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Aus der Stadt Schluss mit lustig? Das denken HAZ-Leser über den Bahnstreik
Hannover Aus der Stadt

Leserbriefe: Das denken HAZ-Leser über den GDL-Streik und Claus Weselsky

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12:00 09.09.2021
Ein Reisender geht einen Bahnsteig entlang. Nach mehreren Tagen hat die Lokführergewerkschaft GDL ihren Streik beendet. Der Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn geht hingegen noch weiter.
Ein Reisender geht einen Bahnsteig entlang. Nach mehreren Tagen hat die Lokführergewerkschaft GDL ihren Streik beendet. Der Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn geht hingegen noch weiter. Quelle: Foto: Moritz Frankenberg/dpa
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Hannover

Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Muskeln spielen lassen – und das Pendlerland gelähmt. Die Reaktionen reichen von Unverständnis bis zur genervten Gelassenheit durch Homeoffice-Routine. Auch unter HAZ-Lesern sorgte der jüngste Bahnstreik für hitzige Debatten. Hier haben wir einige Kommentare noch einmal zusammengestellt:

Leser Martin Worpenberg: Profilneurose auf dem Rücken der Fahrgäste

Wann immer ich eine Sekunde meiner kostbaren Restlebenszeit an den Gedanken verschwende, meine nächste Reise mit der Bahn zu machen, fallen mir die diversen Desaster meiner letzten Bahnreisen ein: „Sitz-Reservierung nicht möglich“ – Stehen im Gang von Hannover bis Stuttgart, „Zug fällt aus“, „Zug ist Stunden verspätet“ – mit verpasstem Anschluss wegen Ausfall der Klimaanlage, Signal- oder Weichenstörung wegen Hitze oder Kälte, der Bahndamm brennt, es ist Schnee gefallen, es regnet, es stürmt. Gerade dann will ich ja „sicherer“ mit der Bahn fahren!

Und jetzt diese außer Rand und Band geratenen Alphatiere, die ihre jeweilige Profilneurose auf dem Rücken der Fahrgäste im Personenverkehr und auf dem Rücken der Wirtschaft im Güterverkehr austragen. Wegen vergleichsweise geringer Unterschiede zwischen Forderung und Angebot. Es gibt bereits Firmen, die für sich einen Wettbewerbsvorteil verspüren, weil sie keinen Bahnanschluss mehr haben. So jedenfalls kommen niemals mehr Güter auf die Bahn.

Jegliche Überlegung, aus Umweltgründen das Auto abzuschaffen und in Zukunft die Bahn zu nehmen, endet somit mit immer dem gleichen vorhersehbaren Ergebnis nach spätestens 0,01 Sekunden! Martin Worpenberg, Hannover

Leser Achim Bothmann: Endlich aufs Gleis setzen

Es muss ein tolles Gefühl für Herrn Weselsky sein, die Bundesrepublik verkehrstechnisch lahmzulegen. Ich denke, dass er seinen Spaß daran hat, so im Fokus zu stehen. Aber irgendwann ist Schluss mit lustig! Weselsky hat das Ganze überreizt. Sogar namhafte Kollegen vom Gewerkschaftsbund fordern ihn auf, diesen dummen Streik endlich zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Anfängliches Verständnis bei der Bevölkerung hat er durch seine kompromisslosen und vor allem überheblichen Auftritte längst verspielt. Weselsky sollte seine Lokführer endlich wieder aufs Gleis setzen! Achim Bothmann, Hannover

Leser Eckhard Vinke: Weselsky trägt kein Risiko

GDL-Chef Weselsky will jetzt alles! Er hat ja auch kein Risiko. Die GDL als die kleinere Bahngewerkschaft wird verschwinden, weil zwei parallele Gewerkschaften bei der Bahn Unsinn sind und zum Machtmissbrauch verleiten. Und übrigens: Was wird eigentlich aus den unverbrauchten Mitgliedsbeiträgen, wenn die GDL aufgelöst wird? Bekommt die ein Gewerkschaftsbund oder werden die an die Mitglieder zurückgezahlt? Eckhard Vinke, Wietze

Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Wir behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen. Bei allen Einsendungen bitten wir um Angabe der vollständigen Absenderadresse. Wollen auch Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann schreiben Sie uns auf diesem Weg. 

Leser Klaus Krajenski: Nur ein reiner Mitnahmeeffekt

Herr Weselsky soll doch mal erklären, warum die Lokführer einen Anspruch auf eine Corona-Prämie haben. Eine Prämie bekommt doch derjenige, der besondere Leistungen in bestimmten Bereichen seines Berufslebens, seines persönlichen Engagements im sozialen Bereich oder andere außergewöhnliche Leistungen erbracht hat. Was haben Lokführer in der Corona-Zeit Besonderes geleistet? Einen Kontakt zu Fahrgästen – und damit ein erhöhtes Infektionsrisiko – kann ich nicht erkennen. Es handelt sich doch hier um einen reinen Mitnahmeeffekt. Verschiedene CDU-Politiker (Maskenbeschaffung) und Teile der Industrie haben vorgemacht, dass mit der Pandemie doch viel Geld zu verdienen ist. Vielleicht hat sich Herr Weselsky ein Beispiel daran genommen. Klaus Krajenski, Wennigsen

Leser Björn Uhlhorn: Politischer Streik ist rechtswidrig

Streik ist ein garantiertes Grundrecht. Wie aber Claus Weselsky den Streik ausufern lässt, ist bereits ein Missbrauch dieses Rechts. Wenn sich nach einem Streik die Forderungen der GDL und die Angebote der Bahn bis auf wenige Millimeter gleichen, dann muss endlich Schluss sein. Der Gesetzgeber sollte in diesen Fällen einen Riegel vorschieben und zwingend eine Schlichtung vorschreiben. Bereits jetzt wird der vermeintliche Arbeitskampf, der in Wirklichkeit ein politischer Streik ist, auf dem Rücken der Bahnkunden ausgetragen.

Ein Arbeitskampf darf nur dann geführt werden, wenn er zur Erreichung des angestrebten Kampfziels geeignet, erforderlich und angemessen ist. Was die GDL gerade betreibt, ist weder geeignet, erforderlich noch angemessen. Die GDL betreibt einen Streik, der bereits politische Ziele hat. Ein politischer Streik ist aber rechtswidrig. Björn Uhlhorn, Laatzen

Leser Gerhard Steinmann: Bahn sollte sich nicht erpressen lassen

Man kann nur hoffen, dass der Bahn-Vorstand sich von der GDL nicht erpressen lässt. Die GDL sollte sich in die eigene Pleite streiken. Dann muss der Chef auch mal wieder ordentlich arbeiten. Gerhard Steinmann, Minden

Von red