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Aus der Stadt HAZ-Restaurantkritiker Hannes Finkbeiner stellt seinen Roman vor
Hannover Aus der Stadt HAZ-Restaurantkritiker Hannes Finkbeiner stellt seinen Roman vor
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00:17 01.04.2019
„Bei einer Lesung schwirren eine Million Viren herum“: Hannes Finkbeiner. Quelle: Juliane Kaune
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Hannover

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, welche Heerscharen von Bakterien die Dichtung Ihres Kühlschranks bevölkern? Oder wie vielfältig das mikrobiologische Leben auf einem Küchenschwamm ist? „Auf einen Kubikzentimeter Schwamm kommen 55 Milliarden Keime“, stellt Hannes Finkbeiner klar. Der Mann ist kein Mikrobiologe, sondern Romanautor und einem breiten Publikum vor allem als Restaurantkritiker der HAZ bekannt. Und er ist, das gesteht er in der Buchhandlung Decius, ein bekennender Hypochonder – ebenso wie sein skurriler Romanheld Konstantin Wittgenbausch.

HAZ-Restaurantkritker Finkbeiner veröffentlicht Roman

Finkbeiner hat seinen zweiten Roman „Unheilbar glücklich“ unter dem Pseudonym Jonas Erzberg veröffentlicht. Ziel war es, die journalistische Arbeit von der belletristischen sauber zu trennen, wie er seinen Zuhörern erzählt. Überhaupt plaudert er gern – und lebhaft. Berichtet von seiner Zeit als Journalistikstudent in Hannover und seinen keineswegs keimfreien Erfahrungen in einer Männer-WG, in der Klo und Salatschüssel mit demselben Schwamm geputzt wurden. Finkbeiner hat Witz, Entertainerqualitäten und einen charmanten schwäbischen Akzent. In einer Stadt, wo angeblich das reinste Hochdeutsch der Republik gesprochen wird, macht er auch mit dieser exotischen Phonetik Sympathiepunkte.

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Aus dem Leben eines Hypochonders

Und wie viel Hannes Finkbeiner steckt nun in Konstantin Wittgenbausch? Jenem eingebildeten Kranken, der von Diabetes über Rheuma, Muskelschwund und Herzinsuffizienz so ziemlich alles durchlitten und sich jetzt nach Eigendiagnose einen Leberkrebs im Endstadium zugelegt hat? Der Autor hat es in einem Hypochonder-Test auf 34 von 60 möglichen Punkten gebracht. „Konstantin hat mich eindeutig geschlagen, der hat 54 Punkte erreicht“, erklärt Finkbeiner. Indem er die Schrullen des Überängstlichen bis an die Slapstick-Grenze überspitzt nachzeichnet, nimmt er seine eigenen womöglich selbst etwas auf Korn. Aber natürlich ist und bleibt Wittgenbausch eine Kunstfigur. Der Leser darf sich als Begleiter auf dessen vermeintlich letzte Reise nach Thailand begeben, bei der sich der Hypochonder – unsterblich (!) – in eine Yogalehrerin verliebt und für sie im Dschungel sogar seine Phobie vor Malaria und Dengue-Fieber überwindet.

In Thailand war auch Finkbeiner schon des öfteren. „Ich liebe die Märke in Asien“, sagt er. Und: „Ich esse gern und viel.“ Der Restaurantkritiker lässt grüßen. Aber nur kurz. Dann spricht wieder der Hypochonder. „Bei jedem Wort fliegen 2,5 Speicheltröpfchen durch die Luft, bei einer längeren Plauderei sind es Abertausende, und bei einer Lesung schwirren eine Million Viren mindestens eine halbe Stunde lang herum“. Gut zu wissen.

Von Juliane Kaune