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Aus der Stadt Ist das Verkehrswende? Räder sollen auf Gehweg parken
Hannover Aus der Stadt

Kuriose Verkehrswende in Hannovers Voßstraße - Räder sollen auf Gehweg parken

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08:00 29.01.2020
Posse in der Voßstraße: Die neuen Radbügel sollten ausdrücklich auf einem Autoparkplatz installiert werden. Jetzt verengen sie stattdessen den Gehweg. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Es sollte ein moderner Ansatz zur Verkehrswende sein: Die Stadt hat im November Bürgern das Angebot gemacht, sie könnten vor ihren Haustüren Autoparkplätze in Stellplätze für Fahrräder umwandeln lassen. Die Verwaltung wollte die Vorschläge prüfen und – wenn möglich – schnell und kostenfrei umsetzen. Das erste Projekt scheint aber gründlich schiefgegangen zu sein. In der Lister Voßstraße hat sie nicht Autofahrern den Platz für die Räder weggenommen, sondern Fußgängern. Bei der Stadt heißt es, zwei Projekte hätten sich überschnitten, die Bügel vor dem Wohnhaus seien eigentlich für den benachbarten Rewe-Markt gedacht.

Fahrradbügelposse vor Rewe in der Voßstraße

Angestoßen hat den Umbau in der Voßstraße der zuständige Bezirksrat. Zwei Tage nach der Ankündigung der Stadt schrieb die rot-grüne Mehrheit am 24. November einen Antrag, dass vor dem Rewe-Markt „auf einer öffentlichen Parkfläche Fahrradbügel“ installiert werden sollten. Der Grund: Weil der Markt überwiegend zu Fuß und mit dem Rad angesteuert werde, herrsche auf dem Gehweg wegen vieler abgestellter Räder häufig extreme Enge. Einstimmig votierte das Gremium für den Antrag, den die Verwaltung umsetzen sollte.

Die handelte – aber nicht wie gedacht. Seit einigen Tagen sind zwar moderne, S-förmige Doppelfahrradbügel eingebaut. Die finden sich aber nicht auf den Autoparkflächen, sondern auf dem Gehweg. Sozusagen eine Verkehrswende zwar zugunsten des Rads, aber zulasten der Fußgänger.

Auch vor dem Seitenausgang neben dem Rewe-Markt ist ein neuer Radbügel installiert – genau neben der Ladezone für Lieferfahrzeuge. Quelle: Susanna Bauch

Der Gehweg hatte bisher eine Gesamtbreite von etwa 3,80 Metern, wovon 80 Zentimeter für auf dem Bordstein parkende Autos abgetrennt waren. Durch die Fahrradständer bleibt den Fußgängern jetzt eine Breite von etwa 1,80 Metern – aber auch nur wenn die abgestellten Räder nicht zu sehr ausladen und wenn an der angrenzenden Hauswand keine Räder angelehnt sind. Bisher war das regelmäßig der Fall.

Stadt: Projekte haben sich überschnitten

Stadtsprecherin Michaela Steigerwald sagt, dass die neuen Radbügel gar nichts mit dem Antrag des Bezirksrats zu tun hätten. Sie seien ursprünglich vom Rewe-Markt beantragt und vom Tiefbauamt so installiert worden, dass die Rewe-Ladezone nicht behindert werde. Die Ausführung habe sich dann mit dem Antrag des Bezirksrats überschnitten.

Politik hofft, dass Stadt Fehler korrigiert

Grünen-Fraktionschef Klaus Geschwinder, der den Antrag gemeinsam mit seinem SPD-Kollegen Thomas Bechinie unterzeichnet hatte, nimmt den Vorgang relativ gelassen. „Die Stadt hat uns schriftlich zugesagt, dass unser Antrag umgesetzt wird“, sagt er: „Wir gehen davon aus, dass ein Versehen passiert ist und die Stadt die Fahrradbügel so versetzen wird, dass sie nicht den Gehweg einschränken.“ Berechnungen haben ergeben, dass auf einem Autoparkplatz etwa fünf Radbügel installiert werden können, sodass dort zehn Räder stehen können.

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