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Aus der Stadt Limmerstraße: Petition gegen Hochbahnsteige gestartet
Hannover Aus der Stadt Limmerstraße: Petition gegen Hochbahnsteige gestartet
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11:15 07.02.2019
Gegen die geplanten Hochbahnsteigstandorte in der Fußgängerzone der Limmerstraße regt sich Protest. Quelle: Tim Schaarschmidt
Linden-Nord

Protest im Netz: Gegen die in der Limmerstraße geplanten Hochbahnsteige richtet sich eine Onlinepetition, die in dieser Woche an den Start gegangen ist. „Wir möchten die Menschen in Linden-Nord, die von dem Bau der Bahnsteige betroffen sind, nach ihrer Meinung fragen“, sagt Gerd Wach. Der örtliche Naturschutzbeauftragte des BUND ist einer der Initiatoren der Petition. Ziel sei es, mit einem klaren Votum den Bürgerwillen deutlich zu machen und die Entscheidungsträger zum Umdenken zu bewegen, sagt er.

Die politische Entscheidung für die drei Hochbahnsteige in der Limmerstraße ist bereits im Dezember 2017 gefallen. Demnach sollen zwei der barrierefreien Stationen an besonders engen Stellen in der Fußgängerzone errichtet werden – am Küchengarten gegenüber dem Rewe-Markt und in Höhe der Offensteinstraße gegenüber der Sparkasse). Der dritte Hochbahnsteig ist nahe des Freizeitheims im Bereich der Ungerstraße geplant. Das hatte die zuständige Regionsversammlung beschlossen, der Rat der Stadt schloss sich diesem Votum an.

Bezirksrat kommt nicht zum Zug

Der Bezirksrat Linden-Limmer hingegen fühlte sich übergangen: Er hatte angeregt, einen Hochbahnsteig nicht an der Offensteinstraße, sondern in einem breiteren Bereich der Limmerstraße an der Einmündung in den Kötnerholzweg zu bauen. Doch von den Entscheidungsträgern auf höherer Ebene wurde der Vorschlag verworfen. Das Gremium monierte auch, zu den anderen beiden Standorten erst gar nicht angehört worden zu sein.

Tunnelvorschlag abgelehnt

Auf Antrag der CDU hatte der Bezirksrat jüngst einen Prüfauftrag für einen Stadtbahntunnel in der Limmerstraße beschlossen – gegen die Stimmen der SPD. Jens Seidel, CDU-Fraktionschef im Rat der Stadt, unterstützt den Vorschlag ebenso wie der Verein Pro D-Tunnel. Die Region Hannover hat eine solche Lösung jedoch bereits als „völlig abwegig“ verworfen – sie sei in keiner Weise wirtschaftlich.

Ähnlich äußert sich Lars Kelich, SPD-Bauexperte im Stadtrat. Es gehe nur darum, die Hochbahnsteige zu verhindern – damit werde aber auch die Barrierefreiheit infrage gestellt. Kelich rät Grünen und Linken im Bezirksrat „weniger Latte Macchiato zu trinken und sich lieber um die Probleme der Leute vor Ort zu kümmern“. Ralf Strobach von der Bürgerinitiative Umweltschutz nennt den Tunnel „ein Stück aus dem Tollhaus“ und plädiert dafür, den Hochbahnsteig am Küchengarten zur Spinnereistraße (sogenannter Grüner Hügel) zu verlegen – eine Variante, die von der Region bereits abgelehnt wurde. jk

Geschäftsleute und Gastronomen hatten die Standorte in der Fußgängerzone ebenfalls heftig kritisiert, weil die Bahnsteige direkt an ihre Läden grenzen und Außenbereiche teils so stark reduziert würden, dass diese nicht mehr oder nur noch stark eingeschränkt nutzbar wären. Zudem befürchten sie Umsatzeinbußen durch langjährige Bauarbeiten. Die Gewerbetreibenden seien sehr verunsichert, sagt Peter Hoffmann-Schoenborn vom Wirtschaftsforum des Vereins Lebendiges Linden.

Schon im vergangenen Sommer hatten Geschäftsleute gegen die Bahnsteige protestiert, weil sie zu dicht an ihre Läden grenzen würden. Quelle: Tim Schaarschmidt

Mit der Onlinepetition sollten nun die Argumente der Betroffenen bekräftigt werden, sagt Initiator Wach. Zudem wollen er und seine Mitstreiter Unterschriftenlisten in der Limmerstraße auslegen. Wach hofft, dass mindestens 5300 Signaturen zusammenkommen. Die Unterschriften sollen an Regionspräsident Hauke Jagau und Oberbürgermeister Stefan Schostok übergeben werden. Die Organisatoren der Petition gehen davon aus, dass das Planfeststellungsverfahren, bei dem Anlieger Einwände geltend machen können, nicht vor Mitte 2020 beginnt.

Region hat noch keinen Zeitplan

Die Region Hannover wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen. Es gebe noch keinen konkreten Zeitplan, hieß es dort. Im vergangenen Jahr war allerdings bereits von einem frühestmöglichen Baustart 2020 die Rede gewesen. Im Zuge der Planung werde „nun geschaut, an welchen Stellen genau in welchem Umfang der Bau von Hochbahnsteigen sinnvoll und möglich ist“, erklärt Regionssprecherin Carmen Pförtner. Fest stehe aber, dass an den drei Bereichen Offensteinstraße, Küchengarten und Ungerstraße festgehalten werde.

Kommentar: Dilemma auf der Flaniermeile

Sie sollen die Barrierefreiheit für alle Verkehrsteilnehmer sichern. Aber ihrerseits wirken Hochbahnsteige wie Barrieren: Die massigen Betonklötze sind das Gegenteil eines ästhetisch geplanten städtischen Umfelds. Hochbahnsteige erfüllen ihren Zweck, damit in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen einen stufenlosen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr haben. Gerade an Standorten wie der Limmerstraße können die Bahnsteige jedoch zum Problem werden. 45 Meter lang und vier Meter breit ist jeder. Diese Betonriegel werden den Charakter der Flaniermeile nachhaltig verändern. Darum sind die Sorgen der Anwohner und Geschäftsleute berechtigt. Bei einem besonders betroffenen Gastronomen etwa wird der Bahnsteig so dicht an sein Lokal grenzen, das eine Außenbewirtschaftung nicht mehr möglich ist.

Die Entscheidung, die zu dem heutigen Dilemma führt, ist schon vor Jahren gefallen – seit feststeht, dass Hannover weiter auf Hochflurbahnen setzt. Umso unverständlicher ist es, dass die Region mit so wenig Augenmaß vorgeht und in der Limmerstraße ausgerechnet an besonders engen Stellen Hochbahnsteige setzen will – zumal der Bezirksrat für den Standort nahe der Sparkasse einen Alternativvorschlag gemacht hatte, der weniger in den Straßenraum eingegriffen hätte. Sicher, es gab diverse runde Tische mit Politik, Verwaltung und Verbänden. Aber nun wird den direkt Betroffenen klar, was die Bahnsteige für sie bedeuten. Vielleicht lassen sich zumindest im Detail doch noch Kompromisse finden. Sicher ist: Ein Tunnelbau, der 100 Millionen Euro pro Kilometer kosten würde, ist keine finanzierbare Option.

Von Juliane Kaune

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