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Aus der Stadt Deisterstübchen schließt zum Jahreswechsel
Hannover Aus der Stadt Deisterstübchen schließt zum Jahreswechsel
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00:15 31.12.2018
Er muss das Deisterstübchen (Rias Baixas 1) schließen: Betreiber David Comesaña.
Er muss das Deisterstübchen (Rias Baixas 1) schließen: Betreiber David Comesaña. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

„Wegen Krankheit geschlossen“ steht an der Tür des Deisterstübchens in Linden-Süd. Doch öffnen wird das weit über die Stadtteilgrenzen hinaus bekannte spanische Restaurant auch nach der Genesung des überraschend erkrankten Personals nicht mehr: Zum Jahreswechsel gibt David Comesaña das Kultlokal auf, das sein Vater Joaquin und sein Onkel Carlos 1991 in der früheren Eckkneipe an der Deisterstraße eröffnet hatten. „Es lohnt sich leider nicht mehr“, sagt der 38-Jährige, der als 18-Jähriger in den Betrieb eingestiegen war.

Das Deisterstübchen (mit dem spanischen Untertitel Rias Baixas 1) ist die gastronomische Keimzelle der Comesañas. In der rustikalen spanischen Bodega hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum etwas verändert – und genau das hat ihren Charme ausgemacht. Der große Stehtisch in Form eines Wagenrades steht noch immer an seinem Platz, hinter der Theke hängen als nostalgische Relikte alte Tonbandkassetten, flankiert von vergilbten Postkarten, die Stammgäste von ihren Urlauben in aller Welt geschickt haben. „Manche Gäste kommen schon seit den Anfängen“, sagt David Comesaña. Wegen der legendären Fischplatte, den Tapas und natürlich wegen der Familie Comesaña, die die spanische Gastfreundschaft lebt.

Vater Jaoquin, heute 63 Jahre alt, schmerze das Aus für das Deisterstübchen besonders, sagt sein Sohn, der das Restaurant seit 2006 führt. Doch es sei immer schwerer geworden, gutes Personal zu finden. Auch das Verhalten der Gäste habe sich geändert. „Sie bleiben nicht mehr so lange wie früher und trinken weniger, das macht sich in der Kasse bemerkbar.“ Der Betrieb habe sich letztlich nicht mehr rentiert, und die Preise wollten die Comesañas nicht erhöhen.

Das traditionelle spanische Lokal hat nicht mehr genug Gäste.

Die gute Nachricht aber ist: Im Rias Baixas 2 im benachbarten Ahrbergviertel bleibt alles beim Alten. Das im Vergleich zum Deisterstübchen dreimal so große Restaurant, das die Familie im Jahr 2000 eröffnet hat, wurde im vergangenen Jahr sogar noch erweitert. „Wir hoffen, dass viele Gäste aus dem Deisterstübchen künftig hierher kommen“, sagt David Comesaña. Seine Schwester Eva und seine Eltern sind ebenfalls im Gastroteam des Baixas 2 anzutreffen. Bruder Ruben indes sieht man dort kaum: Er betreibt das O’ Atlántico in Linden-Nord.

Von Juliane Kaune