Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Kostümverleih „Raub der Sabinerinnen“ schließt nach 20 Jahren
Hannover Aus der Stadt

Linden-Nord: Kostümverleih „Raub der Sabinerinnen“ schließt nach 20 Jahren

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 29.10.2019
Aus der Rolle gefallen: Nach 20 Jahren schließt Sabine Klusmann-Wiehe ihren Kostümverleih. Quelle: Navid Bookani
Hannover

Mit dem Verkleiden zu Fasching hat die Kostümfundgrube von Sabine Klusmann-Wiehe eher weniger zu tun. In dem Hinterhofgeschäft in Linden-Nord suchen sich die Kunden meist ausgefallene Gewänder für besondere Anlässe wie Mottopartys, Bälle, Verkleidungsaktionen zum Abitur oder besondere Festveranstaltungen aus. Wer bei Sabine Klusmann-Wiehe ein Kostüm ausleiht, schlüpft nicht einfach nur in eine andere Robe, sondern auch in eine andere Rolle. Ob Burgfräulein, Minnesänger, Mönch oder Dame der Barockgesellschaft, ob Al Capone, Charleston-Girl, Blues Brother, Abba-Fan, Punk oder Popper – der Kostümverleih „Raub der Sabinerinnen“ hat für fast jedes Motto und fast jede Gelegenheit das richtige Gewand parat.

1000 Kostüme stehen zum Verkauf

20 Jahre jedenfalls war das so – nun ist Schluss mit den textilen Rollenspielen: Am Freitag, 1. November, beginnt Klusmann-Wiehe mit dem Ausverkauf ihrer rund 1000 Kostüme. „Das Geschäft ist schwerer geworden“, sagt die 52-jährige Sozialpädagogin. Viele Kunden bestellten sich mittlerweile lieber etwas zum einmaligen Gebrauch im Internet. „Besonders nachhaltig ist das natürlich nicht“, merkt sie an. Zum anderen zieht es die Ladeninhaberin nach so langer Zeit zwischen den Ständern mit ausgefallener Bekleidung wieder in ihren eigentlichen Beruf zurück. „Irgendwann ist einfach Schluss, leider habe ich keine Nachfolger gefunden“, sagt sie.

Theaterkleider direkt von der Bühne

Die Idee zu einem ausgefallenen Kostümverleih hatten Klusmann-Wiehe und ihre Freundin vor 20 Jahren, als in ihrer Nachbarschaft der kleine Verleih einer älteren Dame seine Pforten schloss. Die beiden jungen Frauen übernahmen den Restbestand, nähten neue Kostüme und änderten bei ihnen abgegebene Kleider an der Nähmaschine. Recht zügig bezogen sie dann die Räume im Hinterhaus am Kötnerholzweg 13. „Wir haben schnell gemerkt, dass die Nachfrage da war“, erzählt Klusmann-Wiehe. Wenn Oper und Theater sich von Bühnenkostümen trennten, kauften die beiden „Sabinerinnen“ diese ein. Ihr Geschäft haben sie nach der Komödie von Franz und Paul Schönthan genannt, die mit Bezug auf die gleichnamige Sage aus der altrömischen Mythologie im Jahr 1884 uraufgeführt wurde.

Sabine Klusmann-Wiehe gibt nach 20 Jahren ihren Kostümverleih am Kötnerholzweg in Linden-Nord auf.

In den Gewändern im Lindener Hinterhaus steckt viel Fantasie, ein Schwerpunkt dort waren zunächst Kleider aus der Zeit des Barock und dem Mittelalter. „Mit den Jahren sind aber viele andere Epochen und Stile hinzugekommen“, sagt die Kostümverleiherin. Schließlich wollten die meisten Kunden – ebenso männliche wie weibliche – etwas Ausgefallenes zum Anziehen für Mottopartys oder andere Veranstaltungen. „Und da waren in jüngster Vergangenheit vor allem Charleston-Mode und Siebziger- oder Achtzigerjahre-Partys im Trend“, berichtet Klusmann-Wiehe. Auch Filme wirkten sich auf die Kundenwünsche aus: „Eine Zeit lang war es ,Fluch der Karibik’, jetzt gerade der Stil aus ,Babylon Berlin’“, meint die 52-Jährige.

Fundus im Haus der Jugend steht weiter zur Verfügung

Die Kostümverleiherin wird künftig nach eigenem Bekunden neben ein paar besonderen Lieblingsstücken ihre vielen treuen Kunden vermissen, „die hier schon lange vor ihrer Party ihren Spaß hatten“. Klusmann-Wiehe hängt vor allem an den hochwertigen Theaterkleidern. „Ich hoffe, sie finden die richtige Trägerin.“ Neben den opulenten barocken Roben hat sie auch Abendkleider, Smokings, Dirndl und Lederhosen sowie unzählige Basics im Angebot. „Für den richtigen Siebziger-Look braucht man schließlich auch die echte Vokuhila-Perücke, zu den Achtzigern gehören Schulterpolster und Karottenhosen.“ Dazu türmen sich in kleinen Regalen Hüte, Gürtel, Federboas und Accessoires zum Anstecken. Ein paar Kostüme hat Klusmann-Wiehe auch im Sortiment, die sich für Fasching oder auch Halloween eignen. „Schwarze Umhänge und Gothic-Kleider fürs Gruseln und Tierkostüme für den Karneval“, sagt die Sozialpädagogin. Für Kinder indes gibt es nichts bei den Sabinerinnen. „Dafür ist Findus in der Deisterstraße zuständig“, sagt Klusmann-Wiehe. Und wer künftig noch auf der Suche nach einer Kostümierung ist, kann im Fundus im Haus der Jugend stöbern.

Zwei Jahre über den Entschluss nachgedacht

Kleider aus dem Nachlass vom Dachboden der verstorbenen Großmutter nimmt Sabine Klusmann-Wiehe nun nicht mehr an, verliehen wird auch nichts mehr. Ab jetzt wird abverkauft, bis Ende November sollen die Räume möglichst leer geräumt sein. Bislang wurden Kleider und Anzüge für ein Wochenende entliehen – zu Preisen zwischen 15 und 100 Euro, Reinigung und Reparaturen übernahm die Chefin. Sabine Klusmann-Wiehe kennt jedes einzelne Stück. Zwei Jahre hat sie darüber nachgedacht, ob sie nun tatsächlich schließen soll. „Mein Herz hängt schon daran, aber es trägt sich halt nicht mehr.“

Für den Ausverkauf der Kostüme ist ab dem 1. November donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Der Laden befindt sich im Hinterhaus am Kötnerholzweg 13 in Linden-Nord.

Von Susanna Bauch

Runder Geburtstag für die Gewerkschaft der Polizei Niedersachsen: Die GdP hat am Dienstag in Hannover ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert. Außer vielen lobenden Worten gab es aber auch mahnende Passagen: Die Gefahr durch rechtsextreme Einflüsse nehme zu, die Polizei müsse sich entsprechend wappnen.

29.10.2019

Was bisher kaum jemand wusste: Belit Onay trat wegen Sigmar Gabriel in die SPD ein und saß ein Jahr lang für den konservativen Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) im Hochschulparlament der Uni Hannover. Der OB-Kandidat glaubt nicht, dass ihm das bei der Stichwahl schaden wird.

30.10.2019

Tausende Menschen warten auf eine Organspende – doch es gibt nicht genug Spender. Der Bundestag stimmt deshalb demnächst über zwei Gesetzesvorschläge ab. Beim HAZ-Forum in der MHH diskutierten Experten, Betroffene und Politiker über das umstrittene Thema. Hier erfahren Sie, wie Hannovers Bundestagsabgeordnete sich positionieren.

30.10.2019