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Aus der Stadt Laserfontäne, Lesemarathon und Tourette: Das bieten die Kunstfestspiele 2020
Hannover Aus der Stadt

Kulturfestival in Hannover: Das bieten die Kunstfestspiele 2020 in Herrenhausen

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19:45 23.01.2020
„Keine Absicht – nur Tourette“: Christian Hempel im Stück „Chinchilla Arschloch waswas“. Quelle: Robert Schittko
Hannover

Fluchen in der Sporthalle, Fußball im Garten, Lasershow an der Wassersäule – klingt eher nach Volks- als nach Kunstfest. Aber ein bisschen sollen die 11. Kunstfestspiele in Herrenhausen das auch sein. Das wird nicht flächendeckend klappen, eine sechseinhalbstündige Aufführung aller Streichquartette von Arnold Schönberg wird ein Genuss für Spezialisten, Karl-Heinz Stockhausens „Mantra“ ein Fest für Fans des Neutöners.

Aber Intendant Ingo Metzmacher und Chefdramaturg Stephan Buchberger, die am Donnerstag in der Orangerie das Programm vorgestellt haben, wollen das Fest als Festival, nicht als Festung der Hochkultur verstanden wissen. Vier Uraufführungen, drei Auftragswerke, fünf deutsche Erstaufführungen, insgesamt 75 Veranstaltungen – und das in alle Richtungen. Hannovers Neu-OB Belit Onay, anwesend, nannte es den gelebten Anspruch, „experimentelle Ansätze mit Populärkultur zu verbinden“. Man kann auch sagen: Die Festivalmacher kommen dem Publikum entgegen. Mehr noch – sie holen es sogar mit Pauken und Trompeten ab.

Schnuppersonntag für alle

Zwei Tage nach der Eröffnung am 15. Mai sollen Brassbands das Publikum nach alter Rattenfänger Sitte von verschiedenen Punkten der Stadt einsammeln und nach Herrenhausen zum „Open Sunday“ führen. Bei freiem Eintritt soll der Tag für ein Schnupperpublikum ein Schnupperprogramm bieten, zum Beispiel mit der Gruppe Cia. Vero Cendoya, die in „La Partida“ im nahen Georgengarten ein Fußballspiel tanzen wird. Das Publikum ist gleichzeitig Teil der Show und muss Choreografien proben – wie in der echten Fankurve eben auch. Beim „Beginnings Marathon“, einer Open Stage, ist jeder aufgefordert, die erste Seite eines Buches seiner Wahl vorzutragen.

Neuer Spielort: eine Hockeyhalle

Neue Spielstätte: Die Halle des Deutschen Hockey-Clubs. Quelle: Michael Wallmüller

Ohnehin der Sport: Hockey wird bei den Kunstfestspielen zwar nicht gespielt, trotzdem ist der Deutsche Hockey-Club Hannover für Metzmacher sehr wichtig. Denn die Halle des Vereins direkt an der Graft des Großen Gartens ist im Sommerhalbjahr ungenutzt und wird nun für vier Projekte zur neuen Spielstätte des Festivals. Zum Beispiel am 23. Mai für das Stück „Chinchilla Arschloch waswas“, eines der spannendsten Projekte des Programms. Das Theaterkollektiv Rimini Protokoll, seit vielen Jahren Spezialeinheit für spielerische Erforschung theatralischer Grenzbereiche, hat das Stück mit drei Tourette-Patienten einstudiert – so weit es eben geht. Ob und wie die unkontrollierten Flüche der Darsteller das Stück beeinflussen und wie viel das Publikum aushält, wird sich zeigen.

Beethovens Auferstehung

Und was ist mit Beethoven? Findet statt – aber indirekt. Musikalisch nehmen einige Konzerte auf den vor 250 Jahren geborenen Komponisten Bezug. Livehaftig wird er in einem Film von Hugo Glendinning und Tilly Shiner, der ihn im heutigen Brexit-Britain auferstehen lässt. Der Soundtrack wird von Musica Assoluta live vor der Leinwand gespielt. Sie könnte vom desillusionierten Meister stammen, der mit großen Augen durch London irrt, ist aber tatsächlich ein Werk des britisch-ägyptischen Filmkomponisten Sami El-Enany. „Hochspannend“ findet Intendant Metzmacher dieses Projekt, das in Teilen auch schon beim Neujahrsempfang der Stadt zu sehen war.

Mahler monumental

Intendant Ingo Metzmacher dirigiert im Kuppelsaal Mahlers „Achte“. Quelle: Helge Krueckeberg

Metzmacher selbst dirigiert das personell größte Ereignis der gesamten zwei Wochen; im Kuppelsaal bringt er am 24. Mai gemeinsam mit der Radiophilharmonie des NDR, dem Orchester der Musikhochschule, acht hannoverschen Chören sowie diversen Solisten Mahlers aus gutem Grund selten gespielte „Achte“, die „Symphonie der Tausend“, zum Klingen. Die Acht ist auch für Michael van der Aa wichtig, das virtuelle Musiktheater „Eight“ im Ehrenhof des Großen Gartens versetzt das Publikum mittels VR-Brille und Kopfhörer direkt in die musikalische Achterbahn des niederländischen Komponisten. Ist das virtuelle Oper? Installation? Und: Ist das wichtig? Wichtiger ist den Festivalmachern, dass es möglichst viele Menschen ausprobieren.

Laserinstallation an der Fontäne

Das Experiment ist bei der 11. Auflage der Kunstfestspiele nach wie vor eine Haupttriebfeder. Auch bei der Großen Fontäne. Die höchste Wassersäule der Stadt inmitten des Barockgartens ist genau 50 Jahre älter als Beethoven und könnte zumindest nachts zu einer Art olympischem Feuer dieser Spiele werden. Denn Licht- und Klangkünstler Robert Henke wird die Fontäne mit einer Laser- und Soundinstallation in Szene setzen – vom 9. Mai, also schon eine Woche vor Festivalauftakt, bis zum 21. Mai, jeweils von 21.30 bis 24 Uhr.

Das Festival soll leuchten. In einer Stadt, die Kulturhauptstadt werden will, kein schlechtes Zeichen.

Alle Veranstaltungen unter kunstfestspiele.de. Das Festival startet am 15. Mai und endet am 1. Juni. Tickets im Künstlerhaus und an den HAZ-Ticketshops.

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Von Uwe Janssen

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