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Aus der Stadt Geldautomat in Langenhagen gesprengt
Hannover Aus der Stadt Geldautomat in Langenhagen gesprengt
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15:12 05.02.2019
Die Detonation in der Bankfiliale muss gewaltig gewesen sein: Die Einrichtung ist zerstört. Quelle: Heidrich
Langenhagen

Ein Unbekannter hat am Montagmorgen einen Geldautomaten in der Filiale der Commerzbank an der Walsroder Straße gesprengt. Durch die Detonation wurde der Vorraum der Bank verwüstet und ein Teil des Gebäudes beschädigt. Nach Angaben einer Polizeisprecherin flüchtete der Täter anschließend, zunächst zu Fuß, dann mit einem Auto, einem Audi oder Daimler, in dem mindestens ein Komplize saß. Am Tatort ließ er allerdings Werkzeug – unter anderem eine Brechstange – zurück.

Scheiben sind zerstört, Inventar ist auf die Straße geflogen: Die Commerzbank-Filiale nach der Sprengung. Quelle: Foto: Heidrich

Anwohner waren gegen 3.30 Uhr durch einen lauten Knall aus dem Schlaf gerissen worden. Sie alarmierten die Polizei. Die Täter waren offenbar ziemlich unprofessionell vorgegangen, den Teile des Inventars und des Gebäudes wurden bei der Detonation beschädigt. Die Höhe des Schadens steht noch nicht fest. Nach HAZ-Informationen stellte die Polizei im Vorraum der Bank eine Gasflasche sicher. Die Behörde wollte diese Angabe nicht bestätigen. Die anschließende Suche nach den Flüchtigen, bei der auch ein Polizeihubschrauber zum Einsatz kam, verlief erfolglos. Zwar stoppten die Ermittler mehrere Fahrzeuge und überprüften die Insassen. Doch Verdächtige konnten die Beamten dabei nicht feststellen.

Nach Angaben der Polizei ist bislang unklar, ob die Täter Bargeld erbeuten konnten. Die Bank habe dazu bislang noch keine Angaben gemacht, so die Behörde. Nach HAZ-Informationen lagen rund um den gesprengten Automaten zahlreiche Zehn-Euro-Scheine. Es ist also davon auszugehen, dass es die Täter ausschließlich auf höhere Banknoten abgesehen und damit die Flucht angetreten hatten.

Der Täter, der sich Zutritt zur dem Automaten verschafft hatte, ist nach Angaben von Zeugen etwa 1,80 Meter groß. Er hat eine normale Statur und war mit einer dunklen Jacke und einer dunklen Hose bekleidet. Der Komplize, der das Auto fuhr, soll etwa 1,85 Meter groß und von kräftiger Statur sein. Er trug eine Jogginghose, dunkle Strickmütze und eine dunkle Jacke. Auf Bilder aus den Überwachungskameras der Bank können die Ermittler bei ihrer Fahndung nach den Tätern nicht setzten. „Die Täter sind meist so stark vermummt, dass die Bilder nicht weiterhelfen“, sagt Polizeisprecherin Antje Heilmann. Manchmal seien die Aufnahmen der Kameras auch so schlecht, dass darauf lediglich schwarze Punkte zu erkennen seien, sagt Heilmann weiter.

Üstra ist auch von Automatensprengungen betroffen

Auch die Üstra hat mit Kriminellen zu kämpfen, die Fahrkartenautomaten sprengen. Seit Ende Dezember haben sich in der Region zehn Fälle ereignet; in der Stadt Hannover waren Geräte in den Stadtteilen Stöcken, Badenstedt, Marienwerder, Kleefeld und Anderten betroffen. Der Schaden pro zerstörtem Automaten liegt laut Üstra-Sprecher Udo Iwannek bei 30.000 Euro. Derzeit kann das Unternehmen keine Ersatzmodelle aufstellen, weil die Reserve aufgebraucht ist und neue erst frühestens im September zur Verfügung stehen: "Die Geräte müssen erst produziert werden."

Die Üstra rät Kunden, die Stationen ohne Automat benutzen, Tickets Online oder im Vorverkauf zu erwerben. In Notfällen könne man auch ohne Fahrschein einsteigen, sich beim Fahrer melden und bei nächster Gelegenheit ein Ticket nachlösen, sagt Iwannek.

Der Sprecher kündigte an, dass die Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden. Wie genau, teilt die Üstra nicht mit. Eine bei Geldautomaten praktizierte Variante ist der Einbau von Systemen, die bei Gewalteinwirkung das Geld in den Kassetten unbrauchbar machen - etwa, indem unabwaschbare Tinte auf Scheine gespritzt wird.

HAZ-Leser haben angeregt, nach Vorbild von Verkehrsbetrieben etwa in Köln und Bremen Automaten in den Fahrzeugen zu installieren. Das will die Üstra nicht tun. "Wir haben diese Variante bei der Umstellung auf die jetzigen Geräte geprüft", erklärt Iwannek. Als Nachteile hätten sich unter anderem ergeben, dass wesentlich mehr Automaten erforderlich seien, dass in den Bahnen Platz für Kunden verloren gehe, dass die Automaten im Berufsverkehr überlastet würden und dass im Falle eines Defekts das betroffene Fahrzeug zunächst aus dem Verkehr gezogen werden müsste.

Es ist nicht das erste Mal, dass Automatensprenger die Commerzbank-Filiale an der Walsroder Straße heimsuchen: Mitte Mai 2018 war dort schon einmal ein Automat gesprengt worden. Die Polizei prüft nun Zusammenhänge zwischen den Taten.

Seit Jahresbeginn sind in der Region Hannover elf Fahrkarten- und zwölf Zigarettenautomaten zerstört worden, um an das Geld im Innern zu kommen – zuletzt in Anderten und Springe. Diese Taten werden von einem Ermittlerteam bearbeitet, um Zusammenhänge zwischen den Verbrechen schneller feststellen zu können. Der ausgesprengte Geldautomat wird dagegen gesondert bearbeitet. Bislang deutet nichts darauf hin, dass die Kripo es in diesem Fall mit den Täter zu tun hat, die auch für die Sprengung der Fahrkartenautomaten verantwortlich sind.

Von RND/sbü/tm

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