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Aus der Stadt Laptops an Schulen: Lehrer und Eltern fehlt ein Konzept
Hannover Aus der Stadt Laptops an Schulen: Lehrer und Eltern fehlt ein Konzept
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00:19 20.08.2018
Selbst Grundschüler gehen oft ganz selbstverständlich mit dem Computer um. Für Politiker ist die Digitalisierung noch ein großes Thema. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Die Landesregierung will den Unterricht digitalisieren, so ist es angekündigt. Doch damit alle Schüler an weiterführende Schulen mit Tablets oder Laptops in der Klasse sitzen, sollen mit wenigen Ausnahmen die Eltern zahlen. „Bei den aktuellen Preisen können viele Familien sich das nicht leisten. Gerade Alleinerziehende haben oft enorme Probleme, solche Kosten zu stemmen“, betont Cornelia Weller. Die Leiterin der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule weiß, wovon sie spricht. In ihrer Schule läuft der Unterricht ab dem achten Jahrgang in einer frei wählbaren Profilklasse auf Tablets. Die Geräte kosten in Ratenzahlung über drei Jahre 520 Euro, inklusive Lernapps, Versicherung und Einbindung in das Verwaltungssystem der Schule. Die beiden anderen Klassen lernen auf hergebrachte Art, die Familien wären mit den Gerätekosten überfordert.

Schulleiterin Weller ist eigentlich Fan eines komplett digitalen Unterrichts ohne Papier und Schulbücher. „Das holt die Jugendlichen in ihrem Lebensalltag ab und motiviert sie sehr.“ Sie wünscht sich auch Geräte für die Einwandererkinder in den Sprachlernklassen. „Gerade ihnen würden Lernapps viel bringen.“ Allerdings erfährt Weller, dass Geld auf allen Ebenen fehlt, angefangen bei der Lehrerfortbildung. Das Land bietet bisher viel zu wenig Kurse an. „Alles, was wir den Schülern beibringen, erarbeiten wir uns vorher selbst“, berichtet die Schulleiterin. Sie hat erwogen, eine Schulung für das Kollegium auf dem freien Markt zu buchen. Kosten von 6000 Euro sprengen jedoch den Schuletat.

Sinnvoll sind die Tablets vor allem in Verbindung mit Smartboards an der Wand. In Wellers Schule sind bisher nur vier von zwölf Klassen damit ausgestattet. Bei Pannen kümmert sich der findige Hausmeister – obwohl das nicht zu seinen Aufgaben gehört.

Michael Balke hat gerade 588 Euro für ein Tablet gezahlt. Sein Sohn startet wie die meisten Siebtklässler der Humboldtschule jetzt mit dem digitalen Unterricht. Der Vater, selbst Elternvertreter im Bildungsausschuss der Stadt, ist dennoch unzufrieden. „Es fehlen Konzepte, wie sich Tablets im Unterricht gewinnbringend einsetzen lassen. Wie können Kinder damit besser lernen?“ Einige Lehrer seien gut eingearbeitet, die meisten jedoch nicht. Und an etlichen Schulen gibt es regelmäßig technische Probleme. Balke wünscht sich, dass seine Kinder Programmiersprachen lernen. Das Fach dafür gibt es noch nicht. „Wir sind spät dran in Deutschland und müssten durchstarten.“

Digitales Lernen sei dringend erforderlich, betont Karin Haller, Leiterin der Peter-Ustinov-Oberschule. „Allerdings kommen unsere Schüler meist aus prekären Verhältnissen, eigene Laptops sind unbezahlbar.“ Haller plädiert deshalb für eine bessere Ausstattung der Schulen. Bisher fehle es auch an professioneller Wartung der wenigen Smartboards. Ob es nicht ausreiche, schuleigene Laptops phasenweise im Unterricht einzusetzen, fragt sich Ela Windels, Mutter eines Fünftklässlers. Sohn Lenny besitzt bereits ein gebrauchtes I-Pad. „Ich wäre nicht bereit, ein zweites Gerät für die Schule anzuschaffen.“ Für Heinrich Frommeyer, Leiter der Bismarckschule, müsste die Ausbildung von Lehrern mit digitaler Kompetenz und Informatikern Vorrang haben vor dem Kauf weiterer Geräte.

Sechs Pilotschulen sind gut ausgestattet

Hannover hat 2015 ein Pilotprojekt zur Digitalisierung der Schulen aufgelegt. Sechs Schulen bekamen ein flächendeckendes WLAN-Netz, Breitbandanschluss sowie 320 interaktive Tafeln mit Beamer, außerdem Tablets für 500 Lehrer. Für 1.750 Schüler finanzieren ihre Eltern die Geräte.

In anderen Schulen schaffte die Stadt bisher 1.350 interaktive Tafeln an, stattete in der Vergangenheit Computerräume aus und tauschte 2014 und 2015 mehr als 4.000 stationäre Computer gegen neuere Modelle oder Laptops aus.

Die Verwaltung hat keinen Gesamtüberblick über den Stand der Digitalisierung ihrer Schulen. Über Eltern, Fördervereine oder Spenden finanzieren Schulen Tablets und Laptops. Für die Systembetreuung der Schulen zahlt das Land 5,95 Euro pro Schüler im Jahr, die die Stadt aufstockt.

Von Bärbel Hilbig

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