beim Waldbaden wird keiner nass
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13:00 23.02.2019
Waldbaden in der Eilenriede Quelle: Hans Peter Wiechers
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Zoo/Kleefeld

Waldbaden? Was ist das denn?“ Patrick Kempf kennt die verblüffte Nachfrage zur Genüge. Er weiß auch um das kleine Schmunzeln, das sich manche nicht verkneifen können, die nach dem Leiter fürs Waldbaden fragen. Patrick Kempf sagt dann gern: „Ja, ich bin der Waldkauz.“

Ist er natürlich nicht. Weder sieht der 49-Jährige so aus, wie man sich einen Eigenbrötler vorstellt, noch folgt er einer spleenigen Idee, wenn er – wie am vergangenen Sonntag – 15 Kursteilnehmer zum zweistündigen Wellnessangebot mit Stressabbau in die Eilenriede führt. Im Gegenteil: Patrick Kempf liegt damit voll im Trend. Seit ein paar Jahren werden die von einem Coach begleiteten Waldübungen bundesweit immer beliebter. Das Vorbild stammt aus Japan, wo das Naturerleben namens „Shinrin Yoku“ seit Langem zur Gesundheitsvorsorge gehört, um Körper, Geist und Seele meditativ miteinander in Einklang zu bringen.

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Leiter Patrick Kempf nennt sich selbst scherzhaft „Waldkauz“. Regelmäßig führt er Gäste durch die Eilenriede, damit sie beim sogenannten Waldbaden Hannovers Stadtforst intensiver erleben als bisher. Quelle: Hans Peter Wiechers

Patrick Kempf ist kein Therapeut, sondern Pädagoge, sein Spezialgebiet ist die Erlebnispädagogik. Er berät Führungskräfte, schult Teams. Das Waldbaden, ein Kursangebot des Stadtteilzentrums Lister Turm,betreibt er eher als Hobby. „Lasst Euch vom Wald begeistern“, rät er der Gruppe. Er selbst jedenfalls ist überzeugt von der Sache.

Wer sich ihm anvertraut, lernt zum Beispiel, dass Spaziergänger hektische Menschen sind. Denn eine der erste Übungen beim Waldbaden ist Schlendern. Schleichend legt die Gruppe die nächsten Meter Waldboden zurück und versucht dabei, den Blick in die Weite zu richten, neugierig bestaunt von Joggern und Radfahrern. „Weitwinkel statt fokussieren“, empfiehlt Kempf. „Sie können nicht stolpern.“ Wichtig sei es, alle fünf Sinne zu nutzen. „Riechen Sie den Wald, sehen Sie sich um, ertasten Sie die Struktur der Bäume.“ Den theoretischen Überbau, so verspricht Kempf, werde er den Kursteilnehmern ersparen. Aber ein wenig Nachhilfe gibt es dann doch. Der Mensch habe gelernt, seine Zeit immer effizient einzusetzen, erläutert der Kursleiter. Wer in die Natur eintauche, erfahre sich im Hier und Jetzt. Kempf lobt die Achtsamkeit, die der Mensch im Wald neu entdecke. Diese Achtsamkeit gelte es zu bewahren.

Beim Waldbaden (hier im Hinüberschen Garten) geht es darum, der Natur mit allen Sinne nahezukommen. Quelle: Frank Wilde

In Japan, erzählt Kempf, sei wissenschaftlich nachgewiesen worden, dass der Wald dem Menschen gut tut. Dort könne man nachlesen, dass das Eintauchen in die Natur wie Medizin wirkt, heilt und das Immunsystem stärkt. „Allerdings ist noch unklar, ob das auch bei uns mit Eiche und Buche funktioniert.“ Den Kursteilnehmern ist das egal. „Was spüren Sie?“, fragt Kempf. „Ruhe und Entspannung,“ sagt Brunhilde und schaut hoch in die Baumwipfel. Sie wirkt glücklich. Ist sie wohl auch.

Von Gabi Stief

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