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Aus der Stadt Eichendorffschule hat seit 50 Jahren ein Nachmittagsangebot
Hannover Aus der Stadt Eichendorffschule hat seit 50 Jahren ein Nachmittagsangebot
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10:15 21.03.2019
Der Chor der Eichendorffschule singt beim Empfang. Quelle: Clemens Heidrich
Linden-Nord

Als die Eichendorffschule in Linden-Nord Ganztagsschule wird, gibt es den Begriff noch gar nicht. Tagesheimschule heißt das vor 50 Jahren. Mit einem großen Festakt für 100 Ehrengäste und einem Schulfest hat die katholische Grundschule jetzt ihren 50. Geburtstag als Ganztagsschule gefeiert. Damit ist sie Hannovers älteste Schule dieser Form. Die Eichendorffschule ist genau das, was der renommierte Erziehungswissenschaftler Prof. Manfred Bönsch eine echte Ganztagsschule nennt – nämlich keine Schule, die vormittags Unterricht macht und nachmittags Betreuung anbietet. Es ist keine Schule, bei der die Lehrer mittags nach Hause gehen und die Schüler bleiben, sondern an der Kinder einen Lebensraum haben, in dem sie auch kulturell, musisch und sportlich gefördert werden.

Schule mit verpflichtendem Nachmittagsangebot

Anders als die meisten Ganztagsschulen hat die Eichendorffschule ein verpflichtendes Angebot am Nachmittag, und zwar gestaffelt nach Alter: Die ersten Klassen haben einen festen Nachmittag Schule, die zweiten zwei, und die Jahrgänge drei und vier haben drei Pflichtnachmittage. Bönsch spricht von einer „Pädagogik des ganzen Tages“, an der Eichendorffschule wird das gelebt. Die Schule sei eine feste Größe in Hannovers Schullandschaft, sagt Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf (SPD). Ihre älteste Tochter Klara, inzwischen 28, ist hier zur Schule gegangen. Die Migrationsbeauftragte lobt, dass die Grundschule schon Anfang der Achtzigerjahre einen Ausländeranteil von mehr als 50 Prozent gehabt habe. „Hier gilt der Grundsatz, dass jedes Kind ein Geschenk Gottes ist, egal woher es kommt und welchen Aufenthaltsstatus es hat.“ Bis heute sei die Schule international geprägt, die Kinder kämen aus 60 Nationen und sprächen 20 unterschiedliche Sprachen. Für Griechen, Italiener, Polen und Spanier bietet die Schule sogar herkunftsprachlichen Unterricht an. Die Schule sei so bunt wie das Einwanderungsland Deutschland, sagt Schröder-Köpf.

Die Eichendorffschule hat den 50. Ganztagsschulgeburtstag gebührend gefeiert.

Beeindruckt vom Gemeinschaftsgeist der Eichendorffschule

Für Hannovers Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski ist die Eichendorffschule die erste, die sie nach ihrem Amtsantritt im Herbst 2015 besucht hat. Die Schule sei zwar eine katholische Schule – als eine von vier Konkordatsschulen in der Stadt –, aber öffentlich und damit kostenlos. Und sie sei sehr beliebt: Obwohl sie dreizügig ausgelegt ist, würden regelmäßig vier Klassen pro Jahrgang genehmigt. 70 Prozent der Schüler sind katholisch, die restlichen Schüler gehören einer anderen Glaubensrichtung an oder sind konfessionslos. Möglicherweise müssten kirchliche Schulen in den nächsten zehn, 20 Jahren auch zunehmend Kinder ohne Konfessionszugehörigkeit aufnehmen, sagt Rzyski.

Die Grundschule als pädagogische Idee feiert ihren 100. Geburtstag

Die Grundschule erhält ihre Rechtsgrundlage in der Weimarer Verfassung von 1919. Dort heißt es: „Auf eine für alle gemeinsame Grundschule baut sich das mittlere und höhere Schulwesen auf.“ Die Grundschule hat sich längst von einer Unterrichtsanstalt zu einem Lebens- und Erfahrungsraum für die Kinder entwickelt mit einer häufig beeindruckenden Topologie von Lerngelegenheiten (Lernecken, Lernwerkstätten, Computerstationen, Flur- und Pausenhofgestaltung, Freigelände). Damit einhergeht die Entwicklung einer differenzierten Lernkultur, die Subkonzepte offenen Unterrichts sind Bestandteil des Unterrichtsalltags geworden. Die Revitalisierung reformpädagogischer Ansätze ist immer wieder besonders in der Grundschule zu beobachten. Das soziale Lernen hat einen hohen Stellenwert. Die Kinder haben vor allem in der Grundschule die Möglichkeit, Kommunikation und Kooperation zu lernen. Die Integration von Kindern mit Handicaps ist am konsequentesten verfolgt worden.

 Die Grundschule hat eine große Adaptionsfähigkeit an veränderte gesellschaftliche Bedarfslagen entwickelt, wie zum Beispiel mit der Ganztagsschule. Man reagiert auf veränderte Kinder (Pädagogik der Stille, differenzierte Bewegungserziehung). Frühes Fremdsprachenlernen, interkulturelles Lernen, alternative Schreib-Lese-Lernkonzepte wie eine veränderte Rhythmisierung der Unterrichtszeit können als lernpsychologisch wichtiger Anreicherungen verstanden werden. Grundschule leistet Lebenshilfe. Das Schulleben wird offener, das reicht im Kleinen vom offenen Anfang, Pausenkultur und Wochenschlusskreis bis zu großen strukturellen Veränderungen (Schuleingangsstufe, Lernen in altersgemischten Gruppen.

Falk Beckhausen von der Landesschulbehörde zeigt sich beeindruckt von dem Geist der Schule. „Hier sind die Menschen das Wichtigste“, sagt er. 1969 sei der erste Mensch auf dem Mond gelandet. Astronaut Neil Armstrong habe damals gesagt, dies sei ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit. Die Kinder an der Eichendorffschule würden jeden Tag große Schritte ins Leben machen.

Manfred Bönsch: „Dino der Ganztagsschulbewegung“

Wissenschaftler Bönsch erinnert in seinem Grußwort daran, dass die erste Ganztagsschule in Deutschland 1956 in Frankfurt entstand, ein Jahr später kam die zweite in Kassel, 1958 eine weitere in Hamburg dazu. Doch das blieben lange die Ausnahmen. Die Eichendorffschule sei ein „Dino der Ganztagsschulbewegung“.

Auch Schulelternratsvorsitzender Attila Vas und Werner Theunert, Vorsitzender des Fördervereins, lobten den Gemeinschaftssinn, der an der Schule herrsche. Viele Ehemalige, egal ob Schüler, Eltern oder Lehrer, blieben der Eichendorffschule über Jahre verbunden, wie Rektor Wolfgang Schiecke hervorhebt. Sein Vorgänger Frithjof Oertel, von 1986 bis 2003 Schulleiter, betont, dass die Lehrer längst nicht mehr nur Unterrichtspartner am Vormittag seien, sondern Lernbegleiter und -berater durch den ganzen Tag.

Von Saskia Döhner

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