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Aus der Stadt Muss der Club der Fleischesser im Rathaus Miete zahlen? Das sagen die HAZ-Leser
Hannover Aus der Stadt

Leserbriefe: Muss der Club der Fleischesser im Rathaus Miete zahlen? Das sagen die HAZ-Leser

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14:06 25.01.2020
Wer sollte die Räume im Rathaus nutzen können und zu welchen Konditionen? Quelle: Foto: Moritz Frankenberg
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Hannover

Der Club der Fleischesser ist eine Gruppe von Landespolitikern, die bei ihren regelmäßigen Treffen mit regionalen Fleischwaren, Grünkohl und Spirituosen verköstigt werden. Mehr als 50 Abgeordnete gehören zum Club, darunter ehemalige Landtagsmitglieder wie Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) und Altbundespräsident Christian Wulff (CDU).

Lesen Sie auch: Schluss mit Gratis-Treffen in der Rathauskantine: Onay setzt Landespolitiker vor die Tür

Nach der Entscheidung von Belit Onay, dass der Club für die Nutzung der Rathauskantine auch bezahlen müsse, treffen sich die Teilnehmer künftig im Restaurant Zeitfür – der Gastronomie im Landtagsgebäude.

Viele HAZ-Leser haben ihre Meinung zu dem Vorgang in Leserbriefen festgehalten – hier eine Auswahl:

Bravo, dass Ordnung geschaffen wird

Adelheid Himstedt, Hannover: Das verschlägt mir die Sprache! Die Kulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld e.V. leistet seit mehr als 23 Jahren ehrenamtlich die Kulturarbeit im Stadtteil, und zwar am Küchentisch und in Privaträumen der Mitglieder, weil die Kulturbehörde nicht willens und in der Lage ist, uns im Stadtteil Räume für unsere Arbeit und Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Wenn wir Glück haben und keine kommerzielle Vermietung vorliegt, können wir zwei- bis dreimal (!) im Jahr den Saal im FZH Döhren nutzen. Ansonsten müssen wir Räume anmieten.

Da kann es doch nicht sein, dass ein Privatclub kostenlose Räume im Rathaus zur Verfügung hat. Bravo, Herr Onay, dass da mal Ordnung geschaffen wird! Wir hoffen, dass auch unser Ehrenamt mal entsprechend gewürdigt wird.

Ansinnen ist ja schon unanständig

Claudia Preuß-Ueberschär, Wedemark: Die Frage muss erlaubt sein, ob eigentlich alles, was man schon immer so gemacht hat, „Tradition“ und „Brauchtum“ und damit erhaltenswert ist, oder man herkömmliche Verhaltensweisen unter veränderten gesellschaftlichen Vorstellungen und Anforderungen differenziert betrachten und beurteilen muss. Eine Vereinigung wie der Club der Fleischesser ist jedenfalls bei Betrachtung der wie ein Tsunami auf uns zurollenden ökologischen und sozialen Probleme (Klimawandel, Artensterben, mangelnder Tierschutz, Abbrennen des Regenwaldes für Tierfutter, Antibiotikaresistenzen, Wasserverbrauch, prekäre Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie und Zunahme von Zivilisationskrankheiten durch Überernährung und zu hohem Fleischkonsum) total aus der Zeit gefallen.

Schlimm genug, dass offensichtlich ältere Herren in unserer Gesellschaft nicht in der Lage sind, ihr Verhalten zu überprüfen und heutigen Notwendigkeiten anzupassen und sich stattdessen an das Schnitzel klammern wie der Ertrinkende an das Senkblei.

Noch schlimmer ist aber der Anspruch, solche „Fressgelage“ nun auch noch in öffentlichen Räumlichkeiten kostenfrei durchführen zu wollen und das auch in aller Öffentlichkeit einzufordern. Offensichtlich ist hier jegliches Fingerspitzengefühl verloren gegangen. Dieses Ansinnen ist ja schon als unanständig zu bezeichnen, insbesondere da die Protagonisten ja nun nicht zu den Ärmsten in der Gesellschaft zählen und eine Saalmiete locker bezahlen könnten.

Vielen Dank an den neuen Oberbürgermeister Belit Onay für diese Entscheidung! Und nein, es ist kein Thema von geringer Relevanz, die Entscheidung ist Ausdruck von gesellschaftlichem Wandel und einer klaren Haltung!

Fassunglos, dass es so etwas noch gibt

Brigitte Winkler, Hemmingen: Donnerwetter, es gibt einen Club der Fleischesser. Mitglieder sind honorige Landtagsabgeordnete. Nun sind die Herren aber verärgert, dass die Tradition nicht fortleben könnte. Sie sollen in einen anderen Raum umziehen und auch noch Miete bezahlen. Ich bin fassungslos, dass es so etwas überhaupt gibt und die Herren auch noch die Kühnheit haben, daran festzuhalten. Vor dem Hintergrund der Rathausaffäre sollte man sich als honoriger Landtagsabgeordneter dringend von jeglichem Anspruchsdenken verabschieden. Gar nicht erwähnt wird, welche Kosten pro Person die Herren haben. Das wäre doch auch einmal interessant zu wissen. Hoffentlich hält Herr Onay an seiner Entscheidung fest!

Steht das auf der Prioritätenliste?

Ferdinand Bruss, Burgwedel: Hat die Stadtverwaltung nichts Besseres zu tun, als sich mit diesen Themen zu befassen, wie eine Kantine genutzt wird und wie man einem Prozessgegner noch nachträglich vors Schienbein treten kann? Es scheint, als hätte niemand in der Stadtverwaltung inklusive dem Oberbürgermeister eine Prioritätenliste an der Hand. Wäre es so, wären beide Vorhaben im Papierkorb gelandet. Armes Hannover!

Jugend for Future, Großväter for Fun

Enno Silomon, Hannover: Jeden Freitag stehen sich die Enkel frierend die Beine in den Bauch – for Future –, und die Großväter hauen sich die Wampe voll – for Fun! Die Jungen demonstrieren Verantwortung und Sorge um unsere Erde und fordern die dringend nötige Veränderung unseres Lebensstils, und die Alten demonstrieren die niedersächsische Fresskultur und fordern die Erhaltung dieser Tradition. Toll! Und zu diesem „nachhaltigen“ Club der Fleischesser gehören nicht nur mehr als 50 gewählte Volksvertreter, sondern höchste Repräsentanten unserer Demokratie: Ein Exbundespräsident, ein Altkanzler, ein Ministerpräsident. In schnapsseliger Parteienharmonie feiern sie seit zwanzig Jahren ihre unökologische Überzeugung in der Rathauskantine. Mietfrei natürlich, ist ja ihr Zuhause, sozusagen. Wie gut, dass der neue OB schnell den Fuß in die Tür gestellt hat, ehe sich Hannover mit noch einer Rathausaffäre als Kulturhauptstadt – Kandidatin empfiehlt.

Wäre die Marktkirche eine Alternative?

Ingrid Welzel, Springe: Ne, ne, das gibt es doch wohl nicht, da haben es sich jahrelang hochrangige Club-Mitglieder mit ihren wichtigen Honoratioren in der Rathauskantine bei Speis und Trank gemütlich gemacht, jetzt sollen sie von dort verwiesen werden, es wird ihnen angeboten, an anderer Stelle gegen einen Mietobulus zu tafeln, unerhört dieses Ansinnen, das ist nicht nur ein Aufschrei, das dürfte ein finanzielles Problem werden, diese Räumlichkeiten anzumieten.

Da es sich bei den Gastgebenden um ehemalige und jetzige gestandene Politiker handelt, dürfte die Frage erlaubt sein, wie das finanzielle Problem denn bei den Sportvereinen zu sehen ist, die engagierte und teilweise ehrenamtliche Trainer zur Verfügung haben, aber für ihr für die Gemeinschaft wichtiges und gesundheitsförderndes Engagement für die Trainingsstunden in öffentlichen Räumen Miete und wohl auch Heizkosten zu entrichten haben.

Mein Vorschlag, da es sich bei dem Treffen gewissermaßen auch um eine wohltätige Veranstaltung handelt, könnten sich doch hier die Türen der Marktkirche gastgebend öffnen, Kirchen werden heutzutage ja schon manchmal für gute gottesdienstfremde Zwecke zur Verfügung gestellt. Ein reichliches Platzangebot ist auch vorhanden, vielleicht könnten sogar die Dienstwagenchauffeure mit eingeladen werden, um es bei Bananendrink und Mineralwasser mal richtig krachen zu lassen.

Kaum zu glauben, dass Miete ein Problem ist

Gabriela Höbelt, Lehrte: Die Entscheidung des Herrn Onay ist absolut nachvollziehbar. Denn unabhängig davon, aus welchem Grund sich ein privater Club in stadteigenen Räumen treffen möchte, ist dafür eine Raummiete zu zahlen. Weshalb sollte es dem „Club der bekennenden Fleisch- und Wurstesser“ anders ergehen als den Vereinen, die für die Nutzung stadteigener Sporthallen Miete zahlen müssen? Dass eine angemessene Raummiete für ein jährliches Treffen (also vermutlich einmal im Jahr) ein finanzielles Problem darstellt, kann ich nicht glauben. Wenn die Mitglieder des elitären Clubs sich damit tatsächlich überfordert fühlen, müssen sie halt auf die Treffen verzichten – oder einen anderen Versammlungsort suchen. Die Vereine fragt schließlich auch niemand, ob sie sich z.B. die sehr kostenintensive Nutzung eines Schwimmbades leisten können.

Gastronomen haben bestimmt Räume

Uwe Beck, Hannover: Warum findet ein solches Treffen nur einmal im Jahr statt? Wie wäre es mit einem monatlichen Treffen, an welchem jeweils zehn Abgeordnete (inkl. MP und Landesministern) für 90 Bürger und Bürgerinnen ein Treffen mit gemeinsamem Essen finanzieren? Karten für die Teilnahme könnten an den hannoverschen Tafeln vergeben/verlost werden. Das wäre einmal Bürgernähe! Ansonsten muss sich kein Abgeordneter über Politikverdrossenheit noch Gedanken machen, denn der Artikel spricht für sich. Ach ja, sollte der Gartensaal einmal ausgebucht sein wird sich sicherlich eine Lokalität finden lassen. Vermutlich werden Gastronomen gerne Räumlichkeiten anbieten.

(Hinweis: Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, müssen wir Leserbriefe gelegentlich kürzen. Bei allen Einsendungen bitten wir um Angabe der vollständigen Absenderadresse. Geben auch Sie einen Leserbrief ab!)

Von red

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