Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Einbrecher überrascht Mieter im Schlaf – und wird gefasst
Hannover Aus der Stadt

Landgericht Hannover: Einbrecher überraschte Mieter im Schlaf und muss sich nun wegen schweren Raubs verantworten

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 15.06.2019
Ronalds N. (l.), hier mit seinem Verteidiger Holger Nitz, räumte den Einbruch ein – aber nicht die Bedrohung des Mieters mit einer Spritze. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Für den 26-jährigen Bewohner einer Erdgeschosswohnung in der Innenstadt wurde kurz vor Weihnachten 2018 ein Albtraum wahr, den kein Mieter oder Hauseigentümer je erleben möchte: Der junge Unternehmensberater wurde nachts von verdächtigen Geräuschen wach, schlurfte schlaftrunken Richtung Flur – und stand einem Einbrecher gegenüber. Dieser habe ihn, so die Beobachtungen des Mieters, mit einer abgebrochenen, blutgefüllten Spritze bedroht, sodass er um sein Leben fürchtete. Doch zu einem Angriff kam es nicht, der Eindringling stahl lediglich Diebesgut im Wert von rund 2500 Euro.

Seit Mittwoch muss sich der 28 Jahre alte Ronalds N. wegen besonders schweren Raubs vor der 19. Großen Strafkammer am Landgericht Hannover verantworten. Der drogensüchtige Angeklagte räumte den Einbruchsdiebstahl in der Zwei-Zimmer-Wohnung ein, bestritt aber, das Opfer mit einer Spritze bedroht zu haben. Er habe lediglich einen Brillenbügel in der Hand gehalten, mit dem er die Verriegelung eines Fensters geknackt habe. In die Küche der Wohnung an der Escherstraße war er über einen Balkon gelangt, den er unter Zuhilfenahme einer Mülltonne geentert hatte.

Seltsame Geräusche

Der Unternehmensberater war am 17. Dezember gegen 23 Uhr aus dem Büro nach Hause gekommen, hatte seine Waschmaschine bestückt, sich noch etwas im Fernsehen angeschaut und war dann nach Mitternacht – das Smartphone in der Hand – auf seinem Bett eingeschlafen. Gegen 1.15 Uhr hörte er seltsame Geräusche; wie sich später herausstellte, hatte der Einbrecher beim Aufhebeln und Eintreten des Küchenfensters eine Lavalampe und eine Vase vom Fensterbrett gestoßen.

Der dem Mieter in einem knappen Meter Abstand gegenüberstehende N. hatte bereits zwei Geldbörsen des Opfers in der Hand und forderte den 26-Jährigen auf, ihm mehr Bargeld auszuhändigen. In Wohn- und Schlafzimmer, die der hinter einer Zimmertür stehende Mieter blockierte, drang der Täter nicht ein, durchwühlte aber etliche Möbel in Flur und Küche. Es dauerte eine Weile, bis der Eindringling die Wohnung auf gleichem Wege verließ, wie er gekommen war. Rund 20 Minuten später nahm die Polizei N. in unmittelbarer Nähe des Tatorts fest.

Spätfolgen dauern an

Laptop, Headset und USB-Stick, ein Autoschlüssel sowie zwei Portemonnaies mit 45 Euro Bargeld, diversen Geldkarten und Dokumenten bis hin zu einer 96-Dauerkarte – all das kam dem Opfer abhanden. „Das Weihnachtsfest war mir versaut, die ersten Wochen nach der Tat ging es mir zum Kotzen“, erklärte der heute 27-Jährige vor Gericht. Er sei inzwischen umgezogen, doch passiere es ihm bis heute, dass der Film der Tatnacht vor seinem geistigen Auge ablaufe. Als überaus bedrohlich habe er die Situation im halbdunklen Flur auch deshalb erlebt, weil ihm der Angeklagte zugerufen habe, er habe nur noch zwei Tage zu leben und nichts mehr zu verlieren: „Da macht man sich schon seine Gedanken, wozu der andere fähig ist.“

Nach den Worten von Verteidiger Holger Nitz kam der aus Lettland stammende N. vor fünf Jahren nach Deutschland, wurde aber seiner Drogenprobleme auch hier nie Herr. In der Tatnacht habe der 28-Jährige unter dem Einfluss verschiedener Betäubungsmittel gestanden und sei in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen: „Mein Mandant war in einem erbärmlichen Zustand.“ Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Denise Homann wird nun vordringlich ergründen müssen, ob der Einbrecher sein Opfer tatsächlich mit einer blutgefüllten Spritze bedrohte – dies könnte sich für den bereits mehrfach vorbestraften N. erheblich strafverschärfend auswirken.

Von Michael Zgoll

Die Netzgesellschaft der Stadtwerke muss vom 17. Juni an in Linden eine Fernwärmehauptleitung austauschen. Deshalb gibt es in der Deisterstraße für etwa drei Monate Verkehrsbehinderungen.

12.06.2019

Seit Jahren schon veräppeln sich ein Männer- und ein Frauenchor zum „Bergfest“ an der Tiermedizinischen Hochschule. Den martialischen Auftritt bei diesem Mal aber findet nicht nur die Hochschulleitung „inakzeptabel“.

15.06.2019

Christopher F., der Wirt der Bar Cumberland in der Innenstadt, ist tot. Der 39-Jährige wurde in Thailand gefunden. Der Barkeeper war Mitte Mai zunächst verschwunden, später aber wieder aufgetaucht.

13.06.2019