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Aus der Stadt Bauherr wartet sieben Monate auf Baugenehmigung
Hannover Aus der Stadt Bauherr wartet sieben Monate auf Baugenehmigung
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00:16 15.01.2019
„Ich frage mich, ob überhaupt irgendjemand im Amt den Antrag richtig angeschaut hat“: Torben Plate, Eigentürmer des Dachgeschosses.
„Ich frage mich, ob überhaupt irgendjemand im Amt den Antrag richtig angeschaut hat“: Torben Plate, Eigentürmer des Dachgeschosses. Quelle: Katrin Kutter
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Linden-Süd

Seit mehr als sieben Monaten wartet der Eigentümer eines Lindener Dachgeschosses auf die Baugenehmigung der Stadt, um das Spitzdach zu einer Wohnung umbauen zu dürfen. Im Mai 2018 hatte er den Antrag eingereicht. „Eigentlich hätten hier längst Mieter wohnen sollen“, sagt er.

Das Bauamt aber wehrt sich gegen den Vorwurf, es habe zu lange für die Genehmigung gebraucht: Der Bauantrag sei monatelang nicht vollständig gewesen. Allerdings fiel im Amt erst im November auf, dass für das Routineprojekt eines Dachgeschossausbaus das vereinfachte Antragsverfahren gereicht hätte. Bis Mieter einziehen können, wird es daher noch dauern.

Torben Plate wartet seit sieben Monaten auf die Baugenehmigung zum Ausbau des Dachgeschosses in der Ricklinger Straße.

Etwa 100 Quadratmeter groß soll die neue Wohnung im Dach eines Mehrfamilienhauses an der Ricklinger Straße werden. Mit zwei großen Gauben und einer Loggia nach Süden will Torben Plate aus der List den bisher kaum genutzten Abstellraum in eine Wohnlandschaft verwandeln. Anfang des vergangenen Jahres hatte er die Etage als Geldanlage gekauft. Rund 130 000 Euro wollte er in den Umbau investieren, im Spätsommer sollte das Projekt starten. „Alle Handwerker waren auf das Projekt eingeschworen“, sagt Plate. Immer wieder aber musste er sie vertrösten. Jeden Monat zahlt er nun Bereitstellungszinsen, ab Januar ist die Tilgung hinzugekommen – aber wann er die Wohnung vermieten kann, ist völlig offen.

Stadt: Bauvorlagen unzusammenhängend vorgelegt

Der Zimmermann, der den Bauantrag eingereicht hat, verzichtete allerdings zunächst auf Statik und ein Brandschutzkonzept. Man habe abwarten wollen, ob es grundsätzliche Bedenken wegen der Baugenehmigung gebe, sagt Plate.

Genau das aber kritisiert die Stadt. „Angesichts der hohen Zahl von Bauanträgen, die parallel bearbeitet werden müssen“, könne die Bauordnung nicht zügig arbeiten, wenn „Bauvorlagen unzusammenhängend und portioniert vorgelegt“ würden, sagt Stadtsprecherin Michaela Steigerwald. Tatsächlich mussten die Mitarbeiter der Bauordnung immer wieder auf überarbeitete Brandschutznachweise drängen. Nach Angaben der Stadt lag ein solcher Nachweis überhaupt erst Anfang November vollständig vor.

Vereinfachtes Verfahren als Möglichkeit erst spät aufgefallen

Warum aber erst anschließend auffiel, dass für den Dachgeschossausbau das vereinfachte Verfahren angemessen ist, bei dem das Bauamt weniger Vorgaben prüfen muss, bleibt unklar. Es sei „Aufgabe des Entwurfverfassers, die nach Bauvorlagenverordnung entsprechenden Unterlagen einzureichen“, sagt Stadtsprecherin Steigerwald. „Ich frage mich, ob in den Monaten überhaupt irgendjemand im Amt den Antrag richtig angeschaut hat“, sagt Bauherr Plate. Immerhin habe die Sachbearbeiterin zwischenzeitlich sechs Wochen Urlaub gehabt.

Das Bauamt steht derzeit häufig in der Kritik. Mitarbeiter der Bauordnung hatten einem internen Gutachten zufolge über Überlastung und schlechte Organisation geklagt. Der zuständige Stadtbaurat Uwe Bodemann hatte jüngst klarere Entscheidungsstrukturen und mehr Personal zugesagt, vom Land aber auch eine Vereinfachung des Baurechts gefordert. 80 Prozent der Bauanträge seien innerhalb von drei Monaten entschieden worden. Allerdings habe es beim längsten auch fast 200 Tage gedauert.

Von Conrad von Meding