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Aus der Stadt Prostituierte mit dem Tod bedroht? Freier steht vor Gericht
Hannover Aus der Stadt

Landgericht Hannover: Prostituierte soll in Wohnung eines Freiers mit dem Tode bedroht worden sein

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08:00 26.11.2019
Michael S. (hinten) machte beim Prozessauftakt keine Angaben zu den Tatvorwürfen. Sein Verteidiger ist Marcin Raminski. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Ein 51-jähriger Mann muss sich derzeit vor dem Landgericht Hannover wegen sexueller Nötigung, Körperverletzung und Bedrohung verantworten. Michael S. soll eine 20-jährige Prostituierte in seiner Wohnung im Stadtteil Bult auf ein Bett gezwungen und ihren Kopf in ein Kissen gedrückt haben; laut Anklage hat er sein Opfer auch mit Faustschlägen traktiert, beleidigt und mit dem Tode bedroht. Als er – so die Aussage der Frau – vom Tisch eine Schnur holen wollte, schaffte es die Prostituierte, auf den Balkon zu laufen und um Hilfe zu rufen. Für den Angeklagten geht es um viel: Er ist bereits wegen mehrerer Sexualdelikte vorbestraft und steht unter Führungsaufsicht. Sollte S. erneut verurteilt werden, droht ihm eine Sicherungsverwahrung.

Das Opfer ist schon Mutter

Der Angeklagte, ein stämmiger Typ mit Glatze, äußerte sich nicht zu den Tatvorwürfen. Sein mutmaßliches Opfer stammt aus Bulgarien, ist eine sehr zierliche Person mit kindlichem Gesicht. Wie die Frau vor der 3. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Renata Bürgel aussagte, reiste sie vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland ein und arbeitet hier hauptberuflich als Prostituierte. Mit 16 Jahren bekam sie – noch in ihrem Heimatland – ein Kind, dies lebt derzeit bei dem Vater.

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Die Erinnerungen an die heftigen Attacken von S. im zweiten Stock eines älteren Reihenhauses wühlten die junge Frau sichtlich auf, während ihrer Befragung brach sie mehrfach in Tränen aus. Die Tat hatte sich demnach an einem Sonntagabend im Mai 2019 ereignet. Wie die Frau sagte, habe der Kunde sie stundenlang per Telefon und WhatsApp um ein Treffen gebeten, gegen 23 Uhr sei sie mit einem Taxi zu seiner Wohnung gefahren. In den Räumlichkeiten dauerte es nicht lange, so ihre Aussage, bis der Mann über sie herfiel. Möglicherweise spielten dabei auch Differenzen über die Bezahlung eine Rolle, die sie vorab kassieren wollte: Mal war in der Verhandlung von 200 Euro für zwei Stunden Liebesdienst die Rede, mal von 200 Euro pro Stunde.

Nachbarin hörte die Hilfeschreie

Die Frau sagte, Michael S. habe ihr – als er sie bäuchlings auf das Bett drückte – einen scharfen Gegenstand an die Wange gedrückt. Der Freier habe sie so heftig in die Nierengegend geschlagen, dass sie keine Luft mehr bekam, und seine Hand in ihre Hose geschoben. Die Schnur habe er möglicherweise holen wollen, um sie zu fesseln; bei ihrem Fluchtversuch Richtung Balkon habe der Mann sie dann ins Gesicht geschlagen. Die 20-Jährige hatte Glück, dass eine Nachbarin ihre Hilfeschreie hörte und sofort die Polizei rief. Glück für die Prostituierte war auch, dass S. von ihr abließ und sie auf die Straße laufen konnte.

Bis der Prozess fortgesetzt wird, dauert es knapp drei Wochen: Der nächste Verhandlungstermin ist erst am 11. Dezember.

Von Michael Zgoll