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Aus der Stadt Professor aus Hannover fliegt wie Otto Lilienthal
Hannover Aus der Stadt Professor aus Hannover fliegt wie Otto Lilienthal
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00:16 28.08.2018
Markus Raffel steuert einen Nachbau des Normalsegelapparats von Otto Lilienthal. Quelle: Markus Raffel/Leibniz-Universität
Hannover

Hals und Kragen riskieren wollte Markus Raffel nicht. Dazu ist der Ingenieur ein zu abwägender Typ. Doch der Professor am Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik der Leibniz-Uni ist zugleich begeisterter Segel- und Motorflieger. Und fragte sich mit einigen anderen Flugenthusiasten seit Langem, ob sich eine von Otto Lilienthals Flugmaschinen noch einmal in die Lüfte bringen lässt. Der Flugpionier hatte Ende des 19. Jahrhunderts mit selbst gebauten Apparaten bewiesen, dass Menschen fliegen können. Doch nach Lilienthals tödlichem Absturz im Jahr 1896 galten seine Gleiter als unsicher, viele Jahrzehnte trauten Konstrukteure den Flugapparaten nicht mehr über den Weg.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen baute zwar zum 125. Jubiläum des ersten Fluges 2016 den Normalsegelapparat Lilienthals nach und überprüfte seine Flugstabilität im Windkanal – mit positivem Ergebnis. Das reichte Raffel, Mitarbeiter Markus Krebs und Doktorand Felix Wienke jedoch nicht. „Starts, Landungen, der Einfluss von kleinen Windböen, einfach das Zusammenspiel von Pilot und Gleiter lassen sich im Windkanal nicht testen“, erklärt Raffel. Aus privater Initiative bildeten die Männer, alle Segelflieger, das Fluggerät originalgetreu aus Weidenruten, Draht und Stoff in Raffels Garage nach.

„Das ist das Verrückte. Lilienthal hat nichts benutzt, was andere seit Hunderten von Jahren nicht auch hätten verwenden können“, schwärmt der Professor. Nur zum Kleben nahm das Team modernen Holz- statt Knochenleim. Für den Stoff hatten bereits das DLR und das Otto-Lilienthal-Museum in Anklam einen Textilfachmann mit einer historischen Recherche beauftragt. „Wir haben ihn ebenfalls dort nachweben lassen, auf Maschinen, die gut hundert Jahre alt sind.“

So wagemutig wie Lilienthal wollten der Professor und seine Mitstreiter jedoch nicht vorgehen. „Er ist von Häusern gesprungen oder aus vier Metern Höhe von Schuppen und dann einen Hang hinunter“, erzählt Raffel, der sich zur Vorbereitung eigens im Drachenfliegen schulen ließ. Die Flugfans setzten auf Sicherheit. In der ersten Phase stand Raffel mit dem Gleiter an den Schultern auf einem Autoanhänger, am Körper trug er ein Geschirr, dass an den vier Ecken der Plattform mit Seilen gesichert war. Ein Meter hoch kam er auf diese Art. Beim zweiten Mal zog eine stationäre Motorseilwinde, wie sie beim Segelflug verwendet wird, der Flieger ein Stück in die Höhe. Fliegen an der langen Leine.

Otto Lilienthal steuert seinen Normalsegelapparat. Quelle: Otto-Lilienthal-Museum

Für den entscheidenden Test im Freiflug nahm Raffel den Flugapparat im Frühjahr mit nach Kalifornien, wo er ein Vierteljahr zu einem anderen Thema forschen wollte. „Das war ein Abenteuer für sich“, erinnert sich Raffel. Bereits Lilienthals Gleiter ließ sich falten und damit leichter transportieren. Der Nachbau misst eingeklappt aber immer noch zwei mal drei Meter. Für die ehrenamtlichen Forscher wären im Normalfall beträchtliche Kosten angefallen. Raffel zahlte einen Bruchteil, denn er durfte den Gleiter als übergroßes Gepäck einchecken. Die Lufthansa betrachtete es als Ehrensache, die nachgebaute Flugikone sicher über den Atlantik zu transportieren.

Und dort schwang sich der Professor am Strand von Monterey mit dem altertümlichen Fluggerät in die Luft. Die sehr konstanten Winde der Gegend und der besonders weiche Sand erschienen von Vorteil, sollte doch etwas schief gehen. Drei bis vier Meter Höhe konnte Raffel im freien Flug erreichen, beim längsten Flug kam er gut 70 Meter weit. „Es war großartig. Ich habe geschrien vor Freude. In dem Apparat fühlt man sich wie ein Vogel, als hätte man Flügel.“ Denn in Lilienthals Normalsegelapparat hält der Pilot mit den Schultern die Flügel. „Das Lenken funktioniert intuitiv durch Verlagerung des Körpergewichts. Es fühlt sich ganz toll an.“

Markus Krebs (Bau des Gleiters), Felix Wienke (Fahrer der Seilwinde) und Markus Raffel, Pilot. (von links nach rechts) Quelle: Markus Raffel

Flüge bis hundert Meter Länge sind problemlos möglich, stellte das Team fest. Felix Wienke, der an der Leibniz-Uni über die Aerodynamik luftdurchlässiger Flügel promoviert, hat den Flugapparat selbstverständlich in seine Doktorarbeit einbezogen. „Nach etwas Übung lässt sich der Gleiter leicht auf Kurs halten und einfach landen“, berichtet Doktorvater Raffel. Von höheren Aufstiegen, unruhigem Wetter und Kurvenflügen rät der Forscher allerdings ab. Dafür hatte Lilienthal seinen Apparat seinerzeit auch nicht entworfen.

Nun steht der Gleiter in der Garage. Raffel hat sich vom Otto-Lilienthal-Museum jetzt noch einen Lilienthal-Doppeldecker bauen lassen. Übungsstunden mit dem neuen Modell stehen an. Der Professor will wieder abheben.

Otto Lilienthal: Der Pionier der Lüfte

Das Patent auf seinen Normalsegelapparat hat Otto Lilienthal 1893 erhalten. Viele hundert Male flog der Erfinder mit dem Gerät selbst hangabwärts und verkaufte es nach Moskau, Dublin, Wien und New York. Mehr als hundert Fotografien zeigen Otto Lilienthal in der Luft. Die Bilder lösten eine epochale Wende aus und regten Erfinder in der ganzen Welt an, Fluggeräte zu entwickeln.

Von Bärbel Hilbig

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