Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Kleingärtner wehren sich gegen Kündigung
Hannover Aus der Stadt Kleingärtner wehren sich gegen Kündigung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:23 14.01.2019
Kleingärtner Hans-Werner Penk kritisiert im Umweltausschuss die geplante Kündigung von 18 Parzellen in Hainholz. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Mehrere Kleingärtner protestieren vehement gegen die geplante Kündigung von 18 Parzellen in Hainholz – dennoch hat der Umweltausschuss des Rates den Wegfall der Kleingärten am Montag mehrheitlich beschlossen. „Ich kann das nicht nachvollziehen“, sagt Jorn Heidorn, seit vier Jahren Pächter in der betroffenen Kolonie Friedenau. Der Verein Transition Town, der mit staatlicher Förderung mehrere Parzellen in der Kolonie bewirtschaftet, will die Kündigung nicht hinnehmen. „Wir gehen in den Widerstand“, sagt Thomas Köhler, Vorstandsmitglied von Transition Town.

Die Stadtverwaltung argumentiert, dass sie die rund 12.000 Quadratmeter große Fläche nahe der Schulenburger Landstraße für die Ansiedlung von Unternehmen und den Bau eines Radwegs benötigt. Zudem sei der Boden teilweise mit Schadstoffen wie Schwermetallen und den krebserregenden Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet. Die Stadt warnt den Verein Transition Town, in seinen Gärten Gemüse in Bodennähe anzubauen und rät, nur Baum- und Strauchfrüchte zu verzehren. „Wir müssen auch andere Gärten auf Schadstoffe untersuchen“, sagt Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne).

Zudem hat die Stadt erfahren, dass in einigen Kleingärten Menschen wohnen. Das aber sei illegal, sagt die Dezernentin. Da die Kleingärten nicht ans Abwassersystem angeschlossen sind, werden Fäkalien offenbar über Sickergruben entsorgt. „Diese belasten das Grundwasser“, sagt Tegtmeyer-Dette (Grüne). Im Übrigen werde Enercity zum Jahresende den Strom für die Gartenkolonie abschalten.

Die Kleingärtner sind verärgert und wollen den Argumenten der Stadt nicht folgen. „Wir haben Verträge mit den Stadtwerken“, sagt Kleingärtner Hans-Werner Penk. Zudem sei es während der Wohnungsnot in der Nachkriegszeit nicht unüblich gewesen, dass Menschen in Gärten wohnten, und dafür gebe es auch einen gesetzlichen Bestandsschutz. Das sieht die Stadt anders. „Es besteht kein Recht, in den Kleingärten zu wohnen“, sagt Tegtmeyer-Dette. Es herrsche auch keine vergleichbare Notlage wie vor 70 Jahren.

Nicht einsehen wollen die Kleingärtner, warum sie einem Gewerbegebiet weichen sollen. „Es gibt doch genügend Brachflächen nördlich und südlich der Kolonie“, meint einer der Kleingärtner. Auch für einen Fahrradweg sehen sie keinen Bedarf. „Wir haben doch nur zehn Meter entfernt einen Radweg am Mittellandkanal“, sagt eine Pächterin.

Nicht zum ersten Mal erhebt sich Widerstand gegen den Wegfall von Kleingärten. Immer wieder kritisieren Aktivisten vom „Aktionsbündnis gegen Kleingartenzerstörung“ das Vorgehen der Stadt. Die Verwaltung hat 2016 zusammen mit dem Bezirksverband der Kleingärtner ein Konzept für die Umwandlung von Parzellen in Bauland ausgehandelt. Rund 800 von insgesamt 20.000 Kleingärten in Hannover sollen weichen. Den Betroffenen verspricht die Stadt, Ersatzflächen zu schaffen und eine Entschädigung zu zahlen.

„Das ist aber nicht wie ein Umzug in eine andere Wohnung“, betont eine Kleingärtnerin. Sie habe viel investiert in ihre Parzelle, uralte Pflanzen würden dort wachsen. „Die kann man nicht mitnehmen wie Möbelstücke“. Das erkennt auch die Stadtverwaltung an. „Wir haben es uns nicht leicht gemacht mit der Kündigung, aber wir brauchen die Gewerbefläche“, sagt Tegtmeyer-Dette. Zudem müssten für die kommenden Jahre keine Kleingärten mehr für Wohnbebauung weichen.

Auch die Ratspolitik lobt das Engagement der Kleingärtner, zumindest in Teilen. CDU und Grüne können den Interessenkonflikt nachvollziehen, ziehen aber unterschiedliche Schlüsse. „Die Argumente der Stadt überzeugen nicht, die Kleingärten sollten bleiben“, meint CDU-Umweltpolitiker Maximilian Oppelt. Anders sein Kollege von den Grünen. „Wir brauchen die Fläche, um Gewerbe anzusiedeln“, sagt Grünen-Umweltpolitiker Patrick Drenske. Unterm Strich bleibe die Anzahl der Kleingärten in Hannover erhalten. Die SPD wirft den Kleingärtnern vor, nur an sich selbst zu denken. „Es geht hier nicht um Betroffenheitspolitik“, sagt SPD-Umweltpolitiker Philipp Kreisz. Das löst nicht nur bei den Kleingärtnern Kopfschütteln aus. „Die SPD macht sich beliebt“, merkt Oliver Förste (Die Partei) ironisch an.

Von Andreas Schinkel

Eine 50-Jährige nannte Juden „Köterrasse“ und versetzte in Laatzen drei Erinnerungssteine an einem Ehrenmal. Die Attacken zielten auf Bernadette Gottschalk – zwei ihrer Angehörigen wurden in KZs umgebracht. Nun hat das Amtsgericht Hannover die Frau verurteilt.

17.01.2019

Die Polizei Hannover ist auf der Suche nach einem Brandstifter im Stadtteil Davenstedt. Dort wurde am Sonntag ein Müllcontainer angezündet, die Flammen griffen zudem auf zwei weitere Behälter über. Die Feuerwehr konnte den Brand löschen.

14.01.2019

Ein defektes Stellwerk legt in Hannover den Bahnverkehr lahm. Stimmt da mit der Technik etwas nicht? Prof. Jörn Pachl vom Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung der TU Braunschweig gibt Antworten.

17.01.2019