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Aus der Stadt Jugendtreff am Allerweg muss schließen
Hannover Aus der Stadt Jugendtreff am Allerweg muss schließen
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16:06 18.07.2018
Im Vorderhaus des Treffpunkts Allerweg ist zurzeit noch die „Villa Anna“ untergebracht.
Im Vorderhaus des Treffpunkts Allerweg ist zurzeit noch die „Villa Anna“ untergebracht. Quelle: Michael Wallmueller
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Linden-Süd/Linden-Nord

Seit drei Jahrzehnten ist er eine beliebte Anlaufstelle für Jugendliche aus Linden-Süd – nun wird der Jugendtreff am Allerweg schließen. Der Trägerverein ViA Linden will die Einrichtung – bei vielen auch unter dem Namen „Villa Anna“ bekannt – zum 1. August mit seinem Jugendtreff in der Elisenstraße in Linden-Nord zusammenlegen. „Wir haben leider keine andere Wahl“, sagt Geschäftsführerin Marion Latzke. Weil die Zuschüsse der Stadt seit Jahren stagnierten, sei es mit einer engen Personaldecke nicht mehr möglich, den Betrieb an beiden Standorten aufrechtzuerhalten. Der Bezirksrat Linden-Limmer sieht das mit großer Sorge: Einstimmig hat das Gremium die Stadt aufgefordert, den Verlust für die Jugendarbeit in Linden-Süd schnellstmöglich auszugleichen.

„Es ist völlig paradox, eine Stelle für die Jugendarbeit von hier nach Linden-Nord zu verlagern“, empörte sich Linden-Süds Quartiersmanager Carsten Tech in der jüngsten Bezirksratssitzung. Längst sei auch in der Stadtverwaltung anerkannt, dass der südliche Teil Lindens mit einer schwachen Sozialstruktur und einem hohen Migrantenanteil einen besonderen Förderbedarf vor allem in der Jugendarbeit habe. Den Trägerverein Via kritisierte Tech ausdrücklich nicht; es sei verständlich, dass die Arbeit mit wenig Personal an einem Standort effektiver und verlässlicher geleistet werden könne. Der Stadt aber warf er vor, die Situation billigend in Kauf zu nehmen, statt eine solide Finanzierung zu gewähren.

Aus Sicht der Verwaltung lässt sich das Aus für die „Villa Anna“, die zurzeit mit weiteren Einrichtungen aus dem Stadtteil im Treffpunkt Allerweg untergebracht ist, kompensieren. In einer Drucksache für den Bezirksrat ist die Rede davon, dass der Jugendtreff in der Elisenstraße „in fußläufiger Entfernung“ für die Jugendlichen aus Linden-Süd erreichbar sei. Das brachte den Bezirksrat in Rage: „Der Verweis zeugt von mangelhafter Ortskenntnis!“, heißt es in dem Antrag des Gremiums. Auch dem Vorschlag der Verwaltung, die Jugendlichen aus dem Allerweg könnten künftig das etwa 400 Meter entfernte städtische Jugendzentrum Posthornstraße besuchen, stehen die Politiker skeptisch gegenüber. Sie bezweifeln, dass das Angebot von den bisherigen Nutzern der „Villa Anna“ angenommen wird.

„Es ist ein verheerendes Zeichen, Linden-Süd in der Jugendarbeit zu schwächen“, warnte Grünen-Fraktionschef Daniel Gardemin. CDU-Fraktionschefin Gabriele Steingrube erklärte, die Wege für die Jugendlichen würden viel zu weit, wenn sie auf andere Standorte ausweichen sollten. Auch David Müller, Vorsitzender der Linken-Fraktion, hält einen dauerhaften Verlust des Jugendtreffs für Linden-Süd für „sehr problematisch“.

In der Bezirksratssitzung bemühte sich Susanne Frischen, städtische Bereichsleiterin Kinder- und Jugendarbeit, die Wogen zu glätten. Das Jugendzentrum Posthornstraße habe noch genug personelle Kapazitäten, erklärte sie. Zudem habe der Verein ViA zugesagt, für eine Übergangsphase einen seiner Mitarbeiter in der Posthornstraße einzusetzen, damit dieser interessierte Jugendliche aus dem Allerweg dort eingewöhnen könne. „Wir werden die Versorgungslücken im Blick behalten“, versprach Frischen. Eine Zusage, dass es nach einer bestimmten Frist wieder einen neuen Jugendtreff in Linden-Süd geben könnte, wollte sie aber nicht machen. „Wir würden das bei einer auskömmlichen Finanzierung befürworten“, erklärte Via-Geschäftsführerin Marion Latzke gegenüber dem Stadt-Anzeiger.

Bezirksrat und Quartiersmanagement wünschen sich seit Langem, dass im Vorderhaus des Treffpunkts Allerweg ein vielfältiges soziokulturelles Zentrum entsteht, in dem auch die Jugendeinrichtungen aus dem Stadtteil einen dauerhaften Platz haben. Grundsätzlich befürwortet die Stadt eine solche Lösung. Allerdings ist noch immer offen, wann der dafür nötige Umbau des Vorderhauses in Angriff genommen werden kann. Im sogenannten Investitionsmemorandum der Stadt sind zwar 4 Millionen Euro eingeplant – allerdings ist dieser Sondertopf für Bauprojekte auf zehn Jahre angelegt.

Von Juliane Kaune