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Aus der Stadt Kommentar: Alles gewusst, nichts getan – wie Hannover in die Kita-Krise gerutscht ist
Hannover Aus der Stadt

Kommentar: Hannover hätte die Kita-Krise vorhersehen – und viel früher handeln müssen

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17:44 30.11.2019
Seit 1996 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Heute – 23 Jahre später – fehlt es in genau diesem Bereich wieder an Betreuungsplätzen. Quelle: Kathrin Götze (Archiv)
Hannover

Die Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. 23 Jahre ist es her, dass in Deutschland der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz eingeführt wurde. Die damals Drei- bis Sechsjährigen, die erste Generation, die davon profitierte, ist heute erwachsen. Eltern von damals können heute Großeltern sein.

556 Plätze fehlen in Hannover

Umso bitterer ist, dass sie derzeit eine Krise erleben, die sie wahrlich hinter sich geglaubt hatten, nach all dem politischen Ringen Mitte der Neunziger darum, dass das Kinderaufziehen bei den Drei- bis Sechsjährigen sorgenfrei ist. Aber weit gefehlt: Nicht im Krippen-, nein, vor allem im Kindergartenbereich fehlen heute in der Region wieder Plätze, um jedem Kind eine Betreuung zu garantieren. 556 sind es in Hannover, in den 16 Kommunen, für die die Region zuständig ist, weitere 858. In Langenhagen, Lehrte, Burgdorf und Laatzen, den Umlandkommunen, die ein eigenes Jugendamt haben, kommen noch viele weitere dazu. Hinter den nackten Zahlen verbergen sich Hunderte von Familien, die nicht wissen, wie es im Sommer weiter geht.

Babyboom „wächst durch“

Bitter daran ist: Der Mangel zeichnet sich seit Langem in den Statistiken ab. Regelmäßig veröffentlichen die Verwaltungen in Stadt und Region ihre Betreuungszahlen, klar und übersichtlich sortiert: nach Alter, Stadtteil, Stadtbezirk. In der statistischen Auswertung sind sie richtig gut. Schwierig wird es allerdings offenbar, wenn es daran geht, rechtzeitig Alarm zu schlagen und frühzeitig Konsequenzen zu ziehen. Dass ein deutschlandweiter Babyboom die Lage auch in den hiesigen Kindergärten verschärfen wird, ist lange bekannt. Beispiel Hannover: Seit spätestens 2015 verzeichnet die Stadt bei den Ein- bis Zweijährigen dramatische Auswirkungen: die Zahlen stiegen von 9673 (2015) bis auf 10651 (2018) an. Jetzt erst, vier Jahre später, schlägt die Entwicklung bei den Drei- bis Sechsjährigen durch. Vier Jahre müssen aber reichen, um so ein Szenario vorherzusehen und es sicher abzufedern – und sei es am Ende mit sorgsam geplanten, nicht notfallplanmäßig eingerichteten Container-Kitas. Auch punktgenaue Absprachen der Landesbehörden mit den Kommunen gehören zu einer familienfreundlichen Politik. Es kann nicht sein, dass neue Landesgesetze wie die kostenfreie Kita oder die flexible Einschulung in die Grundschule mit dazu beitragen, dass Eltern wieder mit der Ungewissheit leben müssen, ob es für ihr Kind überhaupt eine Platzgarantie gibt.

Rechtsanspruch für Ganztagsbetreuung in der Grundschule

Das einzig Gute ist: Die hannoversche Verwaltung kann in Bälde zeigen, dass sie es besser kann. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag für 2025 den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule festgeschrieben. Schon Mitte 2018 fragte die FDP-Ratsfraktion deshalb nach, ob das nicht notwendigerweise eine neue Priorisierung des Ganztagsausbaus nach sich ziehe. Man wolle den konkreten Gesetzentwurf abwarten, hieß es damals vonseiten der Stadt. Absehbar ist aber schon jetzt, dass der Babyboom von 2014 bald die Grundschule erreicht. Vielleicht fängt die Verwaltung mit der Planung deshalb einfach mal etwas früher an.

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