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Aus der Stadt Schleuser täuschten Behörden mit Schminke und Frisuren
Hannover Aus der Stadt Schleuser täuschten Behörden mit Schminke und Frisuren
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06:00 30.04.2019
Die fünf Angeklagten haben fünf Verteidiger und drei Dolmetscher an ihrer Seite. Der Kopf der Schleuserbande soll Mashaan M. (vorne im grün-schwarz karierten Hemd) sein. Quelle: Michael Zgoll
Hannover / Hildesheim

Fünf anerkannte Flüchtlinge aus Syrien, die bereits in Deutschland Fuß gefasst hatten, sollen 2018 für Landsleute als Mitglieder einer Schleuserbande Familienzusammenführungen organisiert haben. In erster Linie waren es Frauen und Kinder, die die Männer laut der Anklagebehörde von der griechischen Insel Rhodos in europäische Hauptstädte wie Kopenhagen, Brüssel oder Wien ausfliegen ließen, doch auch der Airport Hannover-Langenhagen gehörte zu den Zielflughäfen. Dabei bedienten sich die Syrer, so die Staatsanwaltschaft, der Personalpapiere der eigenen Familienmitglieder und versuchten die Einreisebehörden auszutricksen – was in 23 Fällen mit rund 40 Flüchtlingen klappte und beim 24. Mal scheiterte. Seit Montag müssen sich die Männer vor dem Landgericht Hildesheim wegen gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern verantworten.

Bis zu 84.000 Euro verdient

Der Kopf der Bande soll laut Staatsanwalt Stefan Brusch, der die Anklageschrift verlas, Mashaan M. sein. Der 25-jährige Vater von drei Kindern soll pro Flüchtling 2000 Euro kassiert und somit an seiner Schleusertätigkeit 84.000 Euro verdient haben. Tarek B. (35), der laut Anklage 27.000 Euro bekam, werden acht Schleusungsdelikte zur Last gelegt, Mohammed-Nour A. (23) sieben Schleusungen (mit 19.500 Euro Einnahmen), Mohamad A. (25) acht Fälle (13.500 Euro) sowie Yasser Al M. (37) zwei Fälle (4200 Euro). Abgesehen von Mashaan M. lag die Schleuserprämie pro Kopf bei 1200 bis 1500 Euro, so der Staatsanwalt. Im Falle einer Verurteilung würde die Einziehung aller aus der Schleusertätigkeit resultierenden Beträge angeordnet. Die Angeklagten wurden zwischen dem 1. November 2018 und dem 5. Dezember 2018 festgenommen und sitzen seither – mit Ausnahme von Yasser Al M. – in Untersuchungshaft.

Die fünf Syrer lebten mit ihren Familien in verschiedenen Orten in Niedersachsen, Bayern und Thüringen. Der Trick der Bande: Sie glich die Fotos von ausreisewilligen Syrern mit den Fotos ihrer eigenen Familienmitglieder in Ausweispapieren ab. Stellten sie eine gewisse Ähnlichkeit fest, flogen Mitglieder der Schleuserbande – so die Anklage – nach Rhodos. In einem Hotel wurden die jeweiligen Flüchtlinge, darunter auch Kinder, so frisiert und geschminkt, dass die Ähnlichkeit mit den Angehörigen der Schleuser noch augenfälliger wurde.

Auch Kleinkinder im Schlepp

Anschließend buchte der Drahtzieher für die Flüchtlinge Plätze in Flugzeugen, die mit Urlaubern gut gefüllt waren; bezahlen mussten die Syrer ihren Transfer vorab in einem Büro in Athen. Es waren Maschinen von Tuifly, Condor, Eurowings und Easyjet, die zwischen dem 18. August und dem 1. November 2018 als Transportmittel dienten. Neben deutschen Flughäfen wie Hamburg, München, Leipzig, Düsseldorf und Berlin war Hannover in drei Fällen das Ziel der Reise. Manchmal traten die Flüchtlingsfrauen den Flug nach Deutschland mit ihren falschen Ehemännern alleine an, gelegentlich hatten sie ein Kleinkind dabei, und in einigen wenigen Fällen nahmen die Schleuser sogar drei oder vier Flüchtlinge in Schlepptau.

Am ersten Verhandlungstag ließ Rainer de Lippe, Vorsitzender Richter der Strafkammer 9, die Anklageschrift verlesen, anschließend bat er den Staatsanwalt und die fünf Verteidiger zu einem Rechtsgespräch. Ziel dürfte sein, den bislang mit elf Sitzungstagen terminierten Prozess mithilfe von Verständigungsgesprächen abzukürzen.

Von Michael Zgoll

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