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Aus der Stadt Betrüger ging mit Autos von Parkplatz-Kunden auf Reisen
Hannover Aus der Stadt

Landgericht Hannover: Betrüger ging am Flughafen in Langenhagen mit Autos von Parkplatz-Kunden auf Reisen

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11:15 08.01.2020
Verteidiger Marcin Raminski (l.) gab im Namen von Mateusz W. eine Erklärung ab, in der dieser einen Teil der Betrugsstraftaten einräumte. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Das Entsetzen der Fluggäste, die nach Urlaubs- oder Geschäftsreise auf dem Airport Hannover-Langenhagen gelandet waren und ihr beim Stellplatzanbieter VIP Parking in Verwahrung gegebenes Auto abholen wollten, war groß. Denn ihre Fahrzeuge waren nicht mehr da, weil es sich bei dem Unternehmen um eine betrügerische Scheinfirma handelte. Innerhalb einer Woche, zwischen dem 28. September und dem 5. Oktober 2018, händigten 34 gutgläubige Autobesitzer einem Mitarbeiter von VIP Parking ihre Fahrzeugschlüssel aus – und bekamen ihre Wagen oft erst Wochen später und mit Unfallschäden zurück. Seit Dienstag muss sich Mateusz W. (31) am Landgericht Hannover wegen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten.

VIP Parking war eine Scheinfirma

Die Kunden hatten zum Abstellen ihrer Fahrzeuge die Internetplattform Travel Car – ein in Frankreich angesiedeltes Unternehmen – angesteuert. Hier bieten Parkplatzfirmen aus vielen Städten ihre Dienste an, darunter war auch das nicht im Handelsregister eingetragene Unternehmen VIP Parking in Langenhagen. Die betrogenen Autofahrer zahlten für das vermeintlich sichere Verwahren ihrer Wagen zwischen 29,97 und 64,05 Euro. Ausgehändigt wurden die Schlüssel von einem 47.000 Euro teuren VW Tiguan bis hin zum älteren Opel Zafira mit einem Restwert von 5000 Euro, ohne Arg vertrauten Besitzer von Audi, BMW, Mercedes und Volvo ihre Fahrzeuge wildfremden Menschen an.

Ein Teil der am Terminal C abgegebenen Autos wurde noch im Oktober 2018 in einem Umkreis von wenigen Kilometern aufgefunden, etliche hatten Hunderte von Kilometern mehr auf dem Tacho als bei Abgabe des Fahrzeugs, und ein VW Caddy wurde nahe der polnischen Grenze aufgespürt. Die Diebe verursachten mit mehreren Autos Unfälle und entwendeten alles aus dem Wageninneren, was nicht niet- und nagelfest war. Nur ein einziges Fahrzeug ist bis heute nicht wieder aufgetaucht, außerdem verkaufte Mateusz W. einem polnischen Landsmann aus Bad Nenndorf für 20.000 Euro einen Audi A 6. Der Käufer durfte sich aber nur einen Tag über das vermeintliche Schnäppchen freuen, nun muss er den Verlust des an den rechtmäßigen Besitzer zurückgegebenen Autos und des Kaufpreises beklagen.

Kammer schlägt Deal vor

Vermutlich agierte Mateusz W. nicht allein, doch die Suche nach möglichen Mittätern gestaltet sich mühsam. Da die Beweisführung in etlichen der 34 angeklagten Betrugsfälle schwierig werden dürfte, unterbreitete die 19. Große Strafkammer unter Vorsitz von Martin Grote dem Angeklagten und seinem Verteidiger Marcin Raminski einen Verständigungsvorschlag – den diese nach längerer Beratung annahmen.

Der seit einem halben Jahr in U-Haft sitzende W. gestand neun Taten (wo ihn Zeugen bei ihrer polizeilichen Vernehmung wiedererkannt hatten) und den Verkauf des Audi in Bad Nenndorf. Er behauptete, alleine gehandelt zu haben; der ihm persönlich angerechnete Schaden durch Autoverkauf und Unfallschäden liegt bei knapp 31.000 Euro. Im Gegenzug sicherte die Kammer dem nur minimal vorbestraften Mann zu, dass seine Haftstrafe im Rahmen zwischen 21 und 27 Monaten verbleiben wird. Dieser Deal dürfte den Prozess, bei dem 49 Personen aus dem In- und Ausland auf der Zeugenliste stehen, erheblich verkürzen.

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Von Michael Zgoll

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