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Aus der Stadt Kommentar: Der Kampf um saubere Luft in Hannover hat erst begonnen
Hannover Aus der Stadt

Kommentar: Der Kampf um saubere Luft hat erst begonnen

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16:02 08.12.2019
Auf Hannovers Straßen sind immer mehr Autos unterwegs, und die Luft ist noch immer schmutziger als erlaubt. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

In diesem Dezember fahren jeden Sonnabend Zehntausende Menschen zum Einkaufsbummel in die Innenstadt – und diese Woche sind dazu wieder wesentlich mehr ins Auto gestiegen, als noch vor sieben Tagen. Denn die Anreise mit Bus und Bahn war nicht wie am Sonnabend zuvor gratis. Vor einer Woche waren die Citystraßen nahezu leer, weil die Einkaufsbummler entspannt in Bussen und Bahnen saßen. Jetzt rechnete die Stadtverwaltung wieder mit Staus und sperrte vorsorglich den Tunnel neben dem Hauptbahnhof.

Zugleich ist in dieser Woche bekannt geworden, dass Hannover wieder einmal den EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid überschreitet. Das gesundheitsschädliche Gas strömt vor allem aus den Auspuffrohren von Dieselautos. Was also wäre ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Luftverschmutzung? Die Frage ist nicht rhetorisch gemeint.

Öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen

Denn leider ist es ja nicht so einfach. Kostenlosen Nahverkehr gibt es nicht. Irgendwer zahlt immer. Der Gratistag hat die kommunalen Verkehrsunternehmen (und damit am Ende alle Steuerzahler) 600.000 Euro gekostet. Nahverkehr ohne Tickets wird sich die Region Hannover kaum leisten können. Ob ein 365-Euro-Ticket etwas bringt, ist umstritten. Denn auch hier gilt: Klingt zunächst gut, ist aber kompliziert – wie etwa Erfahrungen aus Wien zeigen. Klar ist nur: Wer die Luft sauber bekommen will, muss den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen.

Luftmessungen sind kein Selbstzweck

Aber sind wir nicht längst auf dem Weg, die Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen? Das niedersächsische Umweltministerium ist der Ansicht, dass Hannover im kommenden Jahr auf allen belasteten Straßen den Grenzwert einhält – zumindest abseits der Fahrbahnen und nahe der Wohnhäuser. Man mag die Messmethode des Ministeriums für einen Taschenspielertrick halten, aber: Falsch ist es nicht, die Auswirkungen der Abgase auf Anwohner in den Blick zu nehmen. Luftmessungen sind kein Selbstzweck. Falsch wäre aber der Schluss, auf immer umweltschonendere Motoren zu vertrauen und ansonsten den Gang der Dinge abzuwarten. Dazu neigen indes leider bisher Stadt und Region Hannover.

Wem gehört der Straßenraum?

Diese Trägheit zu überwinden, dürfte eine der großen Herausforderungen für Hannovers neuen Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) sein. An Ambitionen mangelt es ihm nicht: Er will Autos aus der Innenstadt weitgehend verbannen. Aber nicht nur für die City, auch für dicht besiedelte Stadtteile wie List, Südstadt und Linden stellt sich die Frage: Wem gehört der Straßenraum? Der Platz in einer Großstadt ist endlich, und wer umweltschonenden Verkehrsmitteln – ob Fahrräder, Busse oder Bahnen – den Vorzug geben will, muss am Ende den Straßenraum für Autos beschneiden. Hier wird sich Onay harten Auseinandersetzungen stellen müssen. Der Kampf um saubere Luft hat erst begonnen.

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Von Andreas Schinkel

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