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Aus der Stadt „Wir schaffen etwas Tolles für die Stadt“
Hannover Aus der Stadt „Wir schaffen etwas Tolles für die Stadt“
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06:00 19.01.2019
„Die Leinewelle wird Hannover guttun“: Initiator Heiko Heybey. Quelle: Ralf Decker
Hannover

Die Genehmigung für die Leinewelle liegt vor – und wie geht es jetzt weiter? Ein Interview mit Initiator Heiko Heybey.

Herr Heybey, Freitagmorgen kam mit wochenlanger Verzögerung die wasserrechtliche Genehmigung für die Leinewelle, die erste norddeutsche Surfwelle in einem natürlichen Fluss. Haben Sie zuletzt gezittert, ob das Projekt etwas wird?

Nein. Wir waren immer von unserer Planung überzeugt. Die Gutachten sind sauber und sachlich vorgelegt worden und haben daher zum Erfolg geführt. Die leichte Verzögerung über den Jahreswechsel ist der Gründlichkeit der Genehmigungsbehörde geschuldet: Sie wollte den Bescheid wirklich juristisch wasserdicht machen, damit es später keine Probleme gibt.

Viele fragen sich: Warum braucht Hannover eine Surfwelle? Gibt es nichts Wichtigeres?

Ach wissen Sie, es gibt immer irgendwas, das von einigen Leuten für wichtiger gehalten wird. Wir haben in den vergangenen Jahren eine große Zustimmung für unser Projekt erfahren, und ich denke, das liegt daran, dass ein Projekt wie die Leinewelle Hannover gut tun wird. In München zählt die Eisbachwelle zu den Top-10-Attraktionen der Stadt. Sie können dort erleben, wie nicht nur Surfbegeisterte, sondern auch zahlreiche Stadttouristen am Rand stehen und staunen, welche Lebendigkeit und welches Gemeinschaftsgefühl dort am Wasser entsteht. Die Leinwelle wird das erste derartige Projekt in einem natürlichen norddeutschen Fluss. Wir wollen als Verein in Hannover etwas schaffen, von dem wir sicher sind, dass es Magnetwirkung entfaltet und weit über diese Stadt hinausstrahlen wird.

Wie geht es konkret weiter?

Ganz konkret? Wir werden erstmal feiern (lacht). Aber inhaltlich werden wir in den nächsten Monaten daran arbeiten, die Finanzierung sicherzustellen. Denn das ist eine der Auflagen der Stadt: Baubeginn darf erst sein, wenn die Finanzierung gesichert ist.

Dazu gibt es ja die klare Ansage: Der Rat der Stadt befürwortet zwar einmütig das Projekt, aber es wird kein öffentliches Geld fließen. Zuletzt war von bis zu 1,8 Millionen Euro die Rede, die der Verein ehrenamtlich stemmen will.

Diese Summe ist von uns nie kommuniziert worden. Wir haben immer gesagt: Bevor wir die Kosten nennen, warten wir auf die qualifizierte Kostenschätzung. Und die liegt jetzt vor, zum Teil sogar schon mit Festpreisangeboten. Wir rechnen mit 1,2 Millionen Euro brutto. Genaugenommen: mit 884.979 Euro netto plus einem Puffer. Das ist seriös von Ingenieurbüros kalkuliert. Die größte Einzelposition ist der dreiteilige Wehrkörper mit der hydraulischen Steuerungsanlage. Er kostet allein 500.000 Euro brutto.

Ist solch eine Anlage schon jemals gebaut worden?

In dieser speziellen Form eines dreigeteilten Wehrs gibt es bisher nur einen Prototypen, aber die Technik darin ist absoluter Standard. Das Modell ist von Prof. Markus Aufleger entwickelt worden, der schon zig Wasserbauwerke geplant hat, darunter große Staudammprojekte.

Vor allem Fischereiverein und Anglerverband haben Sorge, dass die Leinewelle zu stark in die Flora und Fauna des Flusses eingreift, sie wollen deshalb klagen.

Wir sind sehr sicher, dass die Region ihre Genehmigung so sauber erarbeitet hat, dass eine Klage dagegen keinen Bestand haben wird. Aber wir halten sie auch inhaltlich nicht für gerechtfertigt. Der Anglerverband hat mehrfach öffentlich signalisiert, dass er nichts gegen die Leinewelle hat, wenn zeitgleich die 200 Meter flussaufwärts gelegene Flusswasserkunst für Fische durchgängig gemacht wird. Das hat aber mit unserem Projekt wirklich gar nichts zu tun, wir halten diese Verknüpfung für absurd. Aber wir möchten gerne betonen: Wir sind gerne bereit, gemeinsam konstruktiv daran zu arbeiten, dass die Flusswasserkunst genauso passierbar für Fische wird, wie wir unsere Leinewelle mithilfe eines speziellen Fischpasses passierbar machen. Dann hätte sich unsere Mühe nämlich gelohnt, weil Fische endlich den gesamten Abschnitt durchschwimmen könnten und nicht nur unsere Anlage. Surfer sind sehr für Gewässerökologie, denn auch wir nutzen die Flüsse.

Um in der Leine Surfen zu können, brauchen Anfänger mindestens drei bis vier Kubikmeter Durchfluss pro Sekunde, anspruchsvolle Surfer freuen sich auch über mehr Druck im Wasser. Wird das Surfen in trockenen Sommern wie dem vergangenen überhaupt möglich sein?

Wir haben das sehr genau durchgerechnet, und das Ergebnis ist eindeutig: Ja. Die Formel ist einfach: Um eine surfbare Welle entstehen zu lassen, brauchen Sie pro Meter Flussbreite etwa einen Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Die Leine ist dort etwa neun Meter breit und hat laut wasserrechtlicher Genehmigung bis auf ganz wenige Tage immer drei Kubikmeter Durchfluss. Deshalb ist unsere Anlage dreigeteilt. Wenn viel Wasser in der Leine ist, können wir auf neun Meter Breite über allen drei Wehrflügeln eine Welle entstehen lassen. Bei etwas weniger Wasser nutzen wir nur zwei Wehrflügel und sechs Meter Breite, bei Minimalwasser nur einen Flügel und drei Meter Breite. Das ist dann zu schmal, um Profisprünge zu machen. Aber es reicht immer zum Surfen und etwa um 360-Grad-Moves zu üben.

Und woher soll nun das Geld kommen?

In unseren Vorgesprächen haben wir bei möglichen Geldgebern viel Offenheit gespürt. Bisher hieß es aber immer: Erstmal abwarten, bis die Genehmigung vorliegt. Das ist jetzt der Fall. Wir starten also ernsthafte Gespräche und hoffen, bis Jahresende das Geld zusammenzuhaben. Dann könnten wir bauen und 2020 eröffnen. Das ist für Surfer ein besonderes Jahr, denn surfen wird olympische Disziplin. Übrigens: Zweidrittel des deutschen olympischen Kaders kommen aus dem Raum München. Da zeigt sich, was für eine wichtige Funktion solch eine Trainingsstätte, an der sich Interessierte ausprobieren und verbessern können, nicht nur für den Breiten- und Spaßsport, sondern auch für den Spitzensport hat. Nicht ohne Grund begrüßt der Uni-Sportcampus unser Projekt und will aktiv darin mitarbeiten, weil es ein tolles Angebot für Tausende Sportstudierende in Hannover ist.

Gut fünf Jahre arbeiten Sie jetzt an der Idee, nun rückt die Umsetzung näher. Hat sich der Einsatz gelohnt?

Es gibt eine Menge Hannover-Begeisterte und Wassersportler, die sich darauf freuen – neben den Surfern zum Beispiel auch die Kanu-Enthusiasten. Wir schaffen mit der Leinewelle etwas Tolles für die Stadt. Und jeder Surftag in Hannover ist ein Tag mehr, als wir bisher hatten. Also: Klar freue ich mich darauf!

Infos über die Leinewelle und Kontakt zum Verein.

Von Conrad von Meding

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