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Aus der Stadt Pflegehelfer vergeht sich 14-mal an schwerstbehinderten Frauen
Hannover Aus der Stadt Pflegehelfer vergeht sich 14-mal an schwerstbehinderten Frauen
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00:17 11.01.2019
Roland W. (l.) wird von Anwalt Pajam Rokni-Yazdi vertreten. Quelle: Zgoll
Hannover

 Ein gelernter Krankenpfleger hat sich 14-mal an drei schwerstbehinderten Frauen vergangen. Das hat Roland W. am Dienstag vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts zugegeben, die Taten wurden von ihm selbst fotografiert und gefilmt. Die sexuellen Übergriffe geschahen in einer Wohneinrichtung der Diakonie Himmelsthür, die im Hochhaus des Annastift-Berufsbildungswerks nahe der Wülfeler Straße (Mittelfeld) eine Etage für 22 Menschen mit geistiger Behinderung und hohem Unterstützungsbedarf angemietet hat.

Nun muss sich der 58-Jährige wegen sexuellen Missbrauchs von Kranken und Hilfsbedürftigen, wegen sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen und Vergewaltigung verantworten. Nach einer zweistündigen Befragung des umfänglich geständigen Mannes brach die Kammer unter Vorsitz von Richterin Renata Bürgel die Verhandlung jedoch ab. Auch im privaten und beruflichen Vorleben des Angeklagten hatten sich Abgründe aufgetan, so dass Roland W. nun vor einer Neuansetzung des Prozesses psychiatrisch untersucht werden soll.

Opfer waren hilflos

Das jüngste Opfer ist 24 Jahre alt, sitzt im Rollstuhl, ist spastisch gelähmt, kann nicht sprechen und muss per Sonde ernährt werden. Eine 42-Jährige, an der sich W. verging, ist Autistin, kann einige wenige Schritte am Stück gehen, sich aber ebenso wenig verständlich artikulieren wie die Jüngere. Das dritte Opfer ist eine 51-jährige Rollstuhlfahrerin, die kurze Strecken zu Fuß gehen und sogar sprechen kann. Laut dem Pflegehelfer entspricht das geistige Niveau dieser Frau dem eines zehnjährigen Kindes. Die 22 Pflegebedürftigen auf der Hochhausetage leben in Einzel- und Doppelzimmern, es werden dort etwa gleich viele Männer wie Frauen versorgt.

Laut Anklage ereignete sich der erste Übergriff bereits 2011, der Angeklagte beharrte aber darauf, dass er die Frauen erst ab 2016 – bis März 2018 – missbraucht habe. In den meisten Fällen knetete er ihre Brüste und befingerte ihre Brustwarzen und Genitalien, einige wenige Male soll es sogar zum Beischlaf gekommen sein. Dieses geschah, wie W. erklärte, meist im Rahmen von pflegerischen Tätigkeiten, also in der Dusche, im Patientenlifter oder im Bett. Ihn habe sein Tun erregt, sagte der 58-Jährige aus; später habe er sich dann die per Handy aufgenommenen Fotos und Filme angeschaut. Inwieweit die Frauen seine sexuellen Attacken überhaupt registriert hätten, beantwortete er eine Nachfrage von Richterin Bürgel, wisse er nicht.

Schwierige Partnerschaft

Unterstützt von seinem Verteidiger Pajam Rokni-Yazdi schilderte W., wie sich sein Berufsleben als Krankenpflegehelfer seit 1986 entwickelt hatte. Bis 2011 arbeitete er in einem Pflegeheim der Diakonie Himmelsthür in Wietze, dann zog er nach Hannover um. Viele Jahre hatte er allein gelebt, bevor er 2008 einer Arbeitskollegin näher kam. Doch diese Beziehung, so schilderte er, sei in vielerlei Hinsicht „Psychoterror“ gewesen: Seine Partnerin sei ständig auf ihn losgegangen, habe ihn beschimpft und häufig in der Wohnung eingesperrt. „Ich konnte mich nicht wehren“, behauptete W. im Gerichtssaal. 2013 seien die beiden auseinander gegangen, doch trotz allen „Terrors“ habe er seiner Freundin nachgetrauert.

Hinzugekommen, so der Angeklagte, sei zunehmender beruflicher Stress. Früher habe man zu viert in einer Schicht gearbeitet, in den letzten Jahren seien im Schichtdienst gelegentlich nur zwei oder gar nur ein Pfleger für die 22 Bewohner verantwortlich gewesen. Vereinsamung und berufliche Überlastung, dieser Eindruck entstand im Gerichtssaal, bereiteten den Boden für die sexuellen Übergriffe des Mannes. Dass seine Taten überhaupt ans Licht der Öffentlichkeit kamen, ist seiner früheren Partnerin zu verdanken. Sie hatte vom Missbrauch der Bewohnerinnen Wind bekommen und W. 2018 angezeigt.

Von Michael Zgoll

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