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Aus der Stadt Haben Vater und Sohn Goldtransporteur überfallen?
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Landgericht Hannover: Überfall auf Goldtransporteur in Anderten gibt Rätsel auf

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00:15 24.05.2019
Sven J. (l.) wird von Anwalt Andreas Berkemeier verteidigt, Ralph J. (r.) von Anwalt Bernward Hink. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Ein rätselhafter Überfall in Anderten beschäftigt derzeit das Landgericht Hannover. Ein 52 Jahre alter Kurde aus Syrien, der in Hannover als Transporteur von Gold und Schmuck für Hochzeitspaare tätig war, wurde am 29. Oktober 2017 gegen null Uhr vor dem Eingang seines Mietshauses am Königsberger Ring zusammengeschlagen und erheblich verletzt. Beute machten die Täter nicht, weil das Opfer keine Wertsachen mit sich führte. Auf der Anklagebank sitzen Ralph J. (58) und Sven J. (24) aus Hildesheim; Vater und Sohn müssen sich seit Montag wegen versuchten schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Doch die Beweise sind spärlich gesät, und der Hauptbelastungszeuge – der als Dritter im Bunde entscheidenden Anteil an der Tat gehabt haben soll – ist ein psychisch kranker 53-Jähriger, dessen Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind.

Langanhaltende Verletzungen

Fest steht, dass der Transportfahrer, der von einer Hochzeit in Hildesheim nach Hause gekommen war, bei dem Überfall erheblich verletzt wurde. Ärzte diagnostizierten bei ihm eine Schädelprellung und Kopfplatzwunden, eine gebrochene Rippe sowie einen gebrochenen Finger. Bis heute, so sagte der inzwischen nach Nordrhein-Westfalen verzogene Kurde aus, leide er unter Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Vergesslichkeit. Per Adhäsionsantrag forderte seine Anwältin Antje Heister von den Angeklagten 4000 Euro Schmerzensgeld ein.

Das Opfer schilderte, er sei vor dem Hauseingang völlig überraschend angegriffen worden. Er habe Schüsse gehört, auch sei ihm von hinten ein harter Gegenstand über den Schädel gezogen worden. Eine Zeit lang habe er sich der Täter im Zuge der folgenden Schlägerei noch erwehren können, doch dann habe ihn die Übermacht überwältigt. Erkannt haben will der 52-Jährige niemanden, will die Angeklagten auch noch nie zuvor gesehen haben. Nun hatte die Polizei, wie die Vorsitzende Richterin Britta Schlingmann dem Zeugen vorhielt, eine Kleinkaliberpistole mit seinen Fingerabdrücken am Tatort gefunden. Auch war der 53-jährige Mittäter von einem Projektil getroffen, aber nicht ernsthaft verletzt worden. „Meine Waffe war das nicht“, erklärte der Kurde.

Was ist das Geständnis wert?

Auf die Spur der Angeklagten war die Polizei gekommen, weil Vater und Sohn den 53-Jährigen in jener Nacht mit Kopfwunden in einer Hildesheimer Klinik abgeliefert hatten; der Verletzte sei, so behaupteten sie, am Hohnsensee in Hildesheim überfallen worden. Doch Tage später legte dieser Mann, dem psychiatrische Gutachter inzwischen eine bipolare Störung und Schizophrenie bescheinigt haben, am Krankenbett ein Geständnis ab. Der kurdische Transporteur habe Schulden bei Ralph J. gehabt, zu dritt hätten sie den Mann in jener Nacht einschüchtern und ausrauben wollen, und im Zuge der Auseinandersetzung habe dieser dann sogar mehrfach auf ihn geschossen. Diese Aussage mochte der mit einem Betreuer erschienene Zeuge vor Gericht aber nicht mehr wiederholen, behauptete, damals dummes Zeug geredet zu haben.

Die Angeklagten und ihre Verteidiger machten keine Angaben zu den Vorwürfen. Ein Hinweis auf die Täterschaft von Ralph und Sven J. könnte sein, dass ihre Handys eine halbe Stunde vor dem Überfall und eine halbe Stunde danach in Anderten geortet wurden und dass mit diesen Mobiltelefonen damals sechs Gespräche geführt wurden – doch waren tatsächlich die Angeklagten am Apparat? Die Kammer will ihr Urteil am kommenden Montag fällen.

Von Michael Zgoll

Die Staatsanwalt Hannover wirft einem Angeklagten versuchten Totschlag vor – der Tagesvater soll ein ihm anvertrautes kleines Kind heftig geschüttelt haben. Kein Einzelfall: Jedes Jahr sterben in Deutschland mehr als hundert Kinder an einem Schütteltrauma, viele andere tragen Behinderungen davon.

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