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Aus der Stadt Streit um neue Kunstrasenplätze in Hannover geht weiter
Hannover Aus der Stadt Streit um neue Kunstrasenplätze in Hannover geht weiter
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23:00 17.02.2019
Teuer, aber flexibel: Auch bei feuchter Witterung kann der Kunstrasen des Zentrums für Hochschulsport bespielt werden. Quelle: Villegas
Hannover

Feuchtigkeit liegt auf den Halmen, im Licht der Flutlichtanlage rennen rund 40 Jugendliche im roten Trikot über den Rasen. Die Nachwuchskicker des TSV Havelse passen sich Bälle zu, sprinten, stoppen ab. Die Meinungen der jungen Spieler zur Qualität des Kunstrasens sind geteilt. „Der ist rutschig und federt kaum. Bei Sprints geht das ziemlich auf die Knie“, sagt einer. Ein anderer meint: „Das spielt sich besser als auf normalem Rasen. Nur Grätschen ist schwierig.“ Die Vereinsführung des TSV Havelse schätzt die künstlichen Halme. „Ein Kunstrasenplatz ist gold wert“, sagt der Bereichsleiter für den Spielbetrieb, Wolfgang Lange.

Hannovers Vereine sind im Kunstrasen-Fieber, nicht erst seit die Stadtverwaltung auf Wunsch der Ratsmehrheit ein millionenschweres Förderprogramm aufgelegt hat. Denn König Fußball regiert noch immer im Rasensport. Viele Vereine platzen aus allen Nähten, weil immer mehr Kinder und Jugendliche kicken möchten. Doch der Platz ist begrenzt, und wenn noch mieses Wetter mit viel Regen hinzukommt wie in der Saison 2017, wird es schnell eng. Dann verwandeln sich Naturrasenflächen in Pfützenlandschaften. Nicht selten müssen Punktspiele abgesagt werden, weil Sportplätze nicht bespielbar sind.

„Der Bedarf ist da“

Kunstrasenflächen sind dagegen nahezu unempfindlich gegen Regen. Sie können fast rund um die Uhr bespielt werden, und das erhöht die Kapazitäten eines Vereins enorm. So besitzt der TSV Havelse zwar einen eigenen Kunstrasenplatz, nutzt aber regelmäßig auch die Kunstrasenfläche beim Zentrum für Hochschulsport in der Nordstadt. „Der Bedarf ist da, insbesondere im Winter“, sagt TSV-Mann Lange. Schließlich spielten mehrere Mannschaften in höheren Ligen und müssten häufiger trainieren als Spieler der Kreisklasse.

So sieht das Innenleben eines Kunstrasens aus. Quelle: Team zur Nieden

Dienstags und donnerstags hat das Hochschulsportzentrum die Kicker aus Havelse zu Gast. Für eine Trainingsstunde auf dem Plastikrasen zahlen sie 50 Euro, Studierende sind mit 40 Euro dabei, für Firmen kostet die Platzmiete 65 Euro. „Die Einnahmen legen wir zurück, um in zehn Jahren die Sanierung unseres Rasens bezahlen zu können“, sagt Sebastian Knust, Leiter des Zentrums für Hochschulsport. Die werde mit etwa 200.000 Euro zu Buche schlagen, schätzt er.

Teuer in der Anschaffung

Kunstrasenplätze sind teuer – in der Anschaffung, in der Pflege und in der Reparatur. Die Kosten für den Bau eines Platzes schwanken nach Angaben der Stadtverwaltung zwischen rund einer Million Euro für einen unverfüllten Rasen (nur Halme) und rund 700.000 Euro für eine mit Sand oder Gummigranulat verfüllte Fläche. In der Kalkulation inbegriffen sind unter anderem Flutlichtmasten, Ballfangnetze und Trainerbänke. Für die Platzpflege ist kein Rasenmäher nötig, wohl aber eine Art Kehrmaschine, die den Dreck aus den Halmen bürstet. „Wir haben für eine solche Maschine etwa 20.000 Euro bezahlt“, sagt Knust. Zwei Mal im Monat fegt die Maschine über den Platz des Uni-Sports, bei verfüllten Kunstrasenflächen muss die Maschine zwei Mal pro Woche über den Rasen kurven. „Ärgerlich ist es, wenn Sportler Kaugummis auf den Boden spucken“, sagt Knust. Die müssten mit der Hand aus den Halmen gepult werden.

Einen Großteil der Kosten für Hannovers neue Kunstrasenplätze übernimmt die Stadt. Vereine müssen sich jedoch um die Pflege kümmern und 5000 Euro jährlich auf ein Treuhandkonto einzahlen, um sich an den Sanierungskosten zu beteiligen, die in etwa 15 Jahren anfallen. Trotz der jährlichen Mehrbelastung ist das Interesse am Kunstrasenplatzprogramm der Stadt groß. 27 Vereine hatten sich beworben, zwei haben jetzt den Zuschlag bekommen –der HSC und der VfL Eintracht. Zehn Kriterien hat die Stadt für die Auswahl angelegt, unter anderem Auslastung der bisherigen Sportflächen, Mitgliederzahlen und finanzielle Situation eines Vereins. Fünf Vereine sind ausgeschlossen worden, weil sie im Überschwemmungsgebiet liegen. Das Risiko war der Stadt offenbar zu groß, dass die teuren Plätze von Flutwellen beschädigt werden.

Vereine kritisieren Auswahl

Auswahl und Ausschluss haben bei manchen Vereinen Unmut ausgelöst. „Auch der Platz der Uni-Sportler befindet sich auf einem Gebiet, das überflutet werden könnte“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Tatsächlich mussten auf der Hochschulsport-Anlage aufwendige Drainage-Systeme eingebaut werden. Das trieb die Kosten hoch, der Platz hat aber bisher jeglichem Hochwasser standgehalten.

Auch andere Vereine, etwa der SV Arminia, können nicht verstehen, dass sie nicht in die engere Wahl gekommen sind. „Wir sind schon enttäuscht“, sagt Frank Willig, Vorstandsmitglied bei Arminia. Er könne nicht nachvollziehen, dass die Auslastung der eigenen Sportstätte als nicht angespannt bewertet wurde. Dabei gebe es drei Vereine, neben Arminia der Verein Blaues Wunder sowie der Postsportverein, die sich mehrere Plätze teilen und denen ein zusätzlicher Kunstrasenplatz gleichermaßen zugute käme. „Möglicherweise werden wir mit unseren Nachbarvereinen eine gemeinsame Bewerbung in der nächsten Runde prüfen“, sagt Willig.

Im kommenden Jahr bekommen Hannovers Vereine eine neue Chance. „Unterm Strich ist der Stadt kein Vorwurf beim Auswahlverfahren zu machen, und schließlich sind erst zwei Kunstrasenplätze vergeben“, sagt der Arminia-Mann. Insgesamt sollen bis zu zehn neue Kunstrasenplätze in Hannover entstehen, möglichst gerecht verteilt über das Stadtgebiet.

Von Andreas Schinkel

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