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Aus der Stadt Zu voll, zu teuer, zu wenig Personal: Hannovers Krankenhäuser schlagen Alarm
Hannover Aus der Stadt

Kliniken in Hannover: Die Krankenhäuser schlagen Alarm

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09:00 25.11.2019
Die Lage in den großen hannoverschen Krankenhäusern ist angespannt, die Klinikchefs fordern einen Masterplan für Hannover. Quelle: Friso Gentsch, dpa
Hannover

Überfüllte Notaufnahmen, zu wenig Geld vom Land, Mangel an Pflegekräften, ständig neue gesetzliche Vorgaben und Ärger um angebliche Falschabrechnungen: Die großen Kliniken in Hannover befürchten in den kommenden Jahren zunehmende Probleme bei der Versorgung von Patienten. „Das System läuft sich heiß“, sagt der Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) Andreas Tecklenburg. Er vergleicht die derzeitige Situation der Krankenhäuser mit einem Auto, das mit Tempo 200 auf eine Betonwand zu rast.

Als Beispiel nennt Tecklenburg die finanzielle Lage der Krankenhäuser. In den Jahren 2016 und 2017 seien die Ergebnisse auch in anderen Universitätskliniken noch ausgeglichen gewesen. Anfang des Jahres 2019 nun rutschte die MHH tief in die roten Zahlen, verzeichnete in den ersten fünf Monaten ein Minus von zwölf Millionen Euro. In anderen Krankenhäusern gibt es ähnliche Probleme.

Kassen wollen immer häufiger nicht zahlen

Hauptursache für die finanziellen Probleme ist aus Sicht der Kliniken die Kürzung von Krankenhausabrechnungen durch den Medizinischen Dienst. Immer häufiger weigerten sich Kassen, von den Krankenhäusern gestellte Rechnungen zu zahlen. Oft geht es dabei darum, dass die Kassen die Liegezeiten der Patienten oft für zu lang halten. Für die Frage, warum ein Patient in einem bestimmten Fall länger in der Klinik behalten oder früher einbestellt werde, interessierten sich die Kassen dabei selten, klagen die Krankenhausbetreiber.

Auch bei der Notfallversorgung grätschen die Krankenkassen nach Auffassung der Kliniken so oft dazwischen, dass zahlreiche Rechnungen gar nicht oder nur teilweise bezahlt werden. Gleichzeitig kämen immer mehr Patienten mit leichten Erkrankungen und Verletzungen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser und behinderten dadurch die Behandlung Schwerkranker und Schwerverletzter.

Für neue Geräte fehlt das Geld

Die Kliniken üben auch massive Kritik an der Landesregierung. Niedersachsen komme, wie auch andere Länder, seiner Pflicht zur Finanzierung von Investitionen nur „vollkommen unzureichend“ nach, betont die Finanzchefin des Regionsklinikums (KRH), Barbara Schulte. Dadurch seien zahlreiche Geräte in den Krankenhäusern inzwischen so alt, dass sie von den Herstellerfirmen kaum noch gewartet werden könnten. Für neue Geräte sei oft kein Geld da.

Zu schaffen mache den Krankenhäusern auch der Mangel an Pflegekräften. In den vergangenen Jahren hatte der finanzielle Druck auf die Kliniken dazu geführt, dass Pflegepersonal abgebaut wurde. Jetzt hingegen verlangt der Gesetzgeber durch Vorgaben wie einen Mindestbetreuungsschlüssel, mehr Pflegekräfte einzusetzen. Allerdings fehlt es an Nachwuchs. Dadurch sind die großen Krankenhäuser in Hannover gezwungen, weniger medizinische Leistungen anzubieten. Das führe zu möglichen Versorgungsengpässen für die Patienten, sagt Schulte. Beispielsweise sind derzeit in Hannover insgesamt 38 Betten auf Intensivstationen gesperrt, weil Personal fehlt. Eine weitere Folge: Die Kliniken können weniger Erlöse erwirtschaften. Zudem binde bürokratische Arbeit immer mehr Zeit von Pflegekräften und Ärzten, die dann für die Patienten fehle.

„Überflutung mit Gesetzen und Verordnungen“

Ein riesiges Problem für die Kliniken ist nach den Worten von Schulte auch die „völlige Überflutung mit neuen Gesetzen und Verordnungen“. Die Krankenhäuser kämen mit der Umsetzung kaum hinterher, der Aufwand für Bürokratie steige ständig.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, sei ein Masterplan für die Krankenhauslandschaft nötig, hier seien das Gesundheits- und das Wissenschaftsministerium gefordert, sagt Thomas Beushausen, Chef des Kinderkrankenhauses Auf der Bult. „Der Neubau der MHH ist davon abhängig, welche Unterstützung die anderen Krankenhäuser in Hannover leisten könnten“, betont er. Das werde aber ein Umdenken erfordern, sagt Beushausen, der auch Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft in der Region Hannover ist. Denn es könnte sein, dass in Hannover in zu vielen Kliniken identische Leistungen angeboten werden.

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Von Mathias Klein

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