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Aus der Stadt Hannover ist Hochburg der Clan-Kriminalität in Niedersachsen
Hannover Aus der Stadt Hannover ist Hochburg der Clan-Kriminalität in Niedersachsen
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18:15 17.01.2019
An Durchsuchungen in Hildesheim und Salzgitter im September des vergangenen Jahres in Wohnungen von Mitgliedern krimineller Großfamilien waren auch Spezialeinsatzkräfte beteiligt. Quelle: dpa
Hannover

Der Ampelmord von Sarstedt, der Ehrenmord von Visselhövede, dessen Spur nach Hannover führte, der brutale Überfall mehrerer Täter in Salzgitter auf zwei junge Männer mit anschließender Polizeirazzia auch in Hannover – all diese Verbrechen rechnet das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen den Machenschaften sogenannter krimineller Großfamilien zu. Die Zahl Polizei-Einsätze im Zusammenhang mit M-Kurden ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen, von 143 im Jahr 2016 auf 248 im Jahr darauf. Schwerpunkt ist die Landeshauptstadt Hannover. Hier registrierte die Polizei im Jahr 2017 nicht nur die meisten eingeleiteten Verfahren. Auch die meisten Tatverdächtigen im Zusammenhang mit Clankriminalität hatten ihren Wohnsitz in Hannover.

Hochburgen sind Hannover, Oldenburg und Hildesheim

Insgesamt leitete die Polizei in Niedersachsen im Jahr 2017 im Zusammenhang mit der Clankriminalität 878 Ermittlungsverfahren ein. 161 dieser Straftaten, die zu Ermittlungsverfahren führten, wurden in Hannover begangen. Auf Platz zwei der Liste liegt Oldenburg mit 94 Tatorten, gefolgt von Hildesheim mit 88 Tatorten.

124 der Tatverdächtigen im Jahr 2017 hatten ihren Wohnsitz in Hannover, 99 waren in Hildesheim gemeldet, auf Platz drei dieser Liste liegt Oldenburg mit 85 dort registrierten Verdächtigen. Wie viele kriminelle Großfamilien es in Niedersachsen gibt, können die Behörden allerdings nicht sagen. „Das werten wir nicht aus“, teilte das LKA mit.

Täter sind vor allem M-Kurden

Bei den Täter in Niedersachsen handelt es sich nach Angaben des LKA meist um sogenannte Mhallamiye-Kurden, der Einfachheit halber auch M-Kurden genannt. Diese Großfamilien stammen in der Regel aus dem Südosten der Türkei, genauer gesagt aus der Provinz Mardin. Sie kamen als Bürgerkriegsflüchtlinge nach dem Ausbruch der Kampfhandlungen im Libanon im Jahr 1975 nach Deutschland. „Mittlerweile konnten hier auch Familienstrukturen der Mhallamiye aus Syrien oder dem Libanon festgestellt werden“, sagt LKA-Sprecherin Nevin Ayyildiz.

Die Mitglieder der Clans fallen polizeilich insbesondere durch Straftaten wie gefährliche Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung oder Betrug auf. Die Familien schotten sich nach außen ab, Auseinandersetzungen werden intern geklärt. „Für Zeugen und Opfer besteht häufig ein hohes Bedrohungs- und Gefährdungspotential“, heißt es in einer Antwort der niedersächsischen Landesregierung auf eine Anfrage der FDP zur Clankriminalität.

Polizei hat eigenen Ansprechpartner für Clankriminalität

Die Polizei hat inzwischen auf unterschiedliche Weise auf die kriminellen Aktivitäten der Clans reagiert. Die Ermittler können polizeilich auffällig gewordene Personen über ihre Familiennamen den Mhallamiye zuordnen. „Auf dieser Grundlage wurde ein namengebundenes Recherchemodell entwickelt, das über bestimmte Familiennamen und Geburtsorte eine Zuordnung von Straftaten durch M-Kurden im polizeilichen Datenbestand ermöglicht“, heißt es in der Antwort der Landesregierung auf die FDP-Anfrage weiter.

Seit 2013 gibt es im LKA Niedersachsen zudem einen eigenen Ansprechpartner für Clankriminalität. Im März 2018 gehen Polizei uns Justiz behördenübergreifend gegen kriminelle Familien vor. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat im Sommer ein hartes Vorgehen der Polizei gegen die Clans angekündigt.

Weiterlesen: „Clans betrachten die deutsche Gesellschaft als Beutegesellschaft“

Von Tobias Morchner

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