Landgericht Hannover: Barsinghäuser nach Messerattacke angeklagt
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Aus der Stadt Mann aus Barsinghausen sticht mit Küchenmesser auf Ehefrau ein
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Landgericht Hannover: Barsinghäuser nach Messerattacke angeklagt

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16:48 05.01.2021
Der Angeklagte K. (Mitte) mit seinem Verteidiger Dogukan Isik (rechts).
Der Angeklagte K. (Mitte) mit seinem Verteidiger Dogukan Isik (rechts). Quelle: Manuel Behrens
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Hannover/Barsinghausen

Ein 47-jähriger Barsinghäuser muss sich seit Dienstag, 5. Januar, wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor der 13. Strafkammer am Landgericht Hannover verantworten. Zum Prozessauftakt zeigte sich der Angeklagte K. geständig und gab zu, seine Ehefrau am späten Abend des 16. Juli vergangenen Jahres mit einem Küchenmesser und unter starkem Alkoholeinfluss schwer verletzt zu haben. Das Opfer soll zum Tatzeitpunkt zusammen mit der gemeinsamen Tochter im Bett gelegen haben.

„Ich bedauere zutiefst, was ich meiner Frau angetan habe“, sagte K., der immer wieder in Tränen ausbrach. Dem Strafgericht unter Vorsitz von Richter Stefan Joseph ging es darum, das Motiv für die brutale Attacke herauszufinden. „Ich kann es nicht sagen“, sagte K. mehrmals. Laut Polizeibericht habe der Angeklagte am Tatabend Sex verlangt, sei jedoch abgewiesen worden. An diese Aussage konnte sich der 47-Jährige allerdings nicht mehr erinnern.

Psychische Probleme und kaum Anerkennung

Er berichtete von psychischen Problemen – Stress, Schlafstörungen und der ausbleibenden Wirkung von Antidepressiva –, aber auch von Ehekonflikten. Seine Frau habe ihm wenig Beachtung geschenkt und kaum Anerkennung für seine Leistungen beim Bau des gemeinsamen Hauses erbracht. „Ich kam mir minderwertig vor“, sagte er. Die gärende Unzufriedenheit sei im April in einer zweiwöchigen Funkstille zwischen dem Ehepaar, das mit seinen drei Kindern in einem Einfamilienhaus lebt, gegipfelt. Nach der Versöhnung habe sich die Situation zwischen dem seit 27 Jahren verheirateten Paar wieder normalisiert, sagte der Angeklagte.

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Im Fokus stand auch der Alkoholkonsum des Angeklagten. Zwischen 2016 und dem Sommer vergangenen Jahres habe er überhaupt nicht getrunken, sagte K., erstmals wieder habe er wenige Tage vor der Messerattacke drei bis vier Bier konsumiert, um sich entspannen zu können. Doch bei dieser Menge sollte es nicht bleiben. Kurz nach der Tat ergab ein freiwilliger Atemalkoholtest durch die Polizei einen Wert von mehr als 2,8 Promille. Zudem fanden die Beamten im Wohnzimmer eine leere Flasche Cognac.

Ein banaler Streit als Auslöser?

An den Tathergang könne er sich deswegen nur teilweise erinnern, sagte der Angeklagte. Am besagten Abend habe es einen zunächst banal wirkenden Streit mit seiner Frau gegeben. Auslöser sei eine fehlende Bierflasche gewesen. Er habe seine Frau gefragt, ob sie diese ausgetrunken habe. Darauf habe sie aufbrausend reagiert. Um „runterzukommen“ habe er sich selbst mit einer Flasche auf die Terrasse gesetzt. Später, als seine Frau bereits im Bett lag, habe er den 40-prozentigen Cognac aus dem Gartenschuppen geholt. Dass er zum Küchenmesser griff und zustach, daran könne er sich nicht erinnern.

Seine Frau erlitt mehrere schwere Stichverletzungen im Rippen- und Schulterbereich. K. gab an, dass seine Erinnerung erst wieder eingesetzt habe, als das Opfer seine Hand griff und um Hilfe rief. Aus dem Wohnzimmer im Erdgeschoss habe er seine Tochter gehört, die den Notruf alarmierte.

Sagt die Ehefrau aus?

Das Verfahren gegen K. ist bis Ende Februar angesetzt. Beim nächsten Termin am 18. Januar könnte dann seine Ehefrau aussagen – so sie denn nicht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht. K., der derzeit in Untersuchungshaft sitzt, bekomme regelmäßig Post von seiner Frau und den Kindern, sagte Richter Joseph.

Von Manuel Behrens