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Aus der Stadt Kulturhauptstadt-Bewerbung: Star-Pianist Igor Levit droht mit Rückzug
Hannover Aus der Stadt

Kultur: Hannovers Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt steht auf der Kippe

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00:19 22.06.2019
Nicht nur im Rathaus wird darüber gestritten, ob der Finanzplan für die Kulturhauptstadtbewerbung ausreicht. Auch Igor Levit übt deutliche Kritik. Quelle: Moritz Frankenberg

Hannover will europäische Kulturhauptstadt 2025 werden, aber die Bewerbung steht auf der Kippe. Im Streit zwischen Kulturschaffenden und der Stadt droht nun Star-Pianist Igor Levit, das prominenteste Gesicht der Bewerbung, sein Amt als „Botschafter“ der Aktion abzugeben. „Ich bin entsetzt darüber, mit welchem Unverständnis man hier eine solche Chance leichtfertig verspielt“, sagt Levit mit Blick auf den möglichen Titel. Sollte es bei den Plänen für den künftigen städtischen Kulturetat bleiben, könne er nicht länger der Botschafter der Aktion bleiben: „Die ganze Bewerbung würde dann zu einer Farce.“

Anlass der Kritik ist die kürzlich im Finanz- und Kulturausschuss beschlossene jährliche Steigerung des Etats um 1,5 Prozent. Das ist den Kulturschaffenden deutlich zu wenig. Erst am Dienstag hatten Vertreter von großen Institutionen damit gedroht, ihre Unterstützung für die Bewerbung zu verweigern. Die Entscheidung für den engen Finanzplan erscheine umso unwürdiger und grotesker, wenn man bedenke, mit welcher Leichtigkeit und Dreistigkeit sich im Rathaus unter der Hand Geld zugeschustert wurde, sagt Levit mit Blick auf die Rathausaffäre um illegale Gehaltszulagen für Spitzenbeamte.

Kämmerer Axel von der Ohe (SPD) setzt mit dem geplanten Anstieg des Etats von jährlich 1,5 Prozent einen Rahmen für den sogenannten Kulturentwicklungsplan, eine langfristige Strategie für Hannovers Kultur. Der Kämmerer meint, dass die Steigerungsrate nicht nur ausreicht, um den Etat von rund 71 Millionen Euro bis zum Jahr 2026 zu stabilisieren, sondern auch um zusätzliche Mittel für die Kultur zu gewinnen. Finanz- und Kulturausschuss haben den Plänen dvergangene Woche bereits zugestimmt. Kritiker indes glauben, dass der Anstieg weder die Kulturhauptstadt-Jury überzeugt, noch der Kulturszene in Hannover neue Spielräume verschafft.

Kämmerer Axel von der Ohe (SPD) will mit dem geplanten Anstieg des Etats von jährlich 1,5 Prozent einen Rahmen für den sogenannten Kulturentwicklungsplan setzen. Quelle: Tim Schaarschmidt

Auch die Grünen im Rat und Teile der Stadtverwaltung sind der Ansicht, dass der abgesteckte Finanzrahmen für die langfristige Kulturentwicklung viel zu eng ist und den Erfordernissen der Bewerbung nicht genügt. Zwischen Kulturdezernat und Kämmerei laufen nach Informationen der HAZ erneut „Abstimmungsgespräche“ über die Höhe der Finanzierung. „Wir befinden uns am Scheidepunkt“, sagt ein Rathauskenner.

Nervosität im Rat wächst

Die Zeit wird allmählich knapp. Am kommenden Donnerstag, 27. Juni, entscheidet der Rat endgültig über den Finanzplan. Ein Verschieben ist unmöglich, weil die Stadt dann Gefahr liefe, ihre Bewerbungsmappe (Bid Book) nicht mehr rechtzeitig Ende September abgeben zu können. Sollten sich Kultur- und Finanzdezernat darauf einigen, das Finanzkonzept zu verändern, müsste die Stadt dem Rat einen neuen Plan vorlegen.

Auch innerhalb der Ratspolitik wächst die Nervosität. „Die Bewerbung darf nicht an formalen Kriterien scheitern. Das wäre der Super-GAU“, sagt SPD-Kulturpolitikerin Belgin Zaman. Sollte der Finanzrahmen nicht ausreichen, müsse die Stadt nachbessern. „Die Verwaltung muss mit einer Stimme sprechen“, appelliert Zaman an Kultur- und Finanzdezernat.

Das sagen die Oberbürgermeister-Kandidaten von SPD, CDU, Grünen:

Die wankende Kulturhauptstadtbewerbung beschäftigt auch die Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl. „Die Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt ist die große Chance, die Kulturentwicklung strategisch auszurichten“, sagt SPD-Bewerber Marc Hansmann. Die jährliche Steigerung von 1,5 Prozent gebe Planungssicherheit. „Erst wenn wir den Kulturentwicklungsplan mit Inhalten füllen, bekommen wir ein Gefühl dafür, ob das Geld reicht", sagt Hansmann.

CDU-Kandidat Eckhard Scholz hält den geplanten Anstieg grundsätzlich für solide. „Man sollte aber prüfen, wie sich die Inflation auf die Summe auswirkt", sagt Scholz. Die Stadtverwaltung müsse sich fragen, ob sie wirklich alle Kulturschaffenden in den Prozess eingebunden habe. „Möglicherweise gibt es da noch Gesprächsbedarf", sagt Scholz.

Grünen-Kandidat Belit Onay sieht den Finanzplan kritisch. „Der Anstieg wird absehbar nicht reichen“, sagt er. Er plädiert dafür, sich noch auf keine Summe festzulegen, sondern zunächst über die Inhalte der langfristigen Kulturentwicklung zu sprechen. „Erst dann können wir seriös eine Summe nennen“, sagt Onay.

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