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Aus der Stadt Bezirksrat Nord stellt sich hinter Kleingärtner
Hannover Aus der Stadt

Kleingartenkolonie Friedenau in Hainholz: Bezirksrat Nord stellt sich hinter Kleingärtner

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17:00 15.06.2019
Die Pächter der 18 Kleingärten an der Schulenburger Landstraße wollen ihre Parzellen behalten. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hainholz

Die Pächter der 18 bedrohten Kleingärten an der Schulenburger Landstraße haben noch einmal deutliche Unterstützung vom Bezirksrat Nord bekommen. Bis auf eine Ausnahme lehnten die Politiker eine Kündigung der Kleingartenflächen ab. Die Stadt will aus dem schmalen Gelände einen Radweg machen sowie einen Teil der Fläche für Gewerbeansiedlung nutzen. Dazu will die Verwaltung die Parzellen zum November 2020 kündigen. Die Kleingärtner jedoch wollen nicht weichen. Es geht auch um menschliche Schicksale: Zwei der Gärten sind bewohnt.

Das Areal gehört zur Kolonie Friedenau, ist aber baurechtlich als Gewerbe- und Verkehrsfläche eingestuft. CDU-Ratsherr Thomas Klapproth hat jetzt einen politischen Vorstoß im Sinn. „Wir könnten das Gelände in Grünland umformen.“ Im Rat gab es bisher allerdings eine Mehrheit, die eine Auflösung der Gärten befürwortet.

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Der Bezirksrat Nord hat sich seit Beginn des Konflikts hinter die Kleingärtner gestellt. Mehrere Anhörungen mit Verwaltungsfachleuten der Stadt konnten die Politiker nicht überzeugen. In diesen Tagen hat die Stadtverwaltung Ratspolitikern Akteneinsicht zu dem Gelände gewährt. Allerdings lagen die Termine für die meisten Politiker erst in den Tagen nach der Bezirksratssitzung. Robert Nicholls (SPD) enthielt sich bei der Abstimmung im Bezirksrat, weil er sich ohne diese Information nicht positionieren wollte.

Allen anderen Politikern war es wichtiger, dem Rat ein deutliches Signal zu geben. „Es ist Aufgabe des Bezirksrats, ein Statement abzugeben“, plädierte Grünen-Fraktionschef Stefan Winter. Fares Rahabi (Die Linke) erinnerte daran, dass die SPD im Umweltausschuss bereits einmal für die Kündigung der Gärten gestimmt hat. „Unsere Botschaft ist bisher nicht angekommen.“

Die Stadt hat in dem vom Rat beschlossenen Kleingartenkonzept die Umwandlung von 800 Gärten zugunsten von Wohnungsbau und Gewerbe festgelegt. Dazu zählen auch die 18 Kleingärten an der Schulenburger Landstraße. Für die meisten Parzellen hat die Stadt diese Pläne kürzlich auf unbestimmte Zeit verschoben.

Kommentar: Grün oder Gelände?

Die Diskussion um 18 Kleingärten an der Schulenburger Landstraße geht in eine neue Runde. Die Politiker im Bezirksrat Nord haben sich fast einstimmig noch einmal hinter die Pächter der Gärten gestellt, denen die Stadt kündigen will. Die Kleingärtner kämpfen seit geraumer Zeit um den Erhalt ihrer Parzellen, in die sie Zeit und Geld gesteckt haben. Vor allem haben einige der Pächter ihre Lebensplanung stark auf den Garten ausgerichtet, teils wohnen sie dort sogar, auch wenn die rechtliche Basis dafür umstritten ist.

Tatsächlich wirft das Vorhaben der Verwaltung viele Fragen auf. Das infrage stehende Areal ist relativ klein, dennoch sollen dort Gewerbe und ein neuer Rad- und Fußweg entstehen. Die Grundlage dafür ist das sogenannte Kleingartenkonzept, mit dem der Rat die Aufgabe von zahlreichen Gärten im Stadtgebiet beschlossen hat. An deren Stelle sollen Wohnungen und Gewerbe entstehen. Nur hat die Stadtverwaltung die Umsetzung dieser Pläne inzwischen vertagt, weil einige größere Baugebiete Entlastung für den Wohnungsmarkt versprechen. Die Kleingartenfläche an der Schulenburger Landstraße gehört zu den wenigen Bereichen, in denen die Stadt ihre Pläne doch weiter verfolgt.

Der Rat sollte auf die Argumente der Politiker im Bezirksrat hören. Sie befürchten, dass an der Stelle auf längere Zeit eine unansehnliche Brachfläche entsteht oder eine weitere Autoschrauber-Werkstatt. Und vor allem wollen sie die Pächter nicht aus ihren Gärten vertreiben.

Von Bärbel Hilbig

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