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Aus der Stadt Pächter wehren sich gegen Kündigung
Hannover Aus der Stadt Pächter wehren sich gegen Kündigung
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00:18 19.10.2018
Kleingärtner der Kolonie Friedenau wehren sich gegen die angekündigte Kündigung ihrer Parzellen an die Schulenburger Landstraße. Quelle: Moritz Frankenberg
Vinnhorst

Rund 18 Pächter aus der insgesamt deutlich größeren Kleingartenkolonie Friedenau in Vinnhorst sollen bald ihre Kündigung bekommen – und wehren sich vehement dagegen. Ihre Gärten tauchen im städtischen Kleingartenkonzept auf, auf das sich die Stadt und der Bezirksverband der Kleingärtner bereits vor zwei Jahren geeinigt haben. Das Papier sieht vor, dass in den nächsten Jahren 813 Gärten dem Wohnungsbau weichen. Die Gesamtzahl von rund 20 000 Kleingärten soll dabei durch das Teilen von Parzellen erhalten bleiben.

Von einer voraussichtlich im Februar 2019 anstehenden Kündigung zum November erfuhren die Kleingärtner in Friedenau jedoch nur durch Zufall. „Das ist ein Unding. Der Verband ist in der Pflicht, die Vereinsvorsitzenden über solche Veränderungen zu informieren“, kritisiert Pächterin Claudia Schneider. Die betroffenen Gärten bilden einen schmalen Streifen Land an einem Weg zwischen Schulenburger Landstraße, Schachtebeckweg und Erlenweg. „Unsere Gärten dienen als Puffer zwischen Gewerbe und Wohngebiet. Uns leuchtet nicht ein, wofür das Gelände gebraucht wird, wo es doch so viel Leerstand von Gewerbeflächen an der Schulenburger gibt.“

Die Gärten in dem Areal sind alle verpachtet. Unter den Nachbarn an dem kleinen Weg sei der Zusammenhalt eng, beteuert Claudia Schneider. „Wir grillen zusammen und pumpen bei starkem Regen auch Wasser aus den Nachbargärten ab. Hier ist viel Miteinander.“ Viele der Gärten seien „Herzensprojekte“, betont Schneider. Ein Ehepaar pflege seine Parzelle seit mehr als 20 Jahren, habe jeden Strauch selbst gesetzt. „Das lässt sich nicht einfach austauschen.“ Auf Wunsch bieten Stadt und Bezirksverband bei einer Kündigung andere Gärten als Ersatz an. Die Gartennachbarn wollen sich jedoch nicht auseinander reißen lassen.

Von der geplanten Kündigung der 18 Gärten erfuhr der Vorstand der Kleingartenkolonie erst nebenbei bei einem Gespräch mit Enercity, bei dem es um die Erneuerung der Stromleitungen in der Kolonie ging. Für die 18 Parzellen an dem Weg lohne sich das nicht mehr, da sie auf der Streichliste stünden, so hieß es. „Die noch bestehenden Hochleitungen dürfen nur noch bis Ende 2019 betrieben werden“, erläutert Stadtbezirksmanager Stephan Kaczmarek im Bezirksrat Nord. Der Bebauungsplan sieht für das Gebiet weiterhin Straßenbau vor, obwohl eine einst angedachte Trasse zum Kabelkamp längst vom Tisch ist. Auch das verwundert die Kleingärtner. Sie befürchten, verdrängt zu werden, obwohl es womöglich gar keine Pläne für das Areal gibt. Bei einem Treffen mit Stadt und Bezirksverband am Montag erfuhren die Pächter, dass eventuell ein Radweg auf dem Gelände entstehen soll.

Widerstand gegen das Kleingartenkonzept regt sich seit 2016 an verschiedenen Ecken der Stadt. Besonders die Pächter am Vinnhorster Weg haben bereits früh protestiert. Dort stehen rund 200 Parzellen auf der Streichliste. Bisher blieb die Kündigung aus. Auch diese Kleingärtner fühlten sich von der Stadt und ihrem Bezirksvorstand übergangen. „Jeder Kleingarten, der verschwindet, ist einer zuviel, denn die Nachfrage steigt“, sagt Hans-Werner Penk vom Aktionsbündnis gegen das Kleingartenkonzept.

Kommentar: Eine Stadt braucht grüne Inseln

Mit dem Argument, dass Platz für Wohnungen und auch für Gewerbe in Hannover fehlt, haben sich die Stadtverwaltung und der Bezirksverband der Kleingärtner auf die Aufgabe von etlichen Schrebergärten festgelegt. Die Auswahl geschah dabei über die Köpfe der betroffenen Pächter hinweg. Oft erfuhren auch ihre Vereinsvorsitzenden erst spät davon, dass ein Teil der Kolonie vor der Auflösung steht. Hannover ist eine Stadt, die bisher eher wächst als schrumpft, und bezahlbaren Wohnraum braucht. Kommunen, deren Einwohner schwinden, beneiden solch wachsende Städte meist um ihre Dynamik, denn sie haben mit ganz anderen Probleme zu kämpfen. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, an welcher Stelle ein Neubau richtig steht. Schließlich brauchen auch Stadtbewohner grüne Inseln, die das Leben entschleunigen.

Von Bärbel Hilbig

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